Österreichische Astronomen betonen Besonderheit des Sonnensystems

16. November 2016, 12:14
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Manuel Güdel und Helmut Lammer wiesen bei Vortrag darauf hin, wie schon kleine Abweichungen vom irdischen Status quo Planeten lebensfeindlich machen können

Wien – Bis kurz vor der Wende zum 21. Jahrhundert war mehr oder weniger nur das eigene Sonnensystem mit seinen paar Planeten bekannt, heute weiß man von 3.500 Planeten in 600 anderen Sonnensystemen. "Man hat also viel Material, um belebbare Himmelskörper zu suchen", sagte Manuel Güdel vom Institut für Astrophysik der Universität Wien in der vom Wissenschaftsfonds FWF organisierten Vortragsreihe "Am Puls" Dienstagabend in Wien.

Es stelle sich nach Ansicht Güdels aber mehr und mehr heraus, dass sich ein Planet in Sachen seiner Größe, "Lage" und Entwicklungsgeschichte kaum von der Erde unterscheiden dürfte, damit dort Leben existieren kann – zumindest in einer dem irdische Leben ähnlichen Form. Und auch der Stern, um den ein solcher Planet kreist, müsse unserer Sonne sehr ähnlich sein.

Schnell kann es ungünstig werden

Ein bisschen kleiner, und er könnte keine passende Atmosphäre halten, ein bisschen zu groß, und die Sonne würde die dicke Uratmosphäre aus Wasserstoff ein ganzes Planetenleben lang nicht mehr beseitigen, unter der es unerträglich heiß wäre. Ein wenig zu nah an der Sonne, und alles Wasser würde verdampfen so wie bei der Venus, ein wenig zu weit weg, und alles wäre gefroren.

Auch die Konstellation der anderen Planeten sei entscheidend. "Wäre Saturn nur ein klitzekleines Stück näher bei der Sonne (8,7 statt 9,5 Erdradien), dann würde sich die Erde auf einer elliptischen Bahn um die Sonne bewegen", so Güdel. Im Jahreszyklus hätte dann die Erde von komplett vereist bis überall mehr als 100 Grad Celsius einiges durchzumachen.

Einzeller wären flexibler

"Wäre auf der Erde in ihrer Urzeit auch nur ein bisschen mehr Wasser verblieben, gäbe es auch keine Kontinente und somit keine Landlebewesen", ergänzte Helmut Lammer vom Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz.

Für "höheres" Leben, also alles was über Einzeller hinausgeht, brauche es schon sehr spezielle Bedingungen, aber einfache Lebensformen wären etwa auch auf Monden großer Planeten möglich, oder vielleicht einst auf dem Mars. Wenn die Sonne im Vergleich zu anderen Sternen im Universum zu den weniger aktiven gehörte, als der Mars recht jung war, hätte dort laut Forschungsergebnissen für ein paar Millionen durchaus Leben existieren können, so Lammer.

Auch der Jupitermond Europa sei ein heißes Eisen, wenn man nach extraterrestrischem Leben sucht. Unter einer Eisschicht verbirgt sich dort ein riesiger Ozean samt Meeresboden mit möglicherweise Vulkanen und hydrothermalen Quellen, die Energie für Lebewesen bereitstellen könnten.

Die Zukunft

Auf der Suche nach extraterrestrischem Leben erwartet er in Zukunft weitere Missionen zum Mars und auch zu Europa. Wahrscheinlich nicht gleich bemannt, sondern eher in Form von mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Robotern, die im militärischen Bereich schon sehr fortgeschritten seien. Auch werde man bald Marsproben zur Erde holen, um sie nach Spuren von Leben zu untersuchen. Außerdem können spektrale Analysen der Atmosphäre von Exoplaneten Aufschluss geben, ob dort unter Umständen Leben vorkommt. Denn einige chemische Verbindungen werden zumindest auf der Erde nur von Lebewesen produziert. (APA, red, 16. 11. 2016)

  • Die Erde vom Mond aus gesehen: Auch die Existenz eines so ungewöhnlich großen und als Stabilisator wirkenden Trabanten gilt vielen Astronomen als Faktor, ohne den es das Leben auf einem Planeten zumindest schwerer hätte.
    foto: apa/epa/nasa/goddard/arizona state university

    Die Erde vom Mond aus gesehen: Auch die Existenz eines so ungewöhnlich großen und als Stabilisator wirkenden Trabanten gilt vielen Astronomen als Faktor, ohne den es das Leben auf einem Planeten zumindest schwerer hätte.

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