Kreisverkehr und Papstbesuch für ein Weihnachtslied

19. November 2016, 17:00
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Salzburgs Gemeinden sind im Stille-Nacht-Wettrennen. Der Landeshauptmann wünscht sich zum 200-jährigen Jubiläum des weltbekannten Weihnachtsliedes hohen Besuch aus dem Vatikan

Salzburg – Es war ein kurioser "Eilt"-Medientermin, den das Land Salzburg ausschickte: Verkehrslandesrat Hans Mayr lud zum Spatenstich des Stille-Nacht-Kreisverkehrs in Oberndorf. In dem Kreisel wird aber mitnichten das weltbekannte Weihnachtslied ertönen, sondern er soll die Verkehrssicherheit auf der Lamprechtshausener Straße im Norden der Gemeinde erhöhen.

Die Namensgebung kommt aber nicht von ungefähr. Oberndorf rühmt sich, der Stille-Nacht-Ort schlechthin zu sein. Schließlich wurde in der St.-Nikolai-Kirche in Oberndorf das weltbekannte Weihnachtslied von Komponist Franz Xaver Gruber und dem Oberndorfer Hilfspfarrer Joseph Mohr am 24. Dezember 1818 das erste Mal öffentlich gespielt. Auf der Stelle der Kirche, die nach Flutschäden abgerissenen wurde, steht heute die Stille-Nacht-Kapelle. Neu dazu gesellt sich nun das Stille-Nacht-Museum, das am Freitag im alten Pfarrhof eröffnet wurde. Das nennt sich dann Stille-Nacht-Bezirk. "Als gewissenhafte Hüter dieses Friedensliedes wollen wir sein Andenken pflegen, in ansprechend und würdevoll gestalteten Gedenkstätten", sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) bei der Eröffnung.

Einladung von Franziskus wird geprüft

Haslauer hat noch viel vor mit dem Weihnachtslied. 2018 ist der 200-jährige Jahrestag der Erstaufführung von Stille Nacht. Das Land Salzburg will dieses Jubiläum gebührend feiern. Der Landeshauptmann will dazu sogar Papst Franziskus einladen. Ein Gespräch mit Kardinal Christoph Schönborn, Chef der Bischofskonferenz, hat es dazu schon gegeben. Ob Salzburg tatsächlich eine offizielle Einladung ausspricht, werde aber noch geprüft. Das hängt wohl auch von den Erfolgschancen einer Zusage ab.

Bringt Haslauer den Papst tatsächlich nach Salzburg, steigt er auch in die Fußstapfen seines Vaters. Haslauer sen. begrüßte 1988 Johannes Paul II. in Salzburg. Der letzte Besuch eines Pontifex in Österreich geht auf das Jahr 2007 zurück, als Benedikt XVI. einen Pilgerbesuch anlässlich des 850. Jahrestags der Gründung von Mariazell absolvierte.

Sechs Stille-Nacht-Orte

Nicht nur Oberndorf nutzt den Salzburger Exportschlager touristisch. Jede Gemeinde möchte ein Stück vom Stille-Nacht-Kuchen. Auch Arnsdorf im Salzburger Flachgau, wo Gruber als Organist und Lehrer beschäftigt war, als er das Lied komponiert hatte, rühmt sich eine Stille-Nacht-Gemeinde zu sein. Im Lungau übernimmt diesen Part der Wallfahrtsort Mariapfarr, wo Mohr den Text zum Welthit schrieb. Und auch Wagrain im Pongau, Mohrs letzte Wirkungsstätte, ist eine Stille-Nacht-Gemeinde. Dort ist Mohr begraben. Geboren ist er in der Stadt Salzburg, die auch das Label Stille-Nacht-Gemeinde trägt.

Hallein als langjähriger Wohnort von Komponist Franz Xaver Gruber gehört auch zur Stille-Nacht-Gruppe. Nun wird auch in Hallein ein Stille-Nacht-Bezirk ausgerufen: Neben dem Gruberplatz wird das Grubermuseum in seinem ehemaligen Wohnhaus erneuert und die Gruberorgel in der Stadtpfarrkirche renoviert. Die Stille-Nacht-Gemeinden werden laut Haslauer in den nächsten Jahren eng zusammenarbeiten, um sich international auch abseits der Weihnachtszeit mit diesem Thema zu positionieren. (Stefanie Ruep, 19.11.2016)

  • Die kleine Kapelle in Oberndorf ist die bekannteste Touristenanlaufstelle für "Stille Nacht, Heilige Nacht".
    foto: apa/barbara gindl

    Die kleine Kapelle in Oberndorf ist die bekannteste Touristenanlaufstelle für "Stille Nacht, Heilige Nacht".

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