Neuer Appell an Stiftungsräte übergeben: Ö1 und FM4 sollen im Funkhaus bleiben

17. November 2016, 10:08
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"Damit wird Unruhe und Imageschaden abgewendet" – Neue Wirtschaftlichkeitsanalyse gefordert

Wien – Mitarbeiter und Unterstützer wie Robert Menasse und Ruth Beckermann haben den – im Funkhaus tagenden – ORF-Stiftungsräten am Donnerstag ein weiteres Forderungspapier überreicht. Der Appell: Der ORF möge im – großteils an die Baufirma Rhomberg verkauften – Funkhaus Flächen nicht allein für das Landesstudio Wien, sondern auch für Ö1 und FM4 behalten. Nach bisherigen Plänen sollen die ORF-Radios in den 2020ern auf den Küniglberg ziehen und eng mit Fernsehen und Online zusammenarbeiten.

Das Schreiben haben "hunderte" Mitarbeiter von Ö1 und FM4 unterzeichnet, zudem etwa Ruth Beckermann, Wolfram Berger, Erhard Busek, Ernst Grissemann, Sabine Gruber, Händl Klaus, Michael Heltau, Edgar Honetschläger, Ingrid Karl und Franz Koglmann, Karl Markovics, Robert Menasse, Roland Neuwirth, Manuel Rubey, Franz Sattlecker, Stephan Schulmeister, Eva Schobel und Peter Henisch, Erwin Steinhauer, Marlene Streeruwitz, Gerhard Ruiss und Thomas Trabitsch.

"Viel zu hoch"

Die Argumentationslinie des Schreibens an die Stiftungsräte: Wenn der ORF ohnehin 40 Prozent des Funkhauses (für Landesstudio, RSO, Radiokulturhaus) behält, habe er ohnehin weiterhin Fixkosten für einen zweiten Standort in Wien. 3000 bis 4000 Quadratmeter für Ö1 und FM4 würden also "nur variable Kosten für Mehrflächen" bedeuten. Die Kostenannahmen für eine Sanierung des Funkhauses (beim Kostenvergleich mit einem zentralen Standort Küniglberg) nennt der Brief "viel zu hoch".

"Millionengrab"

Mit Ö1 im Funkhaus könnten sich ORF und Stiftungsräte weitere Aufregung ersparen: "Damit wird die Kritik des kulturellen Österreich an den Absiedlungsplänen sich erübrigen, und weiterer Imageschaden sowie Unruhe abgewendet." Das Schreiben droht wörtlich mit einem "Millionengrab" Küniglberg – und begründet das mit erwarteten Kostenüberschreitungen bei Neubau wie bei der Sanierung und gegenüber dem Konzept "massiv erhöhten Mietkosten" im Funkhaus, weil sich die Absiedelung durch Bürgerinitiativen gegen das Projekt Küniglberg verzögere.

"Skylink"

Belegschaft und Unterstützer ersuchen die Stiftungsräte, sie mögen eine neue Wirtschaftlichkeitsanalyse eines unabhängigen Experten einfordern, die bisherigen wären "ungenau und überholt", zudem ein Organisationskonzept, das die Zahlen "überprüfbar" mache. Das Schreiben spekuliert mit dem "Risiko massiver Kostenüberschreitungen à la Skylink, Flughafen Berlin etc.", die sich der gebührenfinanzierte ORF nicht leisten könne.

Nachfragen

Der Brief empfiehlt den Räten auch nachzufragen: "Wie hoch sind die bisher getätigten Investitionen für Sanierungen und Erweiterungen am Küniglberg von 2014-2016?"

Dezentrale Standorte und Multimedialität wären "kein Widerspruch", argumentiert der Brief an die Stiftungsräte: "Wir wollen Radio, Fernsehen, Online zusammen denken – nicht zusammenlegen! Die digitale Vernetzung macht eine abgestimmte Zusammenarbeit der drei Medien nicht von räumlicher Nähe abhängig, sondern funktioniert über eine intelligente Unternehmenskultur." (fid, 17.11.2016)

  • Stiftungsrat-Vorsitzender Dietmar Hoscher mit dem Forderungspapier der ORF-Mitarbeiter vor der Sitzung des Stiftungsrats.
    foto: apa/herbert neubauer

    Stiftungsrat-Vorsitzender Dietmar Hoscher mit dem Forderungspapier der ORF-Mitarbeiter vor der Sitzung des Stiftungsrats.

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