Solarcity-Übernahme: Tesla-Chef Musk setzt alles auf eine Karte

17. November 2016, 10:23
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Der Elektroautopionier will die Ökostromfirma um 2,6 Milliarden Dollar schlucken. Heute stimmen die Aktionäre ab

Foster City – Elon Musk macht seinem draufgängerischen Ruf mit der gewagten Fusion der verlustreichen Unternehmen Tesla und Solarcity alle Ehre. Doch der Deal ist wegen Interessenkonflikten und des Verdachts der Günstlingswirtschaft höchst umstritten. Nun stimmen die Aktionäre ab.

Dass Elon Musk vor Risiken nicht zurückscheut, ist bekannt – nun stellt der Tech-Milliardär einmal mehr seinen unternehmerischen Wagemut unter Beweis. Um 2,6 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) soll sein Elektroautobauer Tesla die Ökostromfirma Solarcity schlucken. Beide Unternehmen schreiben regelmäßig rote Zahlen und sind bisher nicht viel mehr als große Versprechen. Am Donnerstag sollen die Aktionäre über die Fusion abstimmen.

Kritik an "schamloser Unternehmensführung"

Musk schwärmt von einer "idealen Verbindung" mit offensichtlichen Vorteilen. Die Übernahme schaffe den einzigen vollintegrierten Energiekonzern der Welt, mit Nachhaltigkeit aus einer Hand: Stromerzeugung und Energiespeicher von Solarcity, umweltschonender Transport mit dem Elektroauto von Tesla. Als "einzigartige Kombination, die übertrifft, was jedes andere Unternehmen bieten kann", preist der Superstar des Silicon Valley seinen Plan an.

Dennoch gibt es erhebliche Zweifel. Kritiker werfen Musk Interessenkonflikte vor, da er zugleich größter Anteilseigner und Verwaltungsratschef bei Solarcity ist. Er war Geburtshelfer der von Cousins gegründeten und geführten Firma. Auch Tesla-Mitgründer J. B. Straubel sitzt bei Solarcity im Verwaltungsrat. Der Großinvestor Jim Chanos bezeichnete den Deal deshalb als "schlimmstes Beispiel für schamlose Unternehmensführung".

Der bekannte Hedgefonds-Manager spricht von einer "wandelnden Insolvenz" und geht davon aus, dass das fusionierte Unternehmen rund eine Milliarde Dollar pro Quartal verbrennen wird. Chanos macht kein Hehl daraus, dass er von Musks Geschäftsgebaren nichts hält und auf einen Kursverfall der Aktien seiner Firmen wettet. Der Finanzinvestor mag ein Extrembeispiel für besonders verschärfte Ansichten sein, doch auch gemäßigtere Stimmen sind skeptisch.

"Inzestuöse" Verflechtungen

Würde es sich bei der Übernahme nicht durch und durch um einen "Silicon-Valley-Deal" handeln, wäre der Plan schon bei seiner Ankündigung gescheitert, schrieb der Experte Steven Davidoff Solomon in seiner "New York Times"-Kolumne "Deal Professor". Das Vorhaben sei angesichts der Verflechtungen der Firmen "inzestuös" und so stark von Interessenkonflikten behaftet wie nur möglich. Dass Musk damit durchkomme, liege an seinem Bonus als Tech-Visionär.

Tatsächlich hat der 45-jährige Selfmade-Milliardär wenig Probleme, Anlegern den heiklen Deal zu vermitteln. Der gebürtige Südafrikaner, der sein Startkapital als Mitgründer des Bezahldiensts Paypal verdiente, kann als Guru der Tech-Szene ohnehin so ziemlich alles verkaufen: Musk betreibt nebenher noch die Raumfahrtfirma Space X und den Hyperloop – eine Art futuristische Rohrpost, die Menschen mit bis zu 1.200 Kilometern pro Stunde transportieren soll.

Verlust

Nüchtern betrachtet sehen die Geschäftszahlen von Solarcity indes bedenklich aus: Im letzten Quartal fiel ein Verlust von 225 Millionen Dollar an, obwohl der Umsatz lediglich bei 200 Millionen Dollar lag. Der Aktienkurs des Unternehmens, das "Powerwall"-Akkus als Energiespeicher im Eigenheim und Solardachziegel anbietet, ist seit Jahresbeginn um gut 60 Prozent abgestürzt. Kein Wunder, dass einige Beobachter Musks Interesse an der Firma als Weg einschätzten, sein dort investiertes Geld zu retten, meint "Deal Professor" Davidoff.

Der Tesla-Chef hält knapp 22 Prozent an Solarcity und ist damit nicht nur größter Anteilseigner, sondern auch im Besitz wesentlicher Stimmrechte. Dahinter folgen neben anderen Führungsmitgliedern der Unternehmen Schwergewichte der Investmentszene wie etwa die Vermögensverwalter und Fondsriesen Fidelity, Vanguard und Blackrock. Sie alle sind Musk wohlgesonnen. Deshalb gilt die Zustimmung zu dem Deal trotz aller Kritik als so gut wie sicher. (Hannes Breustedt/dpa, 17.11.2016)

  • Elon Musk skizziert seine Ideen.
    foto: reuters/rashid umar abbasi/

    Elon Musk skizziert seine Ideen.

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