300 Jahre altes Kothäufchen eines Bischofs analysiert

19. November 2016, 15:22
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Dänisches Latrinenfundstück zeigt: Der Mann ließ es sich gut gehen

Kopenhagen – Das hätte sich Jens Bircherod, Bischof im norddänischen Ålborg, zu Lebzeiten auch nicht ausgemalt: Nämlich dass 300 Jahre nach seinem Tod Wissenschafter seinen Kot analysieren würden. Der war in der Latrine seines einstigen Wohnhauses erhalten geblieben. Als diese bereits 1937 ausgegraben wurde, bewahrte man das einem Brownie ähnelnde Fundstück in einem Glasgefäß auf; dessen Inhalt wurde erst jetzt genau analysiert. Die Arbeit ist Teil eines Forschungsprojekts über Diasporagemeinschaften in dänischen Städten zwischen Anfang des 15. und Ende des 17. Jahrhunderts.

Während sich normalsterbliche Bürger ihre Latrinen damals mit vielen anderen Menschen teilen mussten, verfügte der Bischof auf seinem Gutshof über eine Toilette nur für sich und seine Frau. "Jetzt haben wir einen spezifischen Fäkalienhaufen, den wir einer Person zuordnen können, und daraus können wir Rückschlüsse auf seine Ernährung ziehen", sagte die Archäologin Jette Linaa vom Moesgård-Museum bei Århus.

"Shop locally" war nicht die Devise

Gefunden wurden unter anderem Reste von Buchweizen. Dieses inzwischen wieder in Mode kommende Getreide ist eine Spezialität auf der dänischen Insel Fünen, wo der Bischof aufgewachsen war. Aber mit dem Essen aus seiner Heimat begnügte er sich nicht: Den Forschern zufolge genoss er "opulente" Abendessen mit Speisen und Zutaten aus unterschiedlichen Weltregionen, darunter Weintrauben, Feigen und Pfeffer – damals noch eine Kostbarkeit.

Die meisten Dänen aßen damals überwiegend Schweinefleisch, Graubrot und Kohl. Nüsse und Beeren gehörten dagegen zum Speiseplan des Bischofs und anderer reicher Ålborger. Ein im Kot gefundenes Pfefferkorn hatte den langen Weg von Indien nach Dänemark zurückgelegt, bevor es vom Bischof verzehrt wurde. Moltebeeren hingegen, die von einer Pflanze aus der Subarktis stammen, kamen aus dem benachbarten Norwegen.

"Die exotischen Produkte wurden von einigen spezialisierten Händlern in der Stadt vertrieben", sagte Linaa. "Ålborg war in dieser Hinsicht besonders, weil es dort sehr viele reiche Händler gab, die alle aus Deutschland oder den Niederlanden stammten." (APA, red, 19. 11. 2016)

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