Prozess um Lokfahrt: Paulus Manker freigesprochen

18. November 2016, 12:44
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Zeugen sagten zu Zwischenfall mit Fackel bei "Alma"-Aufführung aus – Künstler bestritt Konfrontation mit Zuschauerin und legte Video zum Beweis vor – Urteil nicht rechtskräftig

Wiener Neustadt – Paulus Manker ist am Freitag am Landesgericht Wiener Neustadt von den Vorwürfen der unbefugten Inbetriebnahme einer Lok, Sachbeschädigung und Körperverletzung freigesprochen worden. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Die Vorfälle ereigneten sich im Vorjahr in einer für die Aufführung seiner "Alma"-Inszenierung adaptierten Halle in Wiener Neustadt.

Auch wenn das Urteil nicht rechtskräftig ist, zeigte sich der Wiener Schauspieler und Regisseur danach gegenüber der APA "erleichtert". In einer Woche geht allerdings sein Zivilprozess gegen seinen einstigen Mäzen in die nächste Runde.

Anklage wegen Zwischenfall mit Lok

Manker soll sich am Abend des 1. November 2015 in der Wiener Neustädter Serbenhalle der ehemaligen Raxwerke, wo er das Theaterstück "Alma" aufgeführt hatte, eigenmächtig ins Führerhaus jener Lok gesetzt haben, die bei dem Stück zum Einsatz kam. Die Fahrt endete mit einem aus der Verankerung gerissenen Hallentor und einigen beschädigten Paletten einer Plastikfirma. Der Sachschaden laut Anklage: mehr als 15.000 Euro.

Im Mai war die Anklage dann um den Punkt Körperverletzung erweitert worden, um die es am Freitag zunächst ging: Bei einer Aufführung von "Alma" im Juni 2015 – im 20. Jahr dieser Inszenierung – soll nämlich eine Besucherin durch eine Fackel Verbrennungen unter anderem an Wange und Brust davongetragen haben.

Die 31-Jährige, die den Vorfall nicht angezeigt hatte, schilderte am Freitag vor Gericht, dass ihr Manker im Zuge des Spiels in einer bewussten Drehung und nach Blickkontakt die Fackel quasi ins Gesicht gestoßen hätte. Funken fielen auf ihre Oberbekleidung und Hose, Augenbrauen und Haare wurden versengt.

Die Zeugin glaubte nicht, dass der Schauspieler quasi nur das Licht näher an sie heranbringen hatte wollen. Sie und auch ihr Vater vermuteten im Zeugenstand, der zunächst mit dem Rücken zu ihnen gestandene Schauspieler tat das, weil sie zuvor untereinander etwas gesprochen hätten – "nach dem Motto 'wer redet da drein'", sagte der 54-Jährige.

"Kein Tumult"

Eine weitere Zeugin meinte, Manker habe die Zuschauerin gefährdet: "Es war unglaublich." Die 31-Jährige sei aufgesprungen und habe die Glut von ihrer Kleidung geschüttelt. Dann zog der Schauspielertross für die nächste Szene weiter in den nächsten Raum.

Eine damals an der Szene beteiligte Schauspielerin hatte zum Löschen der Glut Wasser auf die Zuschauerin gekippt. Sie erklärte, dass die Aufführungen immer voll waren und Manker knapp an der Besucherin vorbei musste. Nach dem Vorfall wurde weitergespielt, es habe keinen Tumult gegeben, meinte die Künstlerin.

Geladen war auch ein damaliger Statist, der jedoch keine Sicht auf das Geschehen gehabt hatte. Eine weitere Mitwirkende hatte keine Wahrnehmung gemacht beziehungsweise keine Erinnerung an die Szene.

Künstler bestritt Konfrontation mit Zuschauerin

"Die Blickbegegnung, den stechenden Blick – diese Konfrontation hat es nicht gegeben", erklärte Manker dezidiert. Zum Beweis legte er eine die Situation zeigende Videoaufnahme vor, die er – im Zuge seiner Recherche nach Kenntnis des Vorwurfs der Körperverletzung – von Bekannten aufgetrieben hatte, die in der Vorstellung gewesen waren.

Ursprünglich hatte er sich an den Vorfall gar nicht erinnern können. Er wende sich gerade – mit der Fackel in der Hand – von einem auf einem Tisch sterbenden Soldaten ab, beschrieb der Angeklagte die Inszenierung. Neben dem Schauspiel sei er als Verantwortlicher bei "Alma" mit der Kontrolle des technischen Drumherum befasst und habe eine Ausbildung als Brandschutzbeauftragter: "Ich fuchtel nicht wild herum und verliere die Kontrolle", betonte der Künstler.

Schlussplädoyer

Verteidiger Dieter Ortner hat im Schlussplädoyer in Sachen Lok-Fahrt durch die unbeleuchtete Halle, weil der Besitzer den Strom hatte abdrehen lassen, auf die "schlamperten Verhältnisse" verwiesen: Es gab keine vertraglichen Vereinbarungen mit dem Verein und daher auch keine unbefugte Inbetriebnahme.

Zur Causa Körperverletzung im Zuge einer Aufführung meinte Ortner, Erlebnistheater impliziere, dass es keinen Abstand zum Publikum gibt und die Besucher in das Geschehen eingebunden werden: "Es ist etwas Spektakuläres." Auf dem Video sehe man, dass Manker die Zuschauerin unbestritten mit der Fackel touchiert habe, aber im Zuge der Darstellung seiner Rolle und nicht, wie von den Zeugen geschildert, bewusst. Ein Schauspieler befinde sich in einem gewissen Erregungsstadium, sprach der Anwalt von einer möglicherweise reflexhaften Bewegung. Es gebe nämlich keine Motivlage: "Alma" sei Mankers "Herzblut", warum sollte er also den Aufführungsort devastieren. Vielmehr habe sein Mandant unverzüglich ein Mail an die Firma geschrieben, dass er am Hallentor angestoßen sei. Manker selbst erinnerte daran, dass er unmittelbar nach der Lok-Fahrt angeboten hatte, den Schaden wiedergutzumachen. (APA, 18.11.2016)

  • Paulus Manker: freigesprochen.
    foto: apa/robert jaeger

    Paulus Manker: freigesprochen.

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