VW-Zukunftspakt: Tun, was man tun muss

Kommentar18. November 2016, 16:58
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Das größte Modernisierungsprogramm in der Geschichte von VW ist nicht mehr als das Minimum, das es braucht, um den Konzern wieder fit zu machen

Die Katze ist aus dem Sack, aber sie ist kein Tiger. Das größte Modernisierungsprogramm in der Geschichte von VW ist nicht mehr als das Minimum, das es braucht, um die Kernmarke mit dem Emblem VW wieder fit zu machen. Die Herausforderungen sind enorm: Spardruck, Umbau in Richtung E-Mobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen.

Die Risiken sind mindestens genauso groß: Allein, dass die geplanten Einsparungen von 3,7 Milliarden Euro kein Papiertiger bleiben, ist noch lange nicht ausgemacht. Schon Ex-Chef Martin Winterkorn hat vor zwei Jahren fünf Milliarden Euro als Einsparziel ausgerufen. Genutzt hat das bisher wenig.

Dabei erlebt die Branche derzeit ihren größten Umbruch: Sie wird sich in den nächsten fünf Jahren stärker verändern als in den 50 Jahren davor. Neue Anbieter wie Apple, Alibaba, Google, Tesla oder Uber setzen die Autobauer gnadenlos unter Druck. Daneben kämpfen die Hersteller mit Aufgaben, die aus der Vergangenheit rühren: Die Zahl der Rückrufwellen wird immer größer, und sie legt Systemschwächen offen. Das wären an sich schon Herausforderungen genug. Doch VW kämpft noch auf weiteren Baustellen: Die Dieselaffäre ist noch lange nicht abgehakt, die Produktivität hinkt weit hinter der asiatischen Konkurrenz her, der Konzern ist spät auf das Thema E-Mobilität aufgesprungen.

Die größte Hürde ist aber das Korsett, in dem der Konzern aufgrund der Machtverhältnisse steckt. Das Problem sitzt im Aufsichtsrat. Politik und Gewerkschaft haben im Unternehmen gewaltigen Einfluss. Der Chef des Gesamtbetriebsrats, Bernd Osterloh, wird schon auch einmal als Co-Manager des VW-Vorstandsvorsitzenden bezeichnet. Die Handschrift aller ist aus dem Zukunftspakt mehr als deutlich abzulesen.

Die Einsparungen beim Personal entsprechen ohnedies beinahe jenen Zahlen, die ganz ohne Zukunftsplan durch natürlichen Abgang erreicht worden wären. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wiederum möchte Wolfsburg als digitales Zentrum etablieren. Das Land will Infrastrukturpolitik machen, aber das ist nicht die Aufgabe eines Konzerns. Der hat mit seinen Kernaufgaben mehr als alle Hände voll zu tun, und das bei voller Fahrt. Bei solchen Manövern kann man leicht an die Wand fahren. (Regina Bruckner, 18.11.2016)

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