"Die Nacht der 1000 Stunden": Immerwährende Vergangenheit

16. November 2016, 15:43
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Interessant ist die eigenwillige Ästhetik des Films. Christian Berger stand hinter der Kamera

Das Haus der Ullichs ähnelt einer Geistervilla. Längst funktionsuntüchtige Apparaturen und ein Ahnenschrank erinnern an die Verstorbenen des Familienunternehmens. Dieses soll nun an Philip (Laurence Rupp), den Sohn von Oberhaupt Georg (Johann Adam Oest), weitergegeben werden. Auch Tante Erika (Elisabeth Rath) will ihm ihre Anteile überschreiben. Doch im Moment der Unterzeichnung stirbt Erika – um kurz darauf mit sämtlichen Familienmitgliedern wieder von den Toten aufzuerstehen.

In Die Nacht der 1000 Stunden sind die Ullichs und ihre Vorfahren da zu verdammt, das Haus nicht zu verlassen. Taghell soll es erst wieder werden, wenn sich die dunklen Geheimnisse rund um den mysteriösen Hermann lichten. Dabei helfen soll ein Gendarm (Udo Samel), dessen Rechtsverständnis aus der Kaiserzeit stammt. Auch das Schicksal von Hermanns erster Frau Renate (Amira Casar) muss geklärt werden. Und dann gibt es noch Philips Gegenspieler und Hermanns Enkel Jochen (Lukas Miko), der sich in rechtsradikalen Kreisen bewegt und als Mahnmal für die familiäre Vergangenheit steht.

Mehr als die Aufklärung dieser Verhältnisse interessiert die eigenwillige Ästhetik dieses Krimis: Mithilfe von Rückprojektionen hat Virgil Widrich gemeinsam mit dem Kameramann Christian Berger die Illusion einer Villa erzeugt, in der sich seine Protagonisten bewegen, spiegeln oder als Schatten erscheinen. Und auch die Botschaft überzeugt: Die Menschheit scheint aus ihren historischen Fehlern nicht lernen zu wollen. (kst, 16.11.2016)

  • Alles sehr geheimnisvoll in der Villa der Ullichs: auch Frau Renate (Amira Casar) trägt dazu bei.
    foto: thimfilm

    Alles sehr geheimnisvoll in der Villa der Ullichs: auch Frau Renate (Amira Casar) trägt dazu bei.

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