Aktionstheater Ensemble: Raus aus dem Bedeutungslosen

18. November 2016, 17:10
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Das Stück "Immersion. Wir verschwinden" überzeugt mit Selbstironie

Salzburg/Wien – Noch ein Like, mehr Follower, und 40.000 Shares – je mehr Resonanz ein Leben hat, desto besser glaubt man zu sein. Richten wir unsere reale Welt nach unserem Auftritt in der virtuellen Welt? Oder umgekehrt? Das Aktionstheater Ensemble aus Vorarlberg, das heuer mit dem Nestroy-Preis für die beste Off-Produktion ausgezeichnet wurde, stellt den Kampf um Aufmerksamkeit in seinem neuen Stück Immersion. Wir verschwinden ins Zentrum des Geschehens.

Die drei Schauspieler Michaela Bilgeri, Martin Hemmer und Andreas Jähnert legen in ihren aneinander vorbeigeredeten Erzählungen einen Seelenstriptease hin. Sie sehen sich auf der vermeintlichen Verliererseite und wollen mit Angeberei über die eigene Wichtigkeit diesem Dasein entfliehen. Das reduzierte Bühnenbild lenkt die Aufmerksamkeit auf die einsamen Monologe und die starken Emotionen.

Gegönnt wird den anderen nichts. Andere werden schlecht gemacht, um selbst besser dazustehen. Michaela entrüstet sich über das mangelnde Können einer Schauspielkollegin in einem Werbespot. Wie diese steht und geht, sehe total unnatürlich aus, ärgert sich Michaela. "Jetzt wird die berühmt mit so was."

Das hohe Level an Selbstironie und brutaler Selbstreflexion bringt das Publikum zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. Denn Immersion hält den Zusehern den Spiegel dahingehend vor, wie banal und oberflächlich die eigenen Gespräche oft sind: Ob der Ärger über ein Jolly-Eis mit Gefrierbrand, eine Statistenrolle in einem Film, oder eine Gedichtlesung bei einer Hochzeit mit Wirtschaftsbossen.

Die treffend ausgewählten Popsongs, fabelhaft gesungen von Sonja Romei mit Kristian Musser am Mischpult, betten den Text in einen Teppich ein. Sie sind geradezu notwendig, um den wortstarken Frust der drei tragisch-komischen Figuren ertragen zu können. Brandaktuell politisch wird es, wenn der Rechtsruck beklagt wird. Dagegenhalten, aber wie? Die Komödie habe immer schon funktioniert. Da bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Die persönlichen Geschichten der Schauspieler dienten als Textvorlage. Der endgültige Text entstand in Zusammenarbeit von Regisseur Martin Gruber und Autorin Claudia Tondl. Immersion. Wir verschwinden wurde am 10. November im Rahmen des Open-Mind-Festivals in der Salzburger Arge Kultur uraufgeführt. Ab 24. 11. folgen Vorstellungen im Werk X Eldorado in Wien und am Spielboden in Dornbirn. (Stefanie Ruep, 18.11.2016)

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Werk X

  • Das Aktionstheater Ensemble mit "Immersion. Wir verschwinden".
    foto: argekultur/michael groessinger

    Das Aktionstheater Ensemble mit "Immersion. Wir verschwinden".

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