"Watch Dogs 2" im Test: Der zweite Platz hinter "GTA"

20. November 2016, 11:00
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Der zweite Teil der "Watch Dogs"-Serie löst die beim Vorgänger unerfüllt gebliebenen Versprechen ein

Frei auswählbare Missionen in einer offenen Welt erfüllen, in denen man Autos klauen, Wettrennen fahren und begehrte Dinge stehlen muss: Das klingt verdammt nach "Grand Theft Auto", das mit seinem fünften Serienteil zu einem der meistverkauften Videospiele aller Zeiten avanciert ist. Da ist es kein Wunder, dass sich die Konkurrenz an "GTA" orientiert und versucht, dessen Fans mit neuen Settings anzulocken. Zuletzt ließ "Mafia 3" mit einer Art "GTA" in den 1960er-Jahren viele Chancen aus, jetzt probiert es "Watch Dogs 2" mit einer dystopischen Erzählung über eine Gruppe von Hackern, die gegen böse Konzerne in die Schlacht ziehen.

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Video: Gameplay-Demo zu "Watch Dogs 2"

Satire auf aktuelle Ereignisse

Vorab: "Watch Dogs 2" macht das sehr gut und gewinnt den Vergleich unter den von "GTA" inspirierten Videospielen klar. Wo "Mafia 3" durch repetitive Missionen langweilte, überzeugt "Watch Dogs 2" mit gewitzten Parodien auf aktuelle Geschehnisse. So müssen Nutzer beispielsweise das Smartphone eines Start-Up-Millionärs hacken, der sich die einzige Kopie des neuen Albums einer berühmten Hiphop-Gruppe besorgen will. Das ist eine klare Anspielung auf Martin Shkreli und dessen Jagd auf das neue Wu Tang-Clan-Album, die wunderbar auf die Spielewelt von "Watch Dogs 2" übertragen worden ist.

Unzählige Referenzen

Auch sonst können besonders jene Spieler, die sich in der IT-Szene auskennen, unzählige Referenzen auf Google ("Nudle"), YouTube, Facebook und Konsorten entdecken. Das Hacken von Gegenständen, etwa Videokameras oder Smartphones, ist ein zentrales Spielelement. Dadurch hebt sich "Watch Dogs 2" auch von "GTA" ab. Bei einer Verfolgungsjagd können etwa Dampfrohre gehackt und in die Luft gejagt werden, um Polizisten abzuhängen. Außerdem können Stromverteiler manipuliert werden, wodurch unbemerkt Wachleute ausgeschaltet werden.

Eine große Rolle spielen auch moderne Gadgets wie der 3D-Drucker, mit dem Protagonist Marcus Holloway eigene Waffen kreieren kann. Außerdem kommen Drohnen und ein ferngesteuerter fahrbarer Mini-Roboter zum Einsatz.

Kompliziert zu steuern

Die Steuerung ist am Anfang, bedingt durch die Fülle an Interaktionsmöglichkeiten, jedoch etwas überfordernd – zumindest in der PS4-Version, mit der das Spiel getestet wurde. Wer schnell sein Auto durch die Straßen von San Francisco jagt und dabei zusätzlich Ampeln und Rohre hackt, verliert bald die Übersicht und endet in einer Hauswand. Ein Schwachpunkt ist außerdem, dass die Interaktionsmöglichkeiten nicht immer klar sind. Oft ist nicht eindeutig, was sich das Spiel in der Mission nun vom Spieler erwartet. Beim Klettern oder Autofahren kommt es durchaus vor, dass Spieler in einer virtuellen Ecke landen und nicht mehr vor- oder zurück navigieren können. Dann muss der letzte Checkpoint geladen werden.

Der Multiplayer-Modus sorgte zum Start des Spiels noch für gröbere Probleme und konnte daher nicht in den Test miteinbezogen werden. Er soll es Nutzern erlauben, gemeinsam Missionen zu erfüllen, außerdem können die Spieler in unterschiedlichen Wettbewerben gegeneinander antreten.

Dialoge lustig, aber teils lächerlich

Zu kritisieren sind auch die Dialoge. Zwar ist die an die Fernsehserie "Mr. Robot" erinnernde Storyline rund um die Hackergruppe Deadsec, die böse IT-Konzerne zerstören will, prinzipiell gut gelungen, Konversationen zwischen den einzelnen Charakteren sind allerdings ab und zu etwas pathetisch und lächerlich. Das kann natürlich auch an der Synchronisation liegen. Teilweise sind die Sager der Gruppe jedoch höchst amüsant, etwa wenn alle auf die Verwendung des Wortteils "Cyber-" schimpfen.

Fazit

Prinzipiell lässt sich festhalten, dass Ubisoft mit "Watch Dogs 2" ein großer Sprung nach vorne gelungen ist. Wer offene Spielwelten und ein Hacker-Szenario mag, kann mit dem Spiel wenig falsch machen; vor allem da sich die Investition auch in Punkto Spielzeit lohnt – weitere Spielinhalte per Download wurden übrigens bereits angekündigt. Schafft Ubisoft mit dem nächsten Teil der Serie einen weiteren Qualitätssprung, ist die Herrschaft von "GTA" im Bereich offener Spielwelten ernsthaft in Gefahr. (Fabian Schmid, 20.11.2016)

"Watch Dogs 2" ist für PlayStation 4, Xbox One und Windows erhältlich. UVP: 59,99 Euro.

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Nachlese

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