Schwieriger Return ins Glück

16. November 2016, 17:51
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Dominic Thiem trifft in seinem letzten Gruppenspiel bei den ATP Finals auf die kanadische Aufschlagskanone Milos Raonic. Gegen die Nummer vier der Welt stehen die Vorzeichen aber schlecht. Vor allem der Return muss zum Erfolg führen

London – "Schlecht", sagt Coach Günter Bresnik und verzieht keine Miene. "Schwierig", sagt Dominic Thiem. Die Vorzeichen könnten besser sein. So sehr der Erfolg gegen Gael Monfils, Thiems Premierensieg bei den ATP Finals in London, noch nachschimmert, so finster sind die Aussichten für die nächste Partie. Auf den 23-jährigen Österreicher wartet ein Endspiel um den Aufstieg in das Semifinale. In diesem Endspiel wartet der Kanadier Milos Raonic. Am Donnerstag in der Night Session (21 Uhr) ist es so weit. Schwierig.

Die Nummer vier der Weltrangliste ist ein ziemliches Kaliber. Zwar konnte er 2016 lediglich das Turnier in Brisbane gewinnen, Finalteilnahmen sammelte der 25-Jährige aber fleißig. In den Endspielen von Wimbledon und Queen's Club unterlag er Andy Murray, in Indian Wells hatte er gegen Novak Djokovic das Nachsehen. Auch optisch ist Raonic ein Kaliber, er misst stattliche 1,96 Meter, könnte vom Körperbau der letzte Dalton-Bruder sein. Thiem weiß um die Qualitäten seines Gegners Bescheid: "Er ist einer der besten drei Aufschläger auf der Tour." Kommt das erste Service, "kann man sich als Rückschläger nur für rechts oder links entscheiden. Ich muss voll konzentriert bleiben." Auch Tormänner haben vor manchen Elfmetern Angst. Thiem kennt das.

Ahorn-Blatt-Rakete

Gegen starke Servierer wie Raonic tut sich Thiem schwer, sein Return ist noch ausbaufähig. Raonic wird Ahorn-Blatt-Rakete genannt: eine Ansage. Dass der gebürtige Montenegriner auch abseits der Hebelwirkung einer Giraffe Tennisspielen kann, bewies er in seiner zweiten Partie in London gegen Novak Djokovic. Der Serbe sicherte sich nach zwei Tie-Break-Sätzen den Sieg und den sicheren Aufstieg ins Semifinale. Raonic zeigte aber immer wieder, dass mit ihm zu rechnen ist.

In London fühlt er sich pudelwohl, der Belag liegt ihm: "Das ist hier wohl einer meiner besten Beläge. Es gefällt mir." Ein Vorteil gegenüber Sandplatzliebhaber Thiem. Sonst sieht Raonic auch Parallelen: "Wir haben beide einen ähnlich starken Saisonbeginn gespielt. Man wird sehen, was jetzt kommt, ich hoffe, ich kann ihm mein Spiel aufzwingen."

Im Spätabend der Saison geht es für Thiem also noch einmal um viel. Die Teilnahme in London ist "schon eine Ehre". Ein Weiterkommen wäre wohl ein Traum. Nach den Finals gibt es ein bisschen Urlaub, bis das Team um Thiem im Dezember zur Saisonvorbereitung nach Teneriffa fliegt.

Der Plan für die neue Saison ändert sich kaum, laut Coach Bresnik bleibt die Intensität: "Die kleineren Turniere sind wichtig, um sich auf die großen vorzubereiten. Nur so bekommt man die Selbstverständlichkeit und Sicherheit auf allen Belägen." Der Rhythmus der vielen Spiele sei ebenso wichtig für "Toughness und Ausdauer. Ersparen kannst du dir nie was, weil die Selbstverständlichkeit kriegst du ja nur dort."

Im letzten Gruppenspiel in London geht es für Thiem erstmals in die Night Session. In der Arena ist zu späterer Stunde deutlich mehr los, das Spektakel entfaltet sich noch direkter. Die Musik und das Getöse bleiben gleich, die Luft ist noch längst nicht draußen, auch bei den Doppelspielen ist viel los.

Auch wenn es für Thiem das letzte Spiel in London sein könnte, die Erfahrung bleibt. (Andreas Hagenauer aus London, 16.11.2016)

  • Der Kanadier Milos Raonic hat im Aufschlag seinen Trumpf. Mit seinen 1,96 Metern Körpergröße hat der in Montenegro geborene 25-Jährige auch am Netz jederzeit den besten Überblick.
    foto: apa/afp/glyn kirk

    Der Kanadier Milos Raonic hat im Aufschlag seinen Trumpf. Mit seinen 1,96 Metern Körpergröße hat der in Montenegro geborene 25-Jährige auch am Netz jederzeit den besten Überblick.

  • Dominic Thiem ist vor dem Spiel eher skeptisch.
    foto: apa/afp/glyn kirk

    Dominic Thiem ist vor dem Spiel eher skeptisch.

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