"Salome": Nur ein paar Todesschüsse zu viel

17. November 2016, 16:24
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Oper von Richard Strauss in Linz in der Regie von Marc Adam

Linz – Wie zum Ende hin der gedemütigte Herodes den Befehl erteilt, das Mädchen zu töten, legt der französische Regisseur Marc Adam eine Salome-Fleißaufgabe hin: Es werden in Richard Strauss' Besessenheitsoper schlussendlich auch der Befehlsgeber selbst, dessen Gattin Herodias und die wirre Salome durch Maschinengewehrsalven niedergestreckt.

Das war nicht wirklich nötig. Die ambitionierte Inszenierung hatte schon bewiesen, dass Adam interessante und subjektive Ansichten zur Geschichte einer Obsession hat. Das kaputte Herrschermilieu, in dem sich der "Wirrsinn" abspielt, wurde vieldeutig aktuell und kriegerisch ausgestattet – und in eine Wüstenlandschaft verpflanzt (Ausstattung: Annemarie Woods).

Eine zerbombte Villa samt ramponiertem Swimmingpool ist der zentrale Spielort und Tochter Salome ein verwöhnt-neurotisches Girlie in Silberleggings, bunter Perücke und blonder Puppe im Arm. Sie ist Widerrede nicht gewöhnt. Umso demütigender und anstachelnder die Abweisung durch den Propheten, worauf ihre destruktiven Fantasien zu blühen beginnen. Verbal ungezügelt bricht auch aus Herodes (ausgezeichnet Matthäus Schmidlechner) die Gier nach Salome heraus.

Und Adam zeigt drastisch, wie das Partygirl die familiären Gelüste instrumentalisiert: Im Schleiertanz wird Salome zur sich selbst wie auch Herodes demütigenden Extremfigur. Am Tanzende steht Herodes mit Salomes Perücke da als vorgeführtes Wesen. Interessesante Variante. Sopranistin Astrid Weber kommt vokal gut über die Rampe. Delikat ihre sanften Töne, die in hohen Regionen mit Klarheit berücken.

Im Dramatischen sind gewisse schrille Aspekte zu vernehmen. Bei dieser Partie nur zu menschlich – einer Partie, die Weber szenisch hingebungsvoll absolviert. Markant auch die Momente mit Jochanaan (klar und eindringlich Seho Chang) wie auch jene, in denen Salome mit dem abgetrennten Kopf des unbeugsamen Moralisten turtelt.

Weiters: solide Karen Robertson (als Herodias) und Iurie Ciobanu (als Narraboth), den Abend unterstützend überhaupt die gesamte Ensembleleistung. Als Element des Strauss-Schwerpunkts des neuen Linzer Intendanten Hermann Schneider ist diese mutige Version brauchbar. Die bizarre Atmosphäre des letalen Begehrens wird ja auch vom Brucknerorchester unter Daniel Spaw intensiv umgarnt. Der Kampf zwischen klanglicher Unmittelbarkeit des Instrumentalen und der Sängerfreundlichkeit führt zu einem tragfähigen Kompromiss.

19. und 25. 11., 3., 7., 12., 14. und 29. 12.

B I L D U N T E R S C H R I F T: Der Prophet ziert sich: Astrid Weber (Salome) mit Seho Chang.

Foto: APA

(Ljubisa Tosic, 18.11.2016)
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    foto: apa/falk von traubenberg
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