ÖVP-Politiker möglicher Anwärter auf deutschen Plagiatspreis

18. November 2016, 13:08
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Eine steirische Landesfirma, der Landesrat Buchmann politisch vorsteht, wirbt für den Plagiarius-Preis. Doch der ÖVP-Politiker steht selbst unter Druck, abgekupfert zu haben

Graz – Welch amüsantes zeitliches Zusammenspiel: In einem dieser Tage verschickten Newsletter der Creativ Industries Styria GmbH – einer kleinen Gesellschaft für kreative Köpfe – wird für einen sehr speziellen Preis geworben, den sogenannten Plagiarius. Der Pokal ist eigentlich eine Figur: ein schwarzer Gartenzwerg mit langer, vergoldeter Nase. Dieser seit 1977 vergebene deutsche Negativpreis wird für besonders dreiste Plagiate verliehen.

Die Sache hat einen kuriosen Aspekt: Die Creativ Industries gehören mehrheitlich der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Und deren politischer Chef und Eigentümervertreter ist Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (ÖVP) – seit kurzem selbst ein möglicher Anwärter auf den Plagiarius. Dem Landesrat wird vorgeworfen, große Teile seiner Dissertation abgekupfert zu haben.

Nach einem entsprechenden Gutachten des Plagiatsforschers Stefan Weber hat jetzt auch die Universität Graz ein Verwaltungsverfahren gegen Buchmann eingeleitet. Auch das von der Uni beauftragte Zweitgutachten der Gesellschaft für Wissenschaftliche Integrität war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Buchman hat jetzt sechs Wochen Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Dann wird entschieden, ob ihm seine Dissertation aberkannt wird.

Die Plagiarius-Seite auf der CIS-Website war am Freitag nicht mehr abrufbar. (Walter Müller, 18.11.2016)

  • Dieser Preis wird für das dreistete Plagiat verliehen.
    foto: aktion plagiarius e.v.

    Dieser Preis wird für das dreistete Plagiat verliehen.

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