ORF-Finanzplan rechnet 2017 mit sinkenden Werbeerlösen

18. November 2016, 16:51
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Wegen Radiotest-Manipulation – Hoffen auf mehr Gebührenzahler – Programmkosten sinken auch dank weniger Sport-Großereignissen

Wien – Der ORF budgetiert für 2017 wegen der Radiotest-Manipulationen mit sinkenden Einnahmen aus der Radiowerbung. Es sei eine Anpassung der Werbeausgaben an die korrigierten Reichweiten zu erwarten, heißt es im der APA vorliegenden Finanzplan 2017. Daher kalkuliert man mit fast vier Millionen Euro weniger als im Plan für 2016. Großer Kostenbrocken ist, wenig überraschend, der Personalbereich.

Der Finanzplan 2017 wurde dieser Tage an die Mitglieder des ORF-Stiftungsrats verschickt und soll im Dezember von diesem beschlossen werden. Freilich nicht in seiner jetzigen Form: Wie bereits bekannt ist, klafft noch ein 42,3 Millionen Euro großes Loch. "Insofern stellt der vorliegende Finanzplan einen vorläufigen Stand dar, an dem bis zur Sitzung des Stiftungsrates im Dezember noch weitergearbeitet und die Schließung der verbleibenden Lücke konkretisiert wird."

Gebühren unter, Werbeeinnahmen über Plan

Die ORF-Geschäftsführung erläutert denn auch, wie es überhaupt zu dieser Lücke kommen konnte. In den vergangenen Jahren habe man deutlich ins Programm investiert – bis hin zu neuen Sendern –, die Barrierefreiheit expandiert sowie Mehraufwände durch das Standortprojekt gehabt. Die "dadurch entstandene strukturelle Finanzierungslücke" sei durch Einsparungen, aber auch durch Sondereffekte wie der Verkauf von Liegenschaften oder Sonderausschüttungen aus dem Wertpapiervermögen ausgeglichen worden. Jährliche Indexanpassungen, "Mehrkosten im Zusammenhang mit dem Medienstandort", Kostensteigerungen im Personalbereich sowie durch geänderte Bilanzierungsvorschriften würden die Lücke 2017 weiter wachsen lassen.

Bei den Umsatzerlösen rechnet man für 2017 mit insgesamt 942,1 Millionen Euro. Die Umsätze stagnieren somit gegenüber dem Budget 2016, als man sich 942,3 Millionen Euro vorgenommen hatte. Laut aktueller Vorschau wird das allerdings übertroffen werden, derzeit rechnet man mit 946,2 Millionen Euro für 2016. Dabei liegen die Gebühren-Einnahmen mit 595,3 Millionen unter Plan, die Werbeerlöse dagegen mit 226 Millionen Euro darüber.

Mehr Gebührenzahler

2017 geht der ORF die Erlössäule Werbung dennoch betont vorsichtig an. 219,5 Millionen Euro werden dafür angesetzt. Die Aussichten für die Fernsehwerbung werden nicht als rosig geschildert, mit der richtigen Strategie wolle man aber die Fernsehwerbeerlöse mit 141,1 Millionen Euro auf dem "stabilen Niveau der letzten Jahre" halten. Im Radiobereich dagegen liegt der "Finanzplanansatz deutlich unter" jenem von 2016, nämlich bei 63 Millionen Euro (Finanzplan 2016: 66,7 Mio. Euro). Bei den Sonderwerbeformen (also z.B. Sponsoring, Product Placement) wird auch ein Minus budgetiert – vor allem mangels Sport-Großereignissen wie heuer die Olympischen Spiele oder die Fußball-EM.

Bei den Programmentgelten dagegen sieht der ORF eine Erlössteigerung vor und rechnet mit 597,2 Millionen Euro. Das ist mehr als in der aktuellen Vorschau 2016, aber weniger als im Finanzplan 2016. Man rechnet aber mit einer "geringfügig verbesserten" Entwicklung der Teilnehmer, nämlich 8.940 zusätzlichen Gebührenpflichtigen. Durch Gebührenbefreiungen entgehen dem ORF 2017 übrigens 58,4 Millionen Euro, wie angemerkt wird.

Fehlende Sportevents

Auf der Soll-Seite hat der ORF für 2017 Gesamtaufwände in der Höhe von 992,9 Millionen Euro budgetiert. 375,1 Millionen davon sind Personalkosten. Im ebenfalls vorgelegten Stellenplan wird darauf verwiesen, dass dieser "durch das fortgeschrittene Personalsparpaket – insbesondere durch das Handshakeprogram und die damit verbundenen Austritte – weiter verringert werden" konnte. Für 2017 sind 3.320 Planstellen/3.117 Vollzeitäquivalente geplant. Das entspricht dem Stand 31. Oktober 2016, der unter dem Stellenplan 2016 (3.384 Planstellen/3.155 Vollzeitäquivalente) liegt.

Die Programmkosten liegen mit 258,2 Millionen Euro sowohl deutlich unter dem Finanzplan 2016 als auch unter dem aktuellen Forecast. Hier kommen die fehlenden Sport-Großereignisse erneut zum Tragen. Insgesamt liegt der Sachaufwand bei 588,1 Millionen Euro (Finanzplan 2016: 593,7 Millionen Euro, Vorschau 2016: 605,2 Millionen Euro).

Der von den Bundesländer-Vertretern im Stiftungsrat aufgezeigte Rückgang von vier Millionen Euro für die Budgets der Landesstudios (gegenüber dem Plan 2015) wird im Finanzplan überwiegend mit geringeren Sachkosten argumentiert, da sich vor allem die Ausstrahlungskosten reduziert hätten. Für Personal dagegen werde ein Mehrbedarf von 2,5 Millionen Euro budgetiert. (APA, 18.11.2016)

  • Am Küniglberg kalkuliert man mit fast vier Millionen Euro weniger als im Plan für 2016.
    foto: apa/herbert neubauer

    Am Küniglberg kalkuliert man mit fast vier Millionen Euro weniger als im Plan für 2016.

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