IHS-Chef beunruhigt: Firmen investieren trotz Niedrigzinsen wenig

16. November 2016, 14:56
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Viele Unternehmer seien verunsichert und würden sich deshalb zurückhalten, so der Ökonom Martin Kocher

Wien – In Österreich fehle der große Plan der Regierung, damit Firmenchefs wieder optimistischer in die Zukunft blicken. Derzeit rücken sie die Geldbörse nämlich trotz historisch niedriger Kreditzinsen selten heraus, um in neue Maschinen und Projekte zu investieren. Die Investitionsquote, also der Anteil der Investitionen an der Wirtschaftsleistung, habe sich seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr erholt, sagte Martin Kocher, seit September Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), am Dienstag.

Vor der Krise, 2008, sei die Investitionsquote bei 24 bis 25 Prozent der Wirtschaftsleistung gelegen, jetzt bei 22 bis 23 Prozent, so Kocher. Das liege daran, dass viele Unternehmer verunsichert seien. Die Regierung habe hier den Stein der Weisen noch nicht gefunden, es fehle das Narrativ. "Auf das kann sich die große Koalition aber nicht einigen." Die Konsumausgaben der Österreicher seien überraschend hoch, das stütze das Wachstum.

In der Vergangenheit, sagt Kocher, seien die großen Impulse oft von außen gekommen. Die Politik habe sich etwa lange am EU-Beitritt oder später an der Osterweiterung orientiert. Jetzt müsse der Impuls von innen kommen. Der Ökonom schlägt vor, Österreich stärker zu internationalisieren und den Fokus auf Bildung zu legen. Damit die Regierung aus ihrer Pattsituation kommt, könne sie sich die Aufgaben aufteilen. So könnte sich eine Partei um die Schulen kümmern, die andere um die Universitäten. (sat, 16.11.2016)

  • Unternehmen muss die Verunsicherung genommen werden, fordert Martin Kocher.
    foto: andy urban

    Unternehmen muss die Verunsicherung genommen werden, fordert Martin Kocher.

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