Klimaschutz-Index: Österreich verbessert sich leicht

16. November 2016, 14:18
26 Postings

Umweltschutzorganisationen sehen in Rang 41 kein gutes Zeugnis – Frankreich voran, aber erste drei Plätze symbolisch leer

Wien/Marrakesch – Österreich nimmt im am Mittwoch veröffentlichten Klimaschutz-Index der Umweltschutzorganisation Germanwatch und des Climate Action Network Europe (CAN) Platz 41 von 61 Rängen ein. Das ist eine Verbesserung um vier Stellen im Vergleich zum Vorjahr, aber nur der vorletzte Platz unter den EU-Staaten. Heimische Umweltschutzorganisationen übten deshalb Kritik. Auf dem vordersten Platz liegt Frankreich.

Die ersten drei Plätze wurden wie in den vergangenen Jahren nicht vergeben, weil noch keines der großen Emittentenländer ausreichend Klimaschutz betreibt, teilte Global 2000 in einer Aussendung mit. Das Stockerl des bei der Klimakonferenz in Marrakesch präsentierten "Climate Change Performance Index" (CCPI) blieb damit symbolisch leer. Hinter den viertplatzierten Franzosen folgen Schweden und Großbritannien auf den Rängen fünf und sechs. Das Gastgeberland Marokko verbesserte sich deutlich und belegt nun den 8. Platz.

Der Grund für das "schlechte Abschneiden Österreichs" liegt laut Global 2000 an dem "anhaltend hohen Stand der Treibhausgasemissionen pro Kopf und den viel zu schwach ausgeprägten Reduktionstrends". "Die Klimaschutzpolitik wird seit Jahren vernachlässigt und deswegen gibt es auch schlechte Ergebnisse", sagte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher der Naturschutzorganisation, in Marrakesch. Positiv schnitt Österreich beim Anteil erneuerbarer Energien ab.

EU-Staaten unter Zugzwang

"Der Bericht zeigt den dringenden Handlungsbedarf der österreichischen Politik auf", rügte auch der Umweltdachverband in einer Aussendung. Ein Abbau "umweltschädlicher Subventionen im Zuge einer ökosozialen Steuerreform wäre rasch und wirkungsvoll umzusetzen".

Generell wurden heuer in einigen Ländern positive weltweite Trends hin zu mehr erneuerbarer Energie und Energieeffizienz festgestellt, erläuterte Global 2000. Hervorgehoben wurden Indien, Argentinien und Brasilien, die sich stark verbessern konnten. Die EU-Staaten seien unter Zugzwang. In Schweden, Deutschland, Großbritannien und Dänemark wurden demnach Investitionen in erneuerbare Energien gekürzt. Dänemark, das jahrelang den führenden 4. Platz innehatte, ist deswegen heuer auf den 13. Platz abgerutscht. Die schlechtesten Platzierungen unter den entwickelten Industrienationen weisen Japan (60. Rang), Australien (57.) und Kanada (55.) auf.

Der Klimaschutz-Index CCPI errechnet sich aus zahlreichen Indikatoren. Das Emissionsniveau und der Emissionstrend machen jeweils 30 Prozent der Bewertung aus, der Anteil erneuerbarer Energien, der Stand der Energieeffizienz, internationale und nationale Klimaschutzpolitik je zehn Prozent.

Nächster Klimagipfel in Bonn

Am Mittwochnachmittag wurde bei der UNO-Klimakonferenz in Marrakesch bekannt, dass die nächste Weltklimakonferenz in Deutschland stattfinden wird. Diplomaten und Politiker aus aller Welt werden sich von 6. bis 17. November in Bonn treffen. Das deutsche Bundesumweltministerium bestätigte die Informationen. Die Präsidentschaft dafür geht aber nicht an Deutschland, sondern an den Inselstaat Fidschi.

Auch US-Außenminister John Kerry will in Bonn vorbeischauen: Er hoffe, als "Bürger Kerry" dabei zu sein, sagte er am Mittwoch in Marrakesch. Die derzeitige US-Regierung tritt im Jänner ab. (APA, 16.11.2016)

  • Anhaltende Dürreperioden sind nur ein Symptom des Klimawandels.
    foto: patrick pleul/dpa

    Anhaltende Dürreperioden sind nur ein Symptom des Klimawandels.

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.