Wie unser Gehirn mit Unsicherheit umgeht

16. November 2016, 15:50
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Noradrenalin, Acetylcholin und Dopamin: Chemie steuert den Menschen auch in unsicheren Situationen – zeigt eine britische Studie und macht Lernprozesse transparent

Aktion und Interaktion: Diese beiden Handlungsarten hängen unmittelbar voneinander ab. Denn jeder Mensch reagiert unbewusst auf Umwelteinflüsse. Wie Reize von außen in unserem Gehirn verarbeitet werden, bestimmt maßgeblich die Chemie, besser gesagten die Botenstoffen im Gehirn.

Neue, unsichere Situationen sind stets eine Herausforderung. Neueste Untersuchungen zeigen, wie wir auf Unbekanntes reagieren. Konkret haben drei Hormone einen maßgeblichen Einfluss. Der Neurotransmitter Noradrenalin reguliert die Einschätzung einer unsicheren Situation, Acetylcholin hilft dabei, sich auf veränderte Situationen einzustellen und Dopamin unterstützt die Handlungen, die man entsprechend der Einschätzung setzt. Das zeigt eine Untersuchung von Louise Marshall und Sven Bestmann, beide Forscher arbeiten am University College in London.

Muster erkennen

In ihrere Studie hatten sie 128 gesunde Personen auf ihre Reaktionen in unsicheren Situationen getestet. Das Setting: Die Probanden hatten entweder ein Medikament oder Placebo bekommen, um die Ausschüttung von Noradrenalin, Acetylcholin oder Dopamin zu blockieren. Danach wurden Bilderfolgen gezeigt, auf die sie durch das Drücken eines Knopfes reagieren mussten. Die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Bild nochmals erscheinen würde, hing vom davor gezeigten ab. War Bild A zu sehen, so kam zu 85 Prozent danach Bild B. Nach jeweils 50 Bildern änderte sich dieses Schema, die Probanden mussten sich neu einstellen.

"Die Interaktion mit diesem sehr dynamischen, sich ständig verändernden Fluss veranlasst uns dazu, uns ständig neu auf die Umgebung einzustellen. Wir erkennen Verbindungen und lernen dadurch, Vorhersagen für die Zukunft zu treffen, um dann schnell reagieren zu können. Doch die Komplexität von Ereignissen erzeugt immer wieder Unsicherheit, was die Beziehungen der Ereignisse zueinander betrifft. Dabei ist auch der Zeitfaktor entscheidend", schlussfolgert Marshall.

Einige Botenstoffe im Gehirn spielen bei dieser Einschätzung eine wichtige Rolle. Sie pharmakologisch zu beeinflussen, führte zu unterschiedlichen Reaktionen und macht Lernprozesse im Umgang mit unsicheren Situationen transparent. (red, 16.11.2016)

Originalstudie:

Pharmacological Fingerprints of Contextual Uncertainty

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