Warum manche Kinder unkämmbare Haare haben

20. November 2016, 13:08
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Forscher stoßen auf "Struwwelpeter-Gene": Auswirkungen auf Struktur und Stabilität der Haare

Bonn – Warum manche Kinder auch ohne frisurverwüstende äußere Einflüsse ständig zerzauste Haare haben, lässt sich jetzt wissenschaftlich erklären: Forscher der Universitäten Bonn und Toulouse haben die "Struwwelpeter-Gene" entdeckt, welche die Haare unkämmbar machen. Über die Ursachen war bisher so gut wie nichts bekannt – wohl auch deshalb, weil es nur ganz wenige Fälle gibt.

Das Syndrom

Die vom "Struwwelpeter-Syndrom" Betroffenen haben extrem krause, trockene, meist hellblonde Haare mit charakteristischem Glanz, die sich jedem Bändigungsversuch widersetzen. Am ausgeprägtesten sind diese Symptome in der Kindheit – sie lassen dann mit der Zeit nach.

Im Jahr 1973 wurde das "Struwwelpeter-Syndrom" erstmals in der Fachliteratur beschrieben. Mittlerweile sind weltweit gut hundert Fälle dokumentiert. Die Forscher gehen aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. "Wer unter unkämmbaren Haaren leidet, sucht deshalb nicht unbedingt einen Arzt oder eine Klinik auf", erklärte Regina Betz vom Institut für Humangenetik der Universität Bonn.

Genetische Komponente

Immerhin ist bekannt, dass die Anomalie in manchen Familien gehäuft vorkommt. Die Forscher analysierten nun die Gene von etwa einem Dutzend betroffener Kinder und identifizierten Mutationen in drei Genen mit den Kürzeln PADI3, TGM3 und TCHH, die an der Bildung des Haars beteiligt sind.

Störungen bei nur einer der Komponenten haben demnach fundamentale Auswirkungen auf die Struktur und Stabilität der Haare. Mäuse, bei denen das PADI3- oder das TGM3-Gen defekt ist, entwickeln demnach charakteristische Fellanomalien, die dem menschlichen Struwwelpeter sehr ähnlich sind.

Die gute Nachricht: Während manche Haarerkrankungen mit schweren Begleiterkrankungen einhergehen, müssen sich Struwwelpeter keine Sorgen machen. Das Phänomen tritt den Forschern zufolge meist isoliert und ohne weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen auf. Die Studie wurde im "American Journal of Human Genetics" veröffentlicht. (APA, red, 20. 11. 2016)

  • "Struwwelpeter" ist wenigstens ein Syndrom ohne wirklichen Leidensdruck.
    foto: privat

    "Struwwelpeter" ist wenigstens ein Syndrom ohne wirklichen Leidensdruck.

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