Rechnungshof kritisiert mangelnde Rotwild-Abschüsse

16. November 2016, 14:31
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Zu viel Wild in Kärnten, Salzburg und Tirol – Kritik an Verschlechterung des Zustands der Wälder

Klagenfurt/Salzburg/Innsbruck – Der Rechnungshof hat in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht die Nichterfüllung der Abschusspläne bei Rotwild in Kärnten, Salzburg und Tirol kritisiert. In den drei Ländern habe sich der Zustand der Wälder verschlechtert. Den mit der Vollziehung der Jagdgesetze befassten Behörden sei es nicht gelungen, "den Wildstand auf ein waldverträgliches Ausmaß zu reduzieren", schrieben die Prüfer.

Die Abschussplanerfüllung lag in Salzburg durchschnittlich bei 93,8 Prozent, in Kärnten bei 88,3 Prozent und in Tirol nur bei 78,1 Prozent. "Eine übergeordnete, auf die Wildlebensräume bezogene Abschussplanung bestand nur in Salzburg", berichtete der Rechnungshof. Das war demnach das einzige der drei überprüften Bundesländer, wo eine Erhöhung des Rotwildstands verhindert und eine Reduktion des Wildstands bei Reh- und Gamswild eingeleitet wurde. In Tirol konnte dies trotz einer zielorientierten Planung "nicht annähernd erreicht werden", merkten die Prüfer an.

Wildruhezonen und Wildfütterungskonzept fehlen

In Tirol machen Wälder 41 Prozent der Landesfläche aus, in Salzburg und Kärnten mehr als die Hälfte, hob der Rechnungshof deren Bedeutung hervor. Der Anteil von mittel und stark durch Wild beeinflussten Wäldern hatte sich von Mitte 2004 bis Ende 2010 in allen drei Ländern verschlechtert. In Kärnten stieg der Wert laut Wildeinflussmonitoring von rund 65 auf 69 Prozent, in Salzburg von 62 auf 65 Prozent und in Tirol von 51 auf 69 Prozent. "Die gesetzlichen Möglichkeiten, die zum Schutz des Waldes zur Verfügung standen, reichten somit entweder nicht aus oder wurden von den zuständigen Behörden nicht in ausreichendem Maße vollzogen", rügte der RH die Verantwortlichen.

Die Vollziehung der Jagdgesetze obliegt den Landesregierungen, Bezirksverwaltungsbehörden und der Jägerschaft. In Kärnten wurde die Vollziehung weitgehend ausgelagert, dennoch gab es mehr Personaleinsatz und -kosten als in Salzburg, hielt der Rechnungshof fest. Bei der Erlangung von Jagdkarten wurden in den Ländern teilweise "sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlungen" festgestellt. Wildruhezonen sowie ein Konzept für die Wildfütterung fehlten überall.

Kärnten, Salzburg und Tirol wurden in den Schlussempfehlungen des Berichts unter anderem aufgefordert, die Erfüllung der Abschusspläne sicherzustellen. "Die bereits zur Verfügung stehenden Maßnahmen zum Schutz des Waldes als präventive Instrumente wären verstärkt einzusetzen, um Waldschäden zu vermeiden anstatt nachträglich kostspielige Sanierungen durchführen zu müssen", schlägt der Rechnungshof vor. (APA, 16.11.2016)

  • Der Wildeinfluss auf die Wälder steigt.
    foto: apa/dpa/ole spata

    Der Wildeinfluss auf die Wälder steigt.

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