Vaclav Klaus bei FPÖ: "Man kann fast von Krieg in Europa sprechen"

18. November 2016, 23:19
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Die Freiheitlichen luden den tschechischen Ex-Präsidenten Václav Klaus zu einem Symposium zum Thema "Massenmigration" nach Wien. Der Rechtskonservative fungierte als Scharfmacher für seinen wahlkämpfenden Nachredner Norbert Hofer.

Wien – In der warmen, stickigen Luft des Kursalons Hübner liegt die Angst vor der Zukunft, schon bevor die Veranstaltung überhaupt beginnt. Große Kristallleuchter hängen von der Decke, zarter Stuck ziert die Wände, der Ton ist rau. Ein älterer Herr mit kariertem Sakko und Siegelring blockiert den vermutlich letzten freien Stuhl im großen Veranstaltungssaal mit seinem Brillenetui. Eine Frau möchte, dass ihre Tochter sich dort setzt. Da murrt der Mann irgendetwas wie: "Zuerst so spät kommen, dann andere Gäste stören." Die Frau keppelt zurück, er solle so nicht mit ihr sprechen. "Man darf sagen, was man will. Noch, ja noch ist das ein freies Europa", antwortet er.

Vorn, auf dem Plakat beim Rednerpult, steht in Großbuchstaben das Thema des Abends, der eigentliche Angstmacher:"Massenmigration nach Europa." Das Bildungsinstitut der FPÖ und der Liberale Klub haben Václav Klaus nach Wien und das Volk zum Lauschen geladen. Der tschechische Ex-Präsident sowie auch der blaue Parteichef Heinz-Christian Strache und FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer sollen dem Publikum in eineinhalb Stunden ihre Sicht zur europäischen Causa prima, der "modernen Völkerwanderung", darlegen.

Scharfmacher

Klaus, der erste Redner, dient als Scharfmacher. Mit kämpferischer Rhetorik macht er gleich zu Beginn seiner Ansprache klar, wofür er steht:"Die Massenmigration wird Europa auch ohne Terrorismus zerstören", ruft er der applaudierenden Menge zu. Oder auch: "Man kann fast von einem Krieg in Europa sprechen."

Die "Schlachtformationen", wie er sagt, seien auf der einen Seite Personen wie Strache und Hofer und der neue US-Präsident Donald Trump – jene, die für Freiheit, Ordnung und Patriotismus stünden. Auf der anderen Seite würde sich die "autistische, arrogante und aggressive" Elite tummeln. Sie würde politische Korrektheit, Moralismus, Kulturmarxismus und Manipulation verkörpern – "wie Frau Merkel". Diese Elite nutze die Massenmigration, um die europäische Gesellschaft umzugestalten, sagt Klaus. Das Publikum ist begeistert.

Klaus als Vorbild

Nun betritt Strache die Bühne. Klaus – der übrigens auch den Klimawandel bestreitet und die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen als "staatliche Überregulierung" bezeichnet – sei für ihn, Hofer und "für uns alle" ein Vorbild, statuiert der Chef der Freiheitlichen. Dann stimmt er inhaltlich ein: "Wir müssen deutlich der politischen Elite entgegentreten, die alles dafür tut, dass Europa sich abschafft." Den umstrittenen deutschen Volkswirt und Ex-Politiker Thilo Sarrazin wird er später noch öfter zitieren.

Flüchtlinge, so Strache, seien in den meisten Fällen Wirtschaftsmigranten – dass die zu uns kommen, erinnere an eine "Invasion, eine moderne Landnahme". Schließlich spricht er noch an, worum es an diesem Abend wohl eigentlich geht: "Wir Österreicher" seien ja vorsichtig, wenn es um Veränderungen geht, doch "wenn die Amerikaner sich trauen, können wir uns auch trauen."

Elite verhindere Wahlsieg

Schon wird er am Mikrofon von "Präsident" Hofer abgelöst. Die Gäste toben inzwischen, "Norbert, Norbert", rufen einige, andere grölen und klatschen frenetisch. Auch er wettert gegen die lügende Elite, die "alles versuchen wird, um meinen Wahlsieg zu verhindern". Man dürfe die Welt nicht "den Marxisten, Kommunisten und Grünen" überlassen. Hofer gibt sich besonnener als seine Vorredner, um "Massenmigration" geht es aber nur noch peripher.

Das blaue Bildungsinstitut, einer der Veranstalter, bekommt jährlich mehr als zwei Millionen Euro an staatlicher Förderung – für politische Bildungsarbeit.

Im Interview mit der schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter" kündige Hofer laut "Profil" an, im Fall eines Wahlsieges Verbündete in Osteuropa, also in Ländern mit "ähnlicher Kultur" suchen zu wollen. Er wolle so ein Gegengewicht zu Deutschland und Frankreich aufbauen. (Katharina Mittelstaedt, 18.11.2016)

  • Der Klimawandel-Skeptiker und EU-Kritiker Václav Klaus (vorn) dient FPÖ-Chef Strache und Präsidentschaftskandidat Hofer als "Vorbild".
    foto: christian fischer

    Der Klimawandel-Skeptiker und EU-Kritiker Václav Klaus (vorn) dient FPÖ-Chef Strache und Präsidentschaftskandidat Hofer als "Vorbild".

  • Will die Welt nicht den "Marxisten, Kommunisten und Grünen" überlassen: Norbert Hofer.
    foto: christian fischer

    Will die Welt nicht den "Marxisten, Kommunisten und Grünen" überlassen: Norbert Hofer.

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