Wiener Investmenthaus VCP hatte Appetit auf ungarische Bank

16. November 2016, 18:14
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Ungarns Notenbank holte Infos von Justiz. Verfahren läuft gegen andere VCP-Tochter

Wien – Das Wiener Investmenthaus Vienna Capital Partners (VCP Unternehmensberatungs AG) beschäftigt die Kärntner Strafjustiz. Die Gesellschaft ist im Rahmen des Verbandsverantwortlichkeitsgesetzes in jener Hypo-Alpe-Adria-Causa angeklagt, in der auch VCP-Gründer Heinrich Pecina derzeit vor dem Richter sitzt.

Es geht um ein Honorar, das die VCP rund um den Hypo-Verkauf an die Bayern bekam, das aber der falsche Adressat bezahlt haben soll. Pecina hat gestanden und drei Millionen Euro bezahlt. Auch die Ex-Hypochefs Wolfgang Kulterer und Tilo Berlin sitzen auf der Anklagebank. Das Verfahren gegen die VCP wurde allerdings ausgeschieden – es wird weitergeführt, wenn das Verfahren gegen Pecina und die übrigen Angeklagten, die den Vorwurf bestreiten, abgehandelt ist. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ungarn involviert

Diese Causa ist Anfang dieses Jahres auch in Ungarn aufgeschlagen. Dort ist die VCP Finanz Beteiligungen AG an der FHB Bank beteiligt (VCP-Chef Riener ist im Vorstand) und wollte ihren Anteil aufstocken – auf eine qualifizierte Mehrheit. Die ungarische Nationalbank (MNB) begann die Genehmigungsprüfung – und stieß auf das Kärntner Verfahren. Die MNB muss das Ansuchen abweisen, wenn der Erwerber bzw. seine Manager nicht die erforderliche Reputation haben. Die Notenbanker wandten sich daher an die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA – allerdings zählt die VCP nicht zu deren Beaufsichtigten.

Ende Jänner erkundigten sich die Notenbanker daher bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt schriftlich, ob gegen die VCP bzw. ihren Geschäftsführer Riener ein Verfahren laufe. Zur Orientierung: Riener führt die Geschäfte der VCP Unternehmensberatungs AG seit heuer, Pecina hat sich aus dem operativen Business in den Aufsichtsrat zurückgezogen. Im Hypo-Verfahren ist Riener Zeuge.

Antwort aus Kärnten

Zwar baten die Notenbanker die Kärntner Behörde um Antwort binnen zwei Wochen – offenbar dauerte die Recherche der Justiz dann aber etwas länger. Jedenfalls bekamen die Ungarn am 15. März Antwort, und zwar von einer Richterin des Landesgerichts Klagenfurt. Sie gab quasi Entwarnung und teilte der "Direktion für Genehmigungsverfahren der Zentralbank von Ungarn" mit, dass "das Verfahren ... des Landesgerichts Klagenfurt nicht gegen die VCP Finanzbeteiligungen AG geführt" werde und auch kein Ermittlungsverfahren anhängig sei.

Vom anhängigen Klagenfurter Verfahren gegen die VCP Unternehmensberatungs AG: keine Rede. Wie auch immer, aus der qualifizierten Mehrheit an der größten ungarischen Hypothekenbank wurde es laut einem VCP-Insider trotzdem nichts. Offiziell äußert sich die VCP laut ihrem Sprecher zu Fragen wie diesen "grundsätzlich nicht".

Von einem anderen ungarischen Investment – der Mediaworks – hat sich die VCP vor kurzem getrennt, die regierungskritische Tageszeitung Népszabadság hat Pecina zuvor schließen lassen. "Weil es kommerziell nicht anders ging", wie er Profil wissen ließ. (Renate Graber, 17.11.2016)

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