Was Weltmarktführer besser können

17. November 2016, 09:00
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Österreichs Hidden Champions betreiben mehr internationale Forschung als andere Unternehmen, erhob eine aktuelle Studie

Wien – Ob wirtschaftlicher Erfolg tatsächlich auch auf Geheimnissen beruht, ist umstritten. Diese Frage klärt eine aktuelle Studie zu den heimischen Weltmarktführern, die die Wirtschaftsuni Wien gemeinsam mit Simon Kucher Strategy & Marketing Consultants erstellt hat, auch nicht. Aber sie macht Strategien jener Unternehmen sichtbar, die in der Champions League spielen. Definition: Sie gehören zu den ersten drei weltweit oder sind Erster in Europa in Bezug auf ihre Marktanteile, die meist über 50 Prozent liegen.

Kleine und mittelgroße Firmen

Es handelt sich überwiegend um kleine und mittelgroße Firmen, vor allem Familienbetriebe aus der Industrie und Produktion, und sie haben geringen Bekanntheitsgrad ("Hidden Champions"). 60 solcher heimischer Unternehmen wurden untersucht und mit einer Kontrollgruppe der weniger Erfolgreichen verglichen. Die Champions schaffen ein Preispremium von zehn bis 15 Prozent, wachsen jährlich um zehn Prozent, waren in den vergangenen Jahren zu 96 Prozent krisenfest, weisen steigende Weltmarktanteile auf, erzeugen Innovationswellen, exportieren zu 90 Prozent und haben Geschäftsführer, die 20 Jahre lang bleiben – statt durchschnittlich rund sechs Jahren Verweildauer der Chief Executive Officers in anderen Firmen. Woran liegt das?

Einerseits nehmen Champions die globale Entwicklung ernster: Technologischer Wandel, globale Verflechtung und "entrepreneurship rising" werden viel zentraler wahrgenommen als in Unternehmen der Kontrollgruppe. Und sie sind darauf besser vorbereitet und haben eher Chancenblick als Bedrohungsszenarien in der Unternehmenskultur verankert. Schutz des geistigen Eigentums etwa durch Patente ist bei den Champs deutlich stärker ausgeprägt, und sie sind in ihrer Forschungstätigkeit weniger auf Österreich fokussiert als die Kontrollgruppe. Auch Mitarbeiter werden dezentraler und internationaler eingesetzt.

Betriebsklima wichtig

Wobei das Betriebsklima eine zentrale Rolle zu spielen scheint: Weltmarktführer haben der Studie zufolge eine freundliche interne Atmosphäre, eine positive Kultur der Zusammenarbeit, eine relativ hohe Fehlertoleranz und ein Klima der Ermutigung für Neues. Interne Diskussionen werden als normal statt als störend eingestuft. Die Führung ist offen und weist flachere Entscheidungsstrukturen auf als bei der Kontrollgruppe. Die Champions haben auch ein differenziertes Bild über ihre Rollen in der Transformation. Das zieht sich durch bis in Subdimensionen des demografischen Wandels: Champions haben viel mehr Gesundheitsmanagement, Folgen sinkender Geburtenraten und Überalterung im strategischen Fokus. (Karin Bauer, 17.11.2016)

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