Drogenhandel: Wiener Brennpunkte wieder stärker frequentiert

17. November 2016, 05:30
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In den knapp sechs Monaten seit der Novelle des Suchtmittelgesetzes wurden 566 Personen an den Wiener "Hotspots" festgenommen

Wien – An den einschlägig bekannten Brennpunkten in Wien ist die Drogenkriminalität wieder gestiegen. "Es gibt Beschwerden aus der Bevölkerung, der Drogenhandel keimt wieder auf", sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger bei einem Lokalaugenschein am Mittwoch. Doch noch sei "das Lagebild erträglich", berichtete Harald Poschinger, Zugskommandant der Bereitschaftseinheit der Wiener Polizei.

Mit Jahresbeginn trat eine Änderung im Strafgesetzbuch in Kraft, die Gewerbsmäßigkeit neu definierte und der Exekutive das Vorgehen gegen Dealer erschwerte. Daraufhin wurde mit 1. Juni das Suchtmittelgesetz (SMG) novelliert. Dealen im öffentlichen Raum kann seither mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Seit Anfang Juni wurden wegen des neuen Tatbestands "Drogenhandel im öffentlichen Raum" 566 Personen allein an den Wiener "Hotspots" festgenommen, sagte Hahslinger. Die meisten stammten mit 190 aus Nigeria, gefolgt von 107 Algeriern und 63 österreichischen Staatsbürgern. 390 Dealer wurden auch in Untersuchungshaft genommen.

"Konsumenten sind keine Bösen"

"Jetzt ist es nicht mehr so, dass Bürger an U-Bahn-Stationen gleich von mehreren Dealern bedrängt werden", so Poschinger. Die Bereitschaftseinheit ist jeden Tag mit rund 100 Uniformierten entlang der U-Bahn-Linie U6 sowie am Praterstern unterwegs. "Ganz wird man den Drogenhandel nie unterbinden können", sagte Poschinger. Jedoch würde durch die hohe Polizeipräsenz das subjektive Sicherheitsgefühl gestärkt werden, Dealer können so aus der Öffentlichkeit verdrängt werden.

Neben Cannabis werden entlang der U6 auch Kokain und Heroin verkauft. "Diese Substanzen sind oft gefährlich, haben teilweise nur einen Reinheitsgehalt von drei Prozent, der Rest ist – wenn es gut geht – Milchzucker", sagte Poschinger. Seit 1. Juni bis Ende der vergangenen Woche stellten die Beamten an den Hotspots 33,5 Kilogramm Marihuana sowie ein Kilogramm Cannabisharz sicher. Dazu kamen ein Kilogramm Kokain, ein halbes Kilo Heroin sowie 1.000 Tabletten, darunter 300 Stück Ecstasy. Entweder hatten Dealer diese Drogen bei sich oder sie waren in Verstecken gebunkert.

Seit Jänner 2016 wird verstärkt nach dem Grundsatz Therapie statt Strafe vorgegangen: Kauf und Besitz von Kleinstmengen für den Eigengebrauch führen nicht mehr automatisch zur Strafanzeige, vielmehr erfolgt eine Meldung an die Gesundheitsbehörde. "Konsumenten sind keine Bösen. Wir versuchen mit ihnen zu reden, und erfahren dadurch auch einiges. Sie wissen, wo was verkauft wird", erklärte Poschinger. (APA, 17.11.2016)

  • Personenkontrolle an der U6.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Personenkontrolle an der U6.

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