OMV verhandelt Rückkehr in Nord Stream

17. November 2016, 16:36
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Das Pipelineprojekt Nord Stream 2 sei alles andere als gegessen, sagt OMV-Chef Rainer Seele. Man suche trotz Protesten in der EU eine Lösung mit Gazprom

Wien – Die OMV befindet sich in finalen Verhandlungen über einen Wiedereinstieg bei der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2. Im Sommer ist aufgrund heftigen Widerstands insbesondere aus Polen ein geplantes Joint Venture geplatzt, das den Bau gemeinsam vorantreiben sollte. Gazprom hätte 50 Prozent der Anteile gehalten, die deutschen Unternehmen Wintershall und Uniper, Engie aus Frankreich, die britisch-niederländische Shell und Österreichs OMV die restlichen 50 Prozent.

"Es wird einen Weg geben, die OMV in das Projekt einzuklinken", sagte OMV-Chef Rainer Seele am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Die Lösung sei nahe. "Es dauert nicht mehr lange", sagte Seele, der tags zuvor noch in Moskau verhandelt hatte. Für die OMV sei die Pipeline immens wichtig, weil zumindest Teilmengen bis zum Erdgasknoten Baumgarten weitergeleitet würden und die OMV Transitgebühren kassieren könnte.

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Genau das bestärkt Länder wie Polen und die Ukraine in ihrem Widerstand gegen die geplante Verdoppelung der Transportkapazität von Nord Stream: Wird mehr Gas von Russland durch das Röhrensystem am Grund der Ostsee nach Deutschland und weiter in andere EU-Staaten geschickt, geht weniger Gas im Transit durch Polen und die Ukraine. Weniger Transit bedeutet aber weniger Einnahmen.

Durch das Querlegen der polnischen Wettbewerbsbehörden bei der Ostseepipeline wurde ein anderes Großvorhaben der OMV zeitlich verzögert: die geplante Viertelbeteiligung am sibirischen Öl- und Gasfeld Achimov IV und V, womit der Konzern auf einen Schlag zu einer beachtlichen Menge an Reserven käme.

Der Deal soll, wie berichtet, in Form eines Tauschs von OMV-Geschäften in der Nordsee zustande kommen. "Wir haben den Zeitaufwand unterschätzt, der für die Bewertung errforderlich ist", sagte Seele. Weil Gazprom in den zurückliegenden Verhandlungsrunden zudem der Lösung des Nord-Stream-Problems Priorität eingeräumt habe, werde die ursprünglich im Sommer erwartete Grundsatzvereinbarung über den Einstieg in Russland wohl erst gegen Ende des Jahres zustande kommen. Nach dem Verkauf der OMV-Aktivitäten im britischen Teil der Nordsee geht es bei dem geplanten Asset-Tausch im Prinzip nur noch um die OMV-Aktivitäten in den norwegischen Gewässern.

Produktionskosten sinken

Spätestens mit Förderbeginn in Russland sollten die im internationalen Vergleich hohen Produktionskosten der OMV deutlich sinken. Durch interne Maßnahmen habe man erste Erfolge erzielt, sagte Seele: "Wir hatten Produktionskosten von durchschnittlich 16,6 Dollar je Barrel (159 Liter, Anm.) und liegen jetzt bei 11,4 Dollar. Unsere Mitbewerber liegen bei durchschnittlich zehn Dollar je Fass. Da müssen auch wir hin."

Der harte Sparkurs, den Seele seit seinem Einstieg im Sommer 2015 bei der OMV fährt, soll beibehalten werden, zumal sich keine substanzielle Erhöhung der Rohölpreise abzeichne. Ermutigend seien die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen allemal. Seele: "Man sieht, dass die gesetzten Maßnahmen Früchte tragen."

An der Minderheitsbeteiligung beim Petrochemiekonzern Borealis will Seele festhalten. "Ein Verkauf wäre absoluter Schwachsinn", sagte der OMV-Chef. Er sieht in der Veredelung von Rohöl eine immer wichtiger werdende Säule und sei bereit, in das Wachstum von Borealis zu investieren. (stro, 17.11.2016)

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