Dortmund gegen Bayern: Mehr geht nicht

18. November 2016, 19:43
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Borussia Dortmund empfängt die Bayern, aber: man gibt sich ungewohnt kühl. Gladbach lädt zum Rheinderby. Beim HSV brennt die Hütte lichterloh

Der deutsche Fußball-Klassiker hat an Spannung nichts verloren, die jahrelange Feindschaft der Führungskräfte ist allerdings verflogen. Beim Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München am Samstag (18.30, Liveticker auf derStandard.at) steht daher ganz das Geschehen auf dem Rasen im Mittelpunkt. Viel Emotion birgt auch das Rheinderby sowie der Kampf des HSV um den ersten Saisonsieg.

Früher gab es bitterböse Sticheleien, zuletzt dagegen schmeichelhafte Komplimente. Vor dem Bundesliga-Gipfel zwischen dem BVB und den Bayern ging es anders als in Zeiten großer Abneigung zuletzt erstaunlich harmonisch zu. Diese Annäherung der Führungskräfte schmälert jedoch nicht die sportliche Brisanz. "In Dortmund zu spielen, ist das schönste Spiel, das es in der Bundesliga gibt. Weil es da am schwierigsten ist, zu gewinnen", kommentierte Thomas Müller.

Hummels, Götze und die Breitseite

Im Fokus stehen dabei die Rückkehr von Mats Hummels, der im Sommer von Dortmund nach München gewechselt ist, und das Wiedersehen mit Mario Götze, der den umgekehrten Weg eingeschlagen hat, sowie das Torjäger-Duell von Bayerns Robert Lewandowski (7 Tore) mit BVB-Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang (11).

Der BVB will nicht nur seine Rekordheimserie von 26 Spielen ohne Niederlage ausbauen, sondern den Abstand zu Tabellenführer Bayern möglichst auf drei Zähler verkürzen. Nicht zuletzt wegen der verbesserten Personallage ist BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke optimistisch, auch wenn Marco Reus wegen einer Fersenverletzung sein Comeback erneut verschieben muss. "Wir spielen zu Hause. Das ist für uns eine gute Möglichkeit, näher heranzukommen", sagte der Clubchef vor dem "Fifty-Fifty-Spiel".

Auch bei Bayern-Coach Carlo Ancelotti ist die Vorfreude groß. "Es ist ein Klassiker. Dortmund und Bayern haben in den letzten Jahren immer um die Meisterschaft gespielt. Wir müssen 100 Prozent geben, nur dann können wir gewinnen", sagte der Italiener, der allerdings auf Arjen Robben und Javi Martinez verzichten muss. Franck Ribery ist dagegen wieder einsatzbereit und könnte links im Mittelfeld vor ÖFB-Star David Alaba zum Einsatz kommen.

Auch brisant

Viel Brisanz verspricht auch das Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln mit dem Wiener Trainer Peter Stöger. Nach fünf sieg-und torlosen Spielen nimmt der Druck auf Gladbachs Trainer Andre Schubert zu. Doch der Borussia-Coach gibt sich betont gelassen. "Das sind immer die gleichen Reflexe, die da kommen. Ich jammere nicht, wenn Kritik aufkommt, denn überdrehte Darstellungen gehören zum Geschäft." Von einem Katastrophenszenario will auch Manager Max Eberl nichts wissen. "Ich werde diesem Spiel keinen Endspielcharakter aufdrücken nach dem Motto: Wenn das Ding in die Hose geht, ist die Katastrophe perfekt", erklärte der Manager.

Rückendeckung bekommt Schubert vor dem Duell im Borussia-Park auch vom Trainerkollegen. Stöger kann die Kritik an Schubert nicht nachvollziehen. Was dieser im vergangenen Jahr erreicht habe, "war außergewöhnlich gut", sagte Stöger. Ihn stört, dass Schuberts Arbeit nur an den jüngsten Ergebnissen gemessen wird. "Das ist leider typisch für den Fußball und die Bundesliga."

Stöger selbst hat gut lachen, der FC steht punktegleich mit Dortmund auf Rang sechs. "Wir haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass wir in der Lage sind, auch gegen richtig gute Mannschaften zu bestehen. Die Situation, dass wir relativ weit oben stehen, gefällt uns. Da fühlen wir uns wohl und da möchten wir auch gerne bleiben. Aber dafür müssen wir punkten", erklärte der Wiener.

Heißer Keller

Besonders groß ist die Anspannung am Tabellenende. Sehnsüchtig warten Schlusslicht Hamburger SV und der FC Ingolstadt, die bereits fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz haben, auf ihre ersten Saisonerfolge. Bei Ingolstadt gibt Maik Walpurgis gegen Darmstadt 98 sein Trainerdebüt.

Ganz prekär ist die Lage beim HSV. Trainer Markus Gisdol braucht bei seiner Rückkehr nach Hoffenheim dringend einen Sieg. Zwei Punkte und vier Tore aus den ersten zehn Spielen lautet die verheerende Bilanz der Hamburger nach fast einem Drittel der Saison."Man merkt, dass eine gewisse Depression im Verein irgendwo vorhanden ist, dass viele Leute müde sind, mental, weil man das mehrere Jahre hintereinander miterlebt hat. Aber mit schlechten Gefühlen kommen wir nicht weit", sagte Gisdol. Der Coach, der zuletzt Kapitän Johan Djourou abgesetzt hat, muss auf Stammtorhüter Rene Adler verzichten, der wegen einer Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen operiert werden muss und bis Jahresende ausfällt.

Der HSV will sich aber mit aller Macht gegen den drohenden ersten Abstieg stemmen: "Ich bin zu jedem Risiko bereit, auch zu finanziellen Risiken", sagte Aufsichtsratschef Karl Gernandt in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt". Die aktuelle Situation des Vereins bezeichnete der 56-Jährige als eine Krise, "in der die Hütte lichterloh brennt". (APA, 18.11.2016)

Programm 11. Runde der deutschen Bundesliga:

Freitag:
Bayer Leverkusen – RB Leipzig

Samstag:
Borussia Mönchengladbach – 1. FC Köln
FSV Mainz – SC Freiburg
VfL Wolfsburg – Schalke 04
Darmstadt – Ingolstadt
FC Augsburg – Hertha BSC
Borussia Dortmund – Bayern München

Sonntag:
Hoffenheim – Hamburger SV
Werder Bremen– Eintracht Frankfurt

  • Der FC Bayern ist dem BVB vor dem Top-Spiel in Dortmund wie gewohnt enteilt.
    foto: reuters/orlowski

    Der FC Bayern ist dem BVB vor dem Top-Spiel in Dortmund wie gewohnt enteilt.

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