Mitarbeiter legen sich mit Ikea an

19. November 2016, 09:08
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Belegschaft fühlt sich Willkür und Überwachung ausgesetzt. Ein Streit über die Wahl des Betriebsrats beschäftigt die Justiz

Wien – Ikea pflegt sein sympathisches Image. Hinter den Kulissen knirscht es dennoch. In Wien beschäftigen harte interne Konflikte der Einrichtungskette nun die Justiz. Mitarbeiter des Hauses Wien Nord haben beim Arbeits- und Sozialgericht Klage eingebracht, erfuhr der STANDARD. Die erste Verhandlung ist nächsten Dienstag.

Anlass ist die im Mai absolvierte Wahl des Betriebsrats. Mitarbeiter wollen sie für nichtig erklären lassen und sammeln Unterschriften, um diesen wieder abzusetzen. Zudem steht auch eine Feststellungsklage im Raum. Diese soll, sofern sie zugelassen wird, klären, ob Abteilungsleiter bei Ikea Angestellte in einer führenden Position sind und als solche bei Betriebsratswahlen mitwählen dürfen.

Empfehlung zur Kündigung

Versuche, einen Betriebsrat für Ikea Nord auf die Beine zu stellen, waren in der Vergangenheit mehrfach gescheitert. Sie endeten darin, dass ihren Initiatoren einvernehmliche Kündigungen nahegelegt wurden, erzählt einer von fast einem Dutzend Mitarbeitern, die sich an den STANDARD wandten.

Im Mai dieses Jahres gelang das Vorhaben, endete aber im Chaos, berichten andere. Von einer manipulierten Wahl ist unter ihnen die Rede – zugunsten von Betriebsräten, die dem Management nahestünden. Wahlgeheimnisse seien verletzt worden, etwa durch unzureichend gesicherte Urnen. Das Verzeichnis der Arbeitnehmer sei unkorrekt gewesen, der Wahlkartenversand fehlerhaft verlaufen, geht aus der Klagschrift hervor.

Unter der Belegschaft grassiert Angst von Kündigungen, namentlich nennen lassen will sich keiner. Der Kern ihrer Kritik an Ikea: Urlaube und Zeitausgleich würden willkürlich eingeteilt und gestrichen. Die personelle Ausdünnung erlaube kaum Pausen. Überall werde gespart, ob bei Klimaanlagen oder bei vom Arbeitsinspektorat vorgeschriebenen Sitzmöglichkeiten. Chancen, Arbeitsstunden aufzustocken, gebe es kaum. Die Kameraüberwachung halte für Videoanalysen der Mitarbeiter her – um ihre Fehler aufzuzeigen.

Ikea selbst weist sämtliche Vorwürfe zurück. "Wir leben von zufriedenen Mitarbeitern", sagt Konzernsprecherin Barbara Riedl. Regelmäßige Umfragen in der Belegschaft stellten vor allem der Filiale Ikea Nord ein gutes Zeugnis aus. Dass es im Zuge langer Öffnungszeiten und komplexer Dienstpläne vereinzelt Probleme geben könne, sei klar. Letztlich tue man aber alles, um Beruf und Familie vereinbar zu machen, etwa durch 20 verschiedene Arbeitszeitmodelle.

Kameras im Visier

Mit Kameras überwacht würde nur der Kassabereich. Aus Gründen der Sicherheit habe sich die große Mehrheit der Beschäftigten dafür klar ausgesprochen.

Auch Ikea-Wien-Nord-Chef Jan Janko betont das gute Arbeitsklima. Er spricht von Konflikten innerhalb des Betriebsrats, dessen Gründung er unterstützt habe.

Dass die Geschäftsführung Einfluss auf die jüngste Wahl genommen habe, sei falsch. Ebenso, dass im Betriebsrat Führungskräfte sitzen würden. Was passiert sei: Eine Liste habe sich in zwei aufgespalten. Kleinere Unstimmigkeiten im Zuge der Wahl seien jedoch allesamt aufgeklärt worden.

Was aus Sicht von Mario Ferrari, Gewerkschafter der GPA-djp, stimmt, ist, dass in der Vergangenheit an dem Wiener Ikea-Standort, der mehr als 400 Angestellte und Arbeiter zählt, "extreme Verstöße aufseiten der Geschäftsführung" passiert seien. Einen eigenen Betriebsrat zu schaffen sei wichtig gewesen. Dessen Wahl habe man in der Folge mit einem Juristen geprüft, aber keine Gründe für eine Anfechtung ausfindig gemacht.

Ferrari sieht bei Ikea Nord einen betriebsratsinternen Kampf – und die GPA sei mit beiden Seiten in einvernehmlicher Zusammenarbeit. Alles andere müssten nun die Gerichte klären. (Verena Kainrath, 19.11.2016)

  • Hart auf hart: Mitarbeiter des Ikea-Hauses Wien Nord sehen sich unter Druck. Der Konzern betont  das gute Arbeitsklima. Seit Mai gibt es einen Betriebsrat – doch dieser spaltet die Belegschaft.
    foto: reuters/jacky naegelen

    Hart auf hart: Mitarbeiter des Ikea-Hauses Wien Nord sehen sich unter Druck. Der Konzern betont das gute Arbeitsklima. Seit Mai gibt es einen Betriebsrat – doch dieser spaltet die Belegschaft.

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