Abgefahrene ORF-Millionen und Moldens "Presse"-Rückkehr

21. November 2016, 07:00
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News-Sozialplan, ÖSV und ORF, Betriebsratsklausur und Herzl-Dozentur

Wien – Es wird definitiv keine schöne Woche für die Mitarbeiter der Verlagsgruppe News: Am Freitag präsentierte der Betriebsrat der Belegschaft den bisher ausgehandelten Sozialplan für die Sparvorhaben Horst Pirkers, der bis Ende des Jahres 80 bis 100 Mitarbeiter und zehn bis zwölf Millionen Euro weniger plant. Diese Woche sollen die Betroffenen informiert werden, heißt es im Media Tower an der Taborstraße. Aber wohl nicht alle.

Denn nach STANDARD-Infos gibt es bisher keine Einigung mit einzelnen Titeln der Verlagsgruppe über die Sparpläne, darunter insbesondere "News" und die "Autorevue". Der Freitag präsentierte Sozialplan soll offenbar vor allem älteren und länger in der Verlagsgruppe beschäftigten Mitarbeitern den Abschied aus der Taborstraße erleichtern, sagen Menschen mit Einblick in die Konditionen. Die Stimmung bei der Informationsveranstaltung am Freitag wird mit "sehr okay" beschrieben, der Betriebsrat habe noch etwas herausgeholt.

Und eine Nachricht aus der Taborstraße klingt doch ganz gut: Das Budget für 2017 steht, und das Ergebnis soll, so heißt es in der Verlagsgruppe, nach einstelligen Millionenverlusten über drei Jahre, ausgeglichen sein. Das können nun wirklich nicht alle österreichischen Medienunternehmen vorerst von sich behaupten – auch nicht der ORF.

ORF-Betriebsräte an der Eisenstraße

Noch etwas herauszuholen hofft wohl auch der Betriebsrat von Österreichs größtem Medienunternehmen: Die Zentralbetriebsräte des ORF ziehen sich diese Woche zur Klausur zurück. Thema laut Teilnehmern in Waidhofen an der Ybbs, wo sich für solche Einkehr das Schloss an der Eisenstraße empfiehlt: die geplanten weiteren Einsparungen des ORF.

Rund 40 Millionen liegt der vorläufige Finanzplan schon unter den drohenden 81 Millionen Euro Minus, und das jedenfalls nach bisherigen Informationen ohne gröbere Kürzungen am Personalbudget. Das verheißt nichts Gutes vor den üblicherweise gegen Jahresende anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen im ORF. Denn noch liegt das ORF-Budget 2017 42,3 Millionen unter Null – und das Minus soll laut ORF-Management nicht allein mit der anstehenden Gebührenerhöhung ausgeglichen werden.

"Krone"-Kampagne, Verleger-Veto

A propos: Die gerade in die Gänge gekommene "Krone"-Kampagne zur Gebührenerhöhung wird uns wohl auch noch in den Dezember begleiten, wenn ORF-Chef Alexander Wrabetz seinen Gebührenantrag vorlegen will. Jedenfalls ist das die letzte Möglichkeit in der gesetzlich vorgeschriebenen Fünf-Jahres-Frist – der ORF muss zumindest einmal in diesem Zeitraum nachrechnen, ob die Gebühreneinnahmen den Kosten seines öffentlich-rechtlichen Auftrags entsprechen.

foto: krone / red
"Krone"-Headline am Samstag.

In den kommenden Tagen dürfte sich auch der Zeitungsverband – nicht ganz überraschend – gegen die Erhöhung der Rundfunkgebühren aussprechen. Die VÖZ-Gremien beschlossen diese Linie vorige Woche.

Abgefahrene ORF-Millionen

Man möchte sich freilich auch keine "Krone"-Kampagne vorstellen, wenn der ORF zum Beispiel Skiweltcup und andere ÖSV-relevante Wintersportevents nicht mehr übertragen würde – und Rundfunkgebühren einhebt.

Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, aber in diesen Wochen muss sich der ORF wieder ganz besonders intensiv um den Skiverband kümmern: Der laufende Exklusiv-Fünfjahresvertrag mit dem ÖSV reicht nur noch bis in diese Saison 2016/17. Die Verlängerung gilt intern als "ganz entscheidend" – ohne diese Marktanteilsbooster sähen die Quoten des ORF auch in der fernsehintensiveren Wintersaison deutlich karger aus. Da trifft schon eine Absage von Abfahrt und Super G wie kommendes Doch-Nicht-Rennwochenende in Lake Louise (Kanada) hart.

foto: reuters / eric bolte-usa today sports
Matthias Mayer voriges Jahr in Lake Louise, damals ohne Medaille in der Abfahrt.

Was kostet eigentlich so ein ÖSV-Vertrag den ORF? Nach STANDARD-Infos jedenfalls bisher einen hohen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr. Und damit etwa soviel wie eine reguläre Jahressteigerung der ORF-Personalkosten, die Auskenner etwa für 2017 mit gut zehn Millionen Euro taxieren. Ein Teil der ORF-Gehälter steigt automatisch in Zweijahressprüngen ("Biennien"). Inzwischen sind die ORFler, noch ohne Regelungen für ORF-Töchter, in einer Handvoll verschiedener Kollektivverträge und einer Freien Betriebsvereinbarung angestellt, die auch Jahr für Jahr unterschiedlich valorisiert werden. – Wenn es nicht wieder einmal, wie schon öfter in Zeiten der Gebührenerhöhung, eine Nulllohnrunde geben sollte. Für solche Ideen werden sich die ORF-Betriebsräte wohl an der Eisenstraße wappnen.

Wie Molden zur Presse zurückkehren könnte

Gespart und – mit einigen Kosten – gekürzt hat der Verlag der "Presse" heuer schon genug: Allein die Einstellung der Schwesterzeitung "Wirtschaftsblatt" dürfte ein paar Millionen gekostet haben. Nun versucht man sich offenbar mit neuen Geschäftsfeldern – über die fliegend übernommenen ökonomischen "Wirtschaftsblatt"-Schmuckstücke "Austria's Leading Companies" und "Österreichs beste Familienunternehmen" hinaus.

Mutterkonzern Styria stellt der "Presse" einen eigenen Buchverlag zur Seite, darüber wurden "Presse"-Mitarbeiter schon informiert. Der Verlag kommt aus dem konzerneigenen Styria-Buchverlagen – und es ist einer mit mehr als passendem Namen: Molden.

Was bisher so im Molden Verlag erschien.

Ernst Molden senior gründete "Die Presse" 1946 wieder, Sohn Fritz Molden führte sie nach ihm noch ein paar Jahre weiter, bevor er seinen ersten großen Buchverlag gründete (und 1982 in den Konkurs führte). Den Molden-Buchverlag, der nun zur "Presse" wechseln soll, hat Molden 1995 gegründet und 2005 den Styria-Buchverlagen weitergereicht. 2014 starb Fritz Molden. Zur "Presse" wechselt im Wesentlichen die Marke Molden Verlag, sie will unter dem Namen künftig offenbar eine Handvoll Bücher pro Jahr herausgeben.

Herzl und Koller

Und wo wir schon bei großen Namen und der "Presse" sind: Montag hält Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten", seine letzte von drei Vorlesungen im Rahmen der diesjährigen Theodor-Herzl-Dozentur für die Poetik des Journalismus. Thema: Journalismus als eine der Voraussetzungen für Demokratie. Ab 9.45 Uhr am Montag im Hörsaal 1 des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Währinger Straße 29, 1090 Wien. (Harald Fidler, 21.11.2016)

Die Etat-Wochenschau

Die Etat-Wochenschau widmet sich sehr subjektiv ausgewählten, absehbaren Ereignissen der neuen Woche, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr.

Ich nehme mir ein paar Tage frei, könnte gut sein, dass die Wochenschau nun einmal aussetzt. (fid)

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