Mit Messer Stiefvater verletzt: 15 Monate bedingt

17. November 2016, 12:30
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Bedingte Haftstrafe für 19-jährige Wienerin, die mit zwölf Jahren von ihrem Stiefvater vergewaltigt wurde

Wien – Mit einem besonders tragischen Fall hat sich am Donnerstag ein Schöffengericht am Wiener Straflandesgericht beschäftigen müssen. Eine 19-Jährige saß auf der Anklagebank, weil sie ihren Stiefvater mit einem Messer attackiert hatte. Sie sei in Rage geraten, weil sie der Mann vor Jahren missbraucht und vergewaltigt habe und nun obszöne Whatsapp-Nachrichten schickte.

Als Zwölfjährige vergewaltigt

Seit zehn Jahren ist die Mutter der 19-Jährigen mit dem Mann liiert, die beiden betreiben ein Kaffeehaus in Wien. Im Jahr 2009 soll der Stiefvater über das damals minderjährige Mädchen hergefallen sein. Die Ermittlungen gegen den Mann wurden jedoch eingestellt, weil das Kind seine Anschuldigungen zurückzog. Noch im selben Jahr soll die Zwölfjährige dann vom Stiefvater auch vergewaltigt worden sein, was das Mädchen jedoch nie anzeigte.

Jahrelange vertraute sie sich niemandem an, auch nicht ihrer Mutter. Am Abend des 23. Juli schickte der Stiefvater plötzlich obszöne Nachrichten an das Handy der 19-Jährigen und quälte sie stundenlang mit der Bitte, Fotos von ihren Brüsten zu schicken. Gleichzeitig schickte er ein Foto seines Penis. Die Bilder wurden vom Gericht sichergestellt.

Unterredung geriet außer Kontrolle

Die 19-Jährige konnte daraufhin die ganze Nacht nicht schlafen und beschloss am nächsten Tag, die Polizei zu informieren. Sie bat die Beamten in das Lokal des Stiefvater, um ihn dort zur Rede zu stellen. Diese Unterredung geriet allerdings außer Kontrolle. Die junge Frau griff zu einem Küchenmesser und stach in Richtung des Stiefvaters, der durch Abwehrbewegungen eine Durchstichverletzung der linken Hand und eine Stichwunde an der Oberlippe erlitt.

Da die junge Frau zunächst den Beamten sagte, dass sie ihn umbringen wollte, wurde sie wegen versuchten Mordes drei Tage in Haft genommen. Als die Polizei erfuhr, dass die 19-Jährige zuvor von dem Mann missbraucht worden sei, wurden die strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Mann wieder aufgenommen.

Mutter und Stiefvater weiterhin zusammen

Am Donnerstag entschlugen sich sowohl der Stiefvater als auch die Mutter – sie ist weiterhin mit dem Mann zusammen – der Aussage. Der Mann gab lediglich an, dass er sich dem Verfahren mit einem Schmerzensgeldbetrag von 2.500 Euro anschließen wolle.

Die 19-Jährige, die mittlerweile eine Ausbildung zur Friseurin abgeschlossen hat, wurde wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung angeklagt. Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Andreas Hautz sprach sie nun wegen schwerer Körperverletzung schuldig. Sie erhielt eine rechtskräftige Verurteilung zu 15 Monaten bedingter Haft, zudem muss sie drei Jahre lang Bewährungshilfe und eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen. Die junge Frau, die von Christian Werner vertreten wurde, nahm die Strafe an.

Stiefvater bekam Schmerzensgeld

"Die Geschichte (mit dem Missbrauch, Anm.) ist plausibel. Wenn Sie uns das vorgespielt haben, dann müssen Sie in Hollywood auftreten", meinte Hautz in seiner Urteilsbegründung. Die junge Frau sei durch den Missbrauch völlig aus ihrer "Mädchenwelt" herausgerissen worden. Dem Stiefvater wurde ein Schmerzensgeld von 500 Euro zugesprochen. (APA, 17.11.2016)

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