Strand statt Schreibtisch? Xing-CEO macht es vor

18. November 2016, 07:00
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Kaum ein Topmanager nimmt sich eine Auszeit. Thomas Vollmoeller, CEO von Xing, sorgt für eine Ausnahme. "Es ist okay, ein Privatleben zu haben", schreibt er

Sabbaticals – eigentlich eine Möglichkeit, sich für mehrere Wochen oder Monate vom Schreibtisch zu verabschieden. Die Zeit wird für Weiterbildung, Reisen oder soziale Projekte genützt, und im Idealfall kehren die Leute motiviert, mit neuem Wissen oder nützlichen Eindrücken an ihren Arbeitsplatz zurück. Da spricht eigentlich nichts dagegen. Besonders im Topmanagement ist ein solcher Schritt aber beinahe undenkbar. Zumindest gibt es keine prominenten Beispiele – bis jetzt.

Auszeiten vorleben

"Ich bin dann mal weg" – das seien die letzten Worte gewesen, mit denen sich Xing-Chef Thomas Vollmoeller von seinen Kolleginnen und Kollegen verabschiedet hat. Er habe beschlossen, ein dreimonatiges Sabbatical einzulegen, schreibt er bereits aus einem Café in Sydney. Als Vorstand und Geschäftsführer müsse man als gutes Beispiel vorangehen und zeigen, "dass es okay ist, ein Privatleben zu haben. Dass es okay ist, Dinge infrage zu stellen, Spaß zu haben bei der Arbeit. Und sich ab und zu eine Auszeit zu wünschen."

Die Ideale der neuen Arbeitswelt – Flexibilität, Mitbestimmung – seien in Deutschland noch nicht angekommen. "Flexibilität wird erwartet, aber nicht gewährt. Querdenkertum wird in Sonntagsreden gefordert, einstellen tut man dann aber die immergleichen Klone. Demokratie beschränkt sich auf die sogenannte Mitbestimmung, die durch entsprechende Gremien erledigt wird, die alltäglichen Entscheidungen aber strikt top-down getroffen."

Unbegründete Angst

Dass Sabbaticals zwar ein cooles Image haben, in Unternehmen aber nur selten durchgesetzt werden, bestätigt auch Elke Dieterich, die mit "Manager für Menschen" Sabbaticals in sozialen Projekten anbietet: "Es gibt viele Vorbehalte. Viele Interessenten, mit denen ich gesprochen habe, mussten regelrecht um eine Auszeit kämpfen." Der Grund? Unternehmen seien besorgt, dass sie durch die Auszeit wichtige Mitarbeiter verlieren. "Eine völlig unbegründete Angst", sagt Dieterich. In zwei Fällen sei es bei Manager für Menschen bisher zur Kündigung nach dem Sabbatical gekommen, der Großteil geht zurück ins Unternehmen. "Wenn jemand geht, dann hat es auch vor der Auszeit schon gröbere Probleme gegeben", sagt Dieterich. Sie wünscht sich, dass mehr Arbeitgeber die Vorteile erkennen, die Menschen aus einem solchen Einsatz mitbringen.

Das sieht Vollmoeller ähnlich. Mitarbeitern müsse man auf Augenhöhe begegnen. Die Totalaufgabe für die Firma habe ohnehin nie jemand geleistet, sondern lediglich gespielt. Er freue sich, die selbstbestimmte Zeit nützen zu können, Zeit mit der Familie zu verbringen und neue Eindrücke zu sammeln. "Aber auch darauf, Anfang des Jahres wieder mit neuen Ideen und frischer Energie an den Schreibtisch zurückzukehren" (lhag, 18.11.2016)

  • "Ich finde, die Buntheit, Vielfalt, Diversität in der sich verändernden Arbeitswelt toll. Sie ist ehrlicher, denn die früher verlangte Totalaufgabe seiner selbst für die Firma hat ohnehin nie jemand geleistet, sondern lediglich gespielt", schreibt Thomas Vollmoeller, CEO von Xing.
    foto: reuters

    "Ich finde, die Buntheit, Vielfalt, Diversität in der sich verändernden Arbeitswelt toll. Sie ist ehrlicher, denn die früher verlangte Totalaufgabe seiner selbst für die Firma hat ohnehin nie jemand geleistet, sondern lediglich gespielt", schreibt Thomas Vollmoeller, CEO von Xing.

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