US-Soulsängerin Sharon Jones gestorben

Video19. November 2016, 08:44
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Die New Yorkerin zählte zur Speerspitze des Soulrevivals der Nullerjahre

New York/Wien – Die Soulmusik der 1960er- und 1970er-Jahre erfeute sich zwar immer vieler Verehrer und Fans, doch es war das New Yorker Daptone-Label, das ihr in den Nullerjahren ein weltweites Revival bescherte, ohne Zugeständnisse an die Neuzeit zu machen.

Womit man sich sonst das Label des Modernisierungsverlierers einfängt, war im Falle des Soul-Revivals gerade recht. Der erst Star des Daptone Labels war Sharon Jones. Ein Energiebündel aus Georgia, wo ihre Mutter noch den "Godfather" James Brown gekannt haben soll. Ein Omen, keine Frage.

daptonerecords

Karriere mit Verspätung

Geboren am 4. Mai 1956 in North Augusta in South Carolina als Sharon Lafaye Jones als jüngstes von sechs Kindern, zog ihre Mutter mit ihr bald in den wirtschaftlich ein besseres Leben in Aussicht stellenden Norden, nach New York. Dort absolvierte Jones die Schule und begann schon in den 1970ern mit diversen lokalen Bands zu singen. Für eine Karriere im Musikgeschäft reichte es zunächst nicht.

Im bürgerlichen Leben arbeitete sie als Gefängniswärterin auf der New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island. Mitte der 1990er veröffentlichte sie ihre ersten Singles, zu jener Zeit wurde Gabriel Roth auf sie aufmerksam, der später Dap Tone gründen sollte. Als dieses 2001 seine Pforten öffnete, war seine erste Veröffentlichung eine Single von Sharon Jones and the Dap Kings: "Got A Thing On My Mind."

Rohes und elegantes Debüt

Das erste Album des Labels war ebenfalls von Sharon Jones, "Dap-Dippin' With…" (2002). Das rohe und gleichzeitig elegante Debüt stand in der Tradition von Labes wie Stax in Memphis, war slick produziert, energetisch ohne unnötigen Firlefanz. Für die Energie war Jones zuständig, sie überzeugte ihr Publikum mit hinreißenden Songs und Shows. Als sie hierzulande das erste Mal in der Wiener Ottakringer Brauerei auftrat, hinterließ sie einen restlos begeisterten Saal.

Dem Debüt folgte das Album "Naturally" und ihr Meisterwerk "100 Days, 100 Nights" (2007). Als die Studio-Band von Daptone für die Aufnahmen von Amy Winehouse’ Welterfolg "Back In Black" gebucht wurde, erhielten der Verlag und seine Künstler entsprechende Aufmerksamkeit, Sharon Jones machte eine späte Weltkarriere.

Aushängeschild von Daptone

Drei weiteres Alben sollte sie veröffentlichen, gemeinsam mit ihrem Kollegen Charles Bradley zählte sie zu den Aushängeschildern von Daptone. Sie gastierte im großen Festivalzirkus (und beim Wiener Jazzfest) und bestach mit hochenergetischen, dabei gefühlvollen Auftritten.

Ihr 2013 erschienenes Album "Give The People What They Want" wurde für einen Grammy als bestes R’n’b-Album nominiert. Im selben Jahr wurde bei ihr Krebs diagnostiziert, sie informierte ihre Fans, war guter Dinge, den Kampf zu gewinnen und verschob eine anstehende Tour, die sie schon im Jahr darauf nachholte, noch mit der Glatze, die sie von der Chemotherapie hatte. Ihr ginge es bestens, meinte sie, doch das sollte sich nicht lange bewahrheiten. Der Krebs kam zurück, Sharon Jones ist am 18. November einem Bauchspeicheldrüsenkrebsleiden erlegen. Sie wurde 60 Jahre alt. (Karl Fluch, 19.11.1016)

  • Sharon Jones bei einem Wien-Auftritt vor zwei Jahren.
    foto: fischer

    Sharon Jones bei einem Wien-Auftritt vor zwei Jahren.

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