Zwei V-Männer, ein bestohlener Ermittler und ein Drogendeal

16. November 2016, 17:02
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Einem verdeckten Ermittler wurden bei einer vermeintlichen Drogenübergabe 102.000 Euro gestohlen. Tatprovokation und Widersprüche der V-Männer hängen beim Prozess im Raum

Salzburg – Der Prozess um eine schiefgelaufene Drogenübergabe an einen verdeckten Ermittler des Bundeskriminalamts in Salzburg hat am Mittwoch kuriose Einblicke in die Arbeit von Vertrauenspersonen der Polizei gegeben.

Dem verdeckten Ermittler wurden im Dezember 2015 bei einem Scheinkauf von sieben Kilogramm Heroin 102.000 Euro gestohlen. Vom Geld und dem Dieb fehlt seither jede Spur. Peinlich für die Polizei: Laut Gericht gab es keine sieben Kilogramm Heroin.

Auf der Anklagebank sitzt als mutmaßlicher Mittäter nun ein 26-jähriger Albaner, der laut Anklage dem Ermittler die Drogen einen Monat zuvor angeboten hat. Der Albaner sagte bei seiner ersten Einvernahme aus, der Plan sei gewesen, den Käufer hereinzulegen. Sein Anwalt Lukas Kollmann betont, sein Mandant habe eine untergeordnete Rolle gespielt. Zu hinterfragen sei aber die Rolle der involvierten Vertrauensperson der Polizei.

V-Mann bot Ermittler Drogen an

Bei der Einvernahme des verdeckten Ermittlers stellt sich am Mittwoch heraus, dass bei der Geschäftsanbahnung mit dem angeklagten Albaner ein dritter Mann von Serbisch auf Albanisch übersetzt hat. Erst nach der Drogenübergabe will der Ermittler erfahren haben, dass es sich bei diesem Mann um eine Vertrauensperson der Polizei handelte. "Da hat die Vertrauensperson dem verdeckten Ermittler etwas angeboten", fasst es Staatsanwalt Mathias Haidinger zusammen.

Der Ermittler präzisiert, das Drogenangebot sei eindeutig vom angeklagten Albaner gekommen, der dritte Mann, die Vertrauensperson also, habe nur übersetzt. Der Angeklagte habe auch bei der Übergabe überprüft, ob das Geld echt ist. "Wenn das jetzt nicht mehr reicht für ein Angebot, dann kann ich aufhören zu arbeiten", ärgerte sich der verdeckte Ermittler.

Zweiter V-Mann in U-Haft

Als Agent provocateur betrachtet Verteidiger Kollmann einen zweiten V-Mann, der den Ermittler mit den Albanern zusammengebracht haben soll. Dieser sagt am Mittwoch komplett andere Dinge aus als bei den vorherigen Einvernahmen der Polizei und verstrickt sich immer wieder in Widersprüche. Der Mann, der seit 2008 als "VP 749" für die Salzburger Polizei tätig ist und geholfen haben soll, 40 Fälle im Drogenmilieu aufzuklären, sitzt derzeit selbst in Wels in U-Haft. Das kann er sich nur so erklären: "Ich war sehr erfolgreich als V-Mann. Ich glaube, es gibt ein Eifersuchtsproblem zwischen der oberösterreichischen Polizei und der Salzburger Polizei."

Sein Betreuer bei der Salzburger Polizei sei über alle Schritte informiert gewesen. Und er verstehe nicht, warum er plötzlich Geheimnisse der Polizei verraten solle. "Wir müssen beleuchten, ob es eine Tatprovokation gab oder nicht", betont Richter Christian Hochhauser. "Das ist unsere Arbeit. Wir verbreiten Gerüchte, dass wir im Drogengeschäft sind, um Verbrechen aufzuklären", sagt der V-Mann. Einige Widersprüche zu bisherigen Aussagen klären sich während der stundenlangen Befragung des "erfolgreichen" V-Manns auf. Er habe bei der Polizei den anderen V-Mann gedeckt.

Legendenbildung bei Hochzeit im Kosovo

Für viele Fragen der Verteidigung sorgt auch die Verbindung zwischen dem zweiten V-Mann und dem verdeckten Ermittler. Beide erklären, sie seien nur beruflich miteinander in Kontakt. Auf einem Video ist der Ermittler aber auf der Hochzeit des V-Manns im Kosovo zu sehen. "Das war mit meinem Vorgesetzten abgesprochen. Ich war als verdeckter Ermittler dort zur Legendenbildung in der albanischen Community", betont der verdeckte Ermittler.

"Uns wurde suggeriert, dass niemand den anderen kennt, und jetzt stellt sich heraus, dass es Beziehungen gibt", sagt der Richter. "Wir wollen herausfinden, ob hier sauber gearbeitet wurde", betont Staatsanwalt Haidinger. Am späten Mittwochnachmittag wurde der Prozess erneut vertagt. (Stefanie Ruep, 16.11.2016)

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