Herstellerangaben bei Spritverbrauch immer unrealistischer

17. November 2016, 09:16
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Der reale Spritverbrauch liegt immer deutlicher über den Prüfstandwerten. 450 Euro jährlich kostet das Konsumenten

Wien – Dass Autohersteller bei den Verbrauchswerten tricksen, ist hinlänglich bekannt. Bei Elektroautos hat das etwa zur Folge, dass die Abweichung bei der Akkureichweite bei 40 bis 50 Prozent liegen kann. Der Grund: Getestet wird unter unrealistischen Bedingungen. Beim Elektroauto zum Beispiel bei einer Temperatur von 22 Grad, bei der man keine Heizung und Klimaanlage – beides große Energieverbraucher – benötigt.

Die Reichweite ist aktuell besonders wichtig, weil die Autohersteller sie als entscheidendes Verkaufsargument für die teureren E-Autos verwenden. Im Grunde ist das Thema alt. Man erinnere sich an die Anfangszeiten der Laptops, an das Durchhaltevermögen der Mobiltelefone: Die Herstellerangaben haben wenig mit der Realität zu tun.

Realer Spritverbrauch weit höher

Auch der reale Spritverbrauch neuer Autos liegt über dem von den Herstellern angegebenen Testverbrauch – und das immer deutlicher, wie eine neue Studie des International Council on Clean Transportation zeigt. Die Kohlendioxid-Emissionswerte und damit auch der Kraftstoffverbrauch neuer Automodelle in Europa waren im Alltagsbetrieb durchschnittlich etwa 42 Prozent höher als die unter Laborbedingungen ermittelten offiziellen Werte. Für die Konsumenten hat das spürbare Folgen, so die Studienautoren: Für Autofahrer bedeutet es etwa Mehrausgaben für Kraftstoff von rund 450 Euro pro Jahr.

Die Kluft ist stetig gewachsen: 2001 lag die durchschnittliche Abweichung zwischen Test- und Realwerten noch bei rund neun Prozent, vor zehn Jahren wichen die realen Werte bereits um 15 Prozent von den offiziellen ab. 2013 waren es der Studie zufolge bereits 25 Prozent. Mittlerweile sei die Kluft "so groß wie noch nie", so das Forschungsinstitut.

Hohe Abweichungen im Premiumsegment

Teilweise gibt es deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Herstellern und Modellen, beobachteten die Studienautoren, die Daten zu etwa einer Million Fahrzeuge der Jahre 2001 bis 2015 untersucht haben. Besonders hohe Abweichungen gab es im Premiumsegment, wo der reale Kraftstoffverbrauch teilweise mehr als 50 Prozent höher liegt als vom Hersteller angegeben. Auffällig hoch waren die Abweichungen auch für Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, heißt es in der Studie.

Generell gelte für die analysierten Fahrzeugmodelle, dass die Diskrepanz zwischen offiziellen und realen Verbrauchswerten bei Einführung einer neuen Modellgeneration in der Regel sprunghaft steige.

Die deutsche Autoindustrie verspricht baldige Besserung. Dass es grundsätzliche "ärgerliche Unterschiede zwischen Labor- und Straßenwerten" gebe, sei seit langem klar, hieß es aus dem Verband VDA in Berlin. Die ab 2017 geplanten Straßenmessungen und genaueren Bedingungen für Prüfstandstests würden solche Diskrepanzen verringern. "Der Verbraucher bekommt mehr Verlässlichkeit." (rebu, 17.11.20016)

  • Realität und Angaben im Hochglanzprospekt haben immer weniger gemein.
    foto: apa/dpa/zentralbild

    Realität und Angaben im Hochglanzprospekt haben immer weniger gemein.

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