Britische Studie empfiehlt Fleischsteuer, um CO2-Ausstoß zu reduzieren

17. November 2016, 09:30
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Zuschläge von 40 Prozent auf Rindfleisch und von 20 Prozent auf Milch würden den Ausstoß schädlicher Treibhausgase drastisch reduzieren und die Schäden des Klimawandels kompensieren, rechnen Forscher der Oxford-Universität in einer neuen Studie vor

Noch bis Freitag tagt die 22. Klimakonferenz in Marrakesch. Es geht um die Umsetzung der Klimaschutzziele, die im Dezember in Paris vereinbart wurden: Die Erderwärmung soll auf ein Plus von unter zwei Grad und möglichst unter eines von 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden. Das Problem ist jedoch, dass die bisher vorliegenden nationalen Zusagen zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes bei weitem nicht ausreichen werden. Marco Springmann von der Oxford-Universität hat für die Verhandler eine klare Empfehlung: "Wir raten politischen Entscheidungsträgern ernsthaft, über die Einführung einer Klimasteuer für Lebensmittel nachzudenken."

Denn die Nahrungsmittelproduktion verursache insgesamt rund ein Viertel der Treibhausgasemissionen, der Großteil entsteht durch Nutztierhaltung. Springmann und ein Team von Wissenschaftern des Oxford Martin Programme on the Future of Food haben Varianten zur Besteuerung in einer erstmals weltweit erhobenen Studie zu dem Thema durchgerechnet. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht.

Die Wissenschafter haben für jeden Typ von Lebensmittel und in jeder Region der Welt die notwendigen Steuern errechnet, um die Schäden durch die Produktion zu minimieren. Sie empfehlen etwa durchschnittliche Preisaufschläge von 40 Prozent auf Rindfleisch und 20 Prozent auf Milchprodukte, um die Schäden des Klimawandels zu reduzieren. Gerade Rinderhaltung hat aufgrund der Methangasproduktion und der in vielen Teilen der Welt damit einhergehenden Abholzung einen großen ökologischen Fußabdruck.

Eine Milliarde Tonnen CO2

Der Steuerplan würde die CO2-Emissionen um eine Milliarde Tonnen pro Jahr senken, informiert der Forscher: "Das entspricht der gesamten globalen Luftfahrtindustrie pro Jahr." Es sei Aufgabe der Politiker, die Vorteile dieser speziellen Lebensmittelsteuer den Bürgern zu kommunizieren, sagt Springmann dem STANDARD. Es gehe nicht um Bestrafung, sondern um eine Verbesserung der Lebensbedingungen.

Durch eine damit einhergehende gesündere Ernährung würde in Ländern wie USA, Europa, China oder Australien insgesamt jedes Jahr eine halbe Million Leben gerettet werden, heißt es in der Studie. Denn viele Nahrungsmittel, die einen hohen CO2-Ausstoß verursachen, sind im Übermaß ungesund. In den USA konsumieren die Menschen dreimal so viel Fleisch wie empfohlen. In Österreich kommen pro Person und Jahr rund 70 Kilogramm Fleisch auf den Teller. Empfohlen werden höchstens 31 Kilogramm pro Jahr.

Steuern auf Lebensmittel können aber nur dann funktionieren, wenn Menschen die Motive erklärt werden, betont Springmann. Er nennt ein gescheitertes und ein erfolgreiches Beispiel: Eine sogenannte "Fettsteuer" war in Dänemark von Oktober 2011 bis Ende 2012 in Kraft. Pro Kilogramm gesättigte Fettsäuren wurden rund zwei Euro an Steuern eingehoben. "Die Politiker in Dänemark haben dabei versagt zu erklären, warum Steuern erhoben und wofür sie genutzt werden." In Mexiko wurde hingegen eine Zuckersteuer auf Softdrinks von der Bevölkerung gut aufgenommen, da mit den Einnahmen kostenloses Trinkwasser in den Schulen finanziert wurde.

Ärmere nicht bestrafen

Grundlegend bei den Überlegungen war, dass ärmere Menschen keine schlechtere Ernährung bekommen. Daher wurden unterschiedliche Steuersysteme durchgerechnet, um eine optimale Kombination von CO2-Reduktion und gesunder Ernährung zu erhalten. "Das beinhaltete auch Subventionen für gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse und Zahlungen an wirtschaftlich schwächere Menschen, um die Preiserhöhungen auszugleichen", sagt Springmann.

Bislang wurde das Thema Produktion und Konsum von Nahrungsmitteln in der politischen Debatte über Klimawandel meist ausgespart: Ernährung ist ein sehr persönliches und gesellschaftlich sensibles Thema. Ein Umdenken werde jedoch schon allein durch globale Entwicklungen notwendig, so die Forscher in der Studie. In bevölkerungsreichen Ländern wie China oder Indien werden tierische Produkte immer beliebter. (Julia Schilly, 17.11.2016)

  • Fleisch und Milch kosten zu wenig, besagt eine britische Studie. Umweltschäden können dadurch nicht ausgeglichen werden.
    foto: apa / carmen jaspersen

    Fleisch und Milch kosten zu wenig, besagt eine britische Studie. Umweltschäden können dadurch nicht ausgeglichen werden.

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