Apple Watch: "Lästiger" Bewegungsmelder

    11. Dezember 2016, 12:00
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    Die Apple Watch als Sportuhr: lästig bei Aufforderung zu mehr Bewegung, aber technisch nicht so nervig, dass die Freude vergeht

    Wer auf die Uhr schaut, bleibt fit. Schon um zehn nach sieben meldet sich eine kleine Nervensäge namens Sworkit auf der Apple Watch: "Es ist Zeit für dein Training, leg jetzt los!" Diese Fitness-App hat sich doch glatt gemerkt, wann sich der Uhrenträger üblicherweise aus dem Bett quält und mit seinen Verrenkungen beginnt.

    Sworkit, eine Sammlung von kurzen Filmchen für Yoga-, Kraft- und Cardio-Übungen, ist nur eine von vielen Motivatoren für mehr Bewegung, die mittlerweile für die Apple Watch verfügbar sind. Man könnte sogar sagen, der Apfel ums Handgelenk hat sich zu einer abwechslungsreichen und portablen Muckibude samt Einpeitscher entwickelt.

    Und seit etwas mehr als einem Monat ist die Smartwatch in Version zwei verfügbar – mit Funktionen, die ihr der Hersteller schon zum Geburtsjahr 2015 hätte mitgeben sollen. Nach einem Monat im Dauertest ist es nun Zeit, einen Blick auf ihre Praxistauglichkeit für Bewegungstalente zu werfen.

    Zu den wichtigsten Nachbesserungen zählen ein GPS-Sensor zur Streckenaufzeichnung und die Wasserdichtheit bis 50 Meter. Dass Läufer und Schwimmer nicht bereits bei der Urversion der Uhr damit bedacht wurden, muss Apple im Nachhinein als das größte Versäumnis angelastet werden. Denn welcher auch nur halbwegs aktive Mensch ist schon so wasserscheu wie seine Watch? Und welcher engagierte Läufer, der sich extra eine teure Laufuhr kauft, will für die volle Funktionalität zusätzlich das Smartphone eingesteckt haben müssen?

    Spuckt Wasser wieder aus

    Bei der neuen Version sind die Funktionen für Schwimmer aber nun gut durchdacht. Draußen im Badeteich zeichnet das GPS-Modul die Strecke auf, drinnen im Pool gibt man einfach dessen Bahnlänge an. Vorher wird aber noch per Knopfdruck der berührungsempfindliche Bildschirm gesperrt, damit bei heftigen Tempi nicht das Wasser ungewollt Eingaben auf dem Touchscreen macht. Nachher dann, am Poolrand, drückt man erneut einen Knopf, und "pfft" – der Lautsprecher der Uhr spuckt das Wasser wieder aus, das er während des Bades schlucken musste.

    In der neuen Version ist die Apple Watch tatsächlich erstmalig eine vollwertige Laufuhr. Schaltzentrale für alle sportlichen Aktivitäten – so auch für das Joggen – ist die hauseigene App Workout. Wer damit in Laufschuhen vor der Haustür steht und möglichst rasch loslaufen will, erlebt einige positive Überraschungen und eine negative: Die App merkt sich die letzte Aktivität – wer also zuvor auch joggen war, kann ohne weitere Einstellungen losrennen. Selbst die bei vielen Sportuhren übliche Wartezeit bezüglich des GPS-Signals entfällt, die Apple Watch kann sofort die Laufroute aufzeichnen.

    Wer nun allerdings beim Laufen gerne Musik hört (sie lässt sich direkt auf der Uhr speichern und wird kabellos in Bluetooth-Kopfhörer übertragen), wird unnötig aufgehalten: Man kann das motivierende Gedudel nicht direkt aus der App Workout starten, sondern muss dafür zuerst in die Musik-App wechseln. Das ist ärgerlich, weil alternative Lauf-Apps die Musikfunktion integriert haben. Warum also nicht eine dieser Apps verwenden?

    Orientierungslos mit Drittanbietern

    Bei beliebten Anwendungen wie Runtastic spricht dagegen, dass sie nicht auf den GPS-Sensor der Apple Watch zugreifen dürfen – man muss also erst recht wieder das Smartphone mithaben, um Routen aufzeichnen zu können. Apple verwehrt Drittanbietern den Zugriff auf GPS mit der Begründung, dass deren Apps zu stark am Akku saugen könnten. Einzige Alternative mit GPS-Aufzeichnung ist derzeit die mit Apple verbandelte App Nike Run Club, die auch individueller einzustellen und besser ablesbar ist als Workout.

    Wer seine Laufdaten später gerne detailliert auswertet, ist weder mit der Anwendung von Nike noch mit der von Apple gut beraten – das kann Runtastic viel detaillierter und übersichtlicher. Die perfekte Lauf-App auf der Apple Watch gibt es also nicht, sondern nur eine der geringsten Übel. Übellaunig wird so mancher fortgeschrittene Bewegungsfanatiker zudem deshalb sein, weil alle seine Daten in der zentralen Apple-App Aktivität landen. Die ist zwar hübsch bunt, kann aber Läufern nicht verraten, welche Fortschritte sie während der vergangenen Monate gemacht haben.

    Diese verspielte App mit den drei farbigen Ringen ist im Alltag trotzdem genau das, was sie sein soll: lästig. Da bekommt man schon am Vormittag die erste Schimpfe, wenn man seinen Hintern seit über einer Stunde nicht mehr vom Bürosessel erhoben hat; oder auch einmal ein Wort des Lobes am Abend, wenn man das eingestellte Ziel zum Verbrennen von Kalorien übertroffen hat. Kindisch? Ja, sicher. Aber wer seinen inneren Schweinehund nicht überwinden will, mit dem muss man reden wie mit einem Gschrappen. (Sascha Aumüller, RONDO Digital, 11.12.2016)

    • Die Apple Watch 2 mit  Nike-Branding und Sportarmband ab 419 Euro ist vor allem für Läufer konzipiert. Alternativen gibt es genug. Für Läufer, die keine Smartwatch brauchen: die TomTom Spark 3 Sportuhr ab 129 Euro. Für stilbewusste Smartwatch-Träger: die Moto 360 von Motorola ab 299 Euro und als ausgeklügelte Fitnessuhr: die Fitbit Surge um 250 Euro.
      fotos: hersteller

      Die Apple Watch 2 mit Nike-Branding und Sportarmband ab 419 Euro ist vor allem für Läufer konzipiert. Alternativen gibt es genug. Für Läufer, die keine Smartwatch brauchen: die TomTom Spark 3 Sportuhr ab 129 Euro. Für stilbewusste Smartwatch-Träger: die Moto 360 von Motorola ab 299 Euro und als ausgeklügelte Fitnessuhr: die Fitbit Surge um 250 Euro.

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