Astronomen finden das rundeste Objekt im bekannten Universum

16. November 2016, 20:00
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Der Stern KIC 11145123 weicht bei einem Radius von 1,5 Millionen Kilometern nur um drei Kilometer von der perfekten Kugelform ab

Göttingen – In der Regel handelt es sich bei größeren Himmelskörpern um Rotationsellipsoide: Die Fliehkraft verformt die sich drehenden Körper, es bilden sich Abplattungen an den Polen, wodurch der Durchmesser von Pol zu Pol geringer ist als am Äquator. Nun vermelden deutsche Astronomen die Entdeckung eines Objekts, das so nah an der Kugelform geblieben ist wie kein anderes.

Laut den Experten vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen und der Universität Göttingen ist der Stern Kepler 11145123 oder KIC 11145123 das rundeste natürliche Objekt des bekannten Universums. Bei dem Stern beträgt der Unterschied zwischen Äquator- und Polradius nur drei Kilometer – bei einem Radius von 1,5 Millionen Kilometern ist das eine verschwindend geringe Abweichung. Bei der knapp halb so großen Sonne sind es den Göttinger Forschern zufolge immerhin zehn Kilometer, bei der Erde 21 Kilometer.

Die Messung

KIC 11145123 ist etwa 5.000 Lichtjahre von uns entfernt, gut doppelt so groß wie die Sonne und bedeutend heller. Der Nachweis der exakten Abmessungen des pulsierenden und vergleichsweise langsam rotierenden Sterns gelang mithilfe der noch relativ neuen Methoden der Asteroseismologie, bei denen Frequenzschwingungen im Sternenlicht analysiert werden. Vier Jahre lang wurden diese bei KIC 11145123 vom Nasa-Weltraumteleskop Kepler aufgezeichnet.

Anhand unterschiedlicher Schwingungsarten des Lichts aus den verschiedenen Breitengraden des Sterns gelang es den Experten um MPS-Direktor Laurent Gizon, die Proportionen von KIC 11145123 in bisher ungeahnter Genauigkeit zu rekonstruieren. Die Fehlertoleranz beträgt laut der Studie in der Fachzeitschrift "Science Advances" nur einen Kilometer.

Den Stern wählten die Forscher bewusst aus, weil sein Licht die nötigen sinusförmigen Helligkeitsschwankungen aufweist. Zwar war ihnen schon vorab klar, dass er sich viel langsamer um die eigene Achse dreht als die Sonne, weshalb ihn die Fliehkraft am Äquator weniger in die Breite zieht. Er erwies sich letztlich aber als noch weniger abgeflacht als erwartet. Eine Erklärung könnten Magnetfelder in den niedrigen Breitengraden rund um den Äquator sein. (APA, red, 16.11.2016)

  • Der Vergleich macht sicher: Links der Stern KIC 11145123, rechts unsere Sonne.
    illustration: laurent gizon et al. / mps göttingen / mark a. garlick.

    Der Vergleich macht sicher: Links der Stern KIC 11145123, rechts unsere Sonne.

  • Hier ist der Stern am Himmel zu finden.
    illustration: laurent gizon et al. / mps göttingen / mark a. garlick.

    Hier ist der Stern am Himmel zu finden.

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