Päpstliches Schreiben zu Wiederverheirateten irritiert

17. November 2016, 17:02
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Vier Kardinäle verlangen eine Präzisierung – Erzdiözese Wien hält sich bedeckt

Wien – Es ist nur eine Fußnote, doch die Randnotiz mit der Nummer 351 reicht aus, um für gehörige Unruhe in der katholischen Kirche zu sorgen. Konkret findet sich in dem päpstlichen Schreiben "Amoris laetitia" – zusammengefasst sind darin die Ergebnisse der Familiensynode – der Passus, dass wiederverheiratete Geschiedene in einigen Fällen auch die "Hilfe der Sakramente" in Anspruch nehmen könnten. Für die Vertreter im liberalen Eck hat sich damit eine Tür geöffnet, das konservative Gegenüber sieht hingegen ein Aufweichen der Lehrmeinung. Um den Haussegen wieder ins Lot zu bringen, baten jetzt vier Kardinäle den Papst schriftlich um eine Präzisierung. Eine Antwort aus dem Apostolischen Palast steht bis dato noch aus.

Keine gemeinsame Linie

In der Erzdiözese Wien gibt man sich bedeckt. Man kommentiere die Aussagen von Kardinälen nicht, heißt es auf Anfrage nur. Das Schweigen kann freilich auch einen anderen Grund haben. "Eine gemeinsame Position im Anschluss an das Schreiben 'Amoris laetitia' existiert bislang nicht. Wie bisher werden daher die einzelnen Diözesanbischöfe unterschiedliche Akzente hinsichtlich dieses Themas setzen", sagt Gerhard Marschütz, Professor am Institut für Systematische Theologie und Ethik der Universität Wien, wobei die Sicht von Kardinal Christoph Schönborn durchaus bekannt ist, denn: "Er hat im Auftrag des Papstes 'Amoris laetitia' in Rom offiziell vorgestellt und hierbei seine große Freude über das Dokument zum Ausdruck gebracht. Er hat danach auch allen Kritiken, dass dieses Schreiben nicht oder unzureichend katholisch sei, widersprochen."

Aber ist die "ernste Verunsicherung vieler Gläubiger und die große Verwirrung", wie die vier Kardinäle in ihrem Schreiben an den Papst meinen, berechtigt? "Das Problem besteht darin, dass mit dieser Entscheidung des Papstes implizit auch andere Inhalte der kirchlichen Lehre infrage gestellt sind – zum Beispiel der absolute Vorrang der Befolgung objektiver Norm gegenüber dem Gewissen der Person in Bezug auf bestimmten Ehe- und Sexualthemen", sagt der Universitätsprofessor. Dies würden die vier Kardinäle als "gesamtkirchliches Problem verdeutlichen". (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, 17.11.2016)

  • Papst Franziskus sorgt mit einem Passus in einem Schreiben für Verwirrung.
    foto: afp/alberto pizzoli

    Papst Franziskus sorgt mit einem Passus in einem Schreiben für Verwirrung.

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