US-Teamchef Klinsmann nach Debakel in San Jose vor dem Rauswurf

16. November 2016, 10:51
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0:4-Schmach in Costa Rica sorgt für Ratlosigkeit im US-Team – "Schlimmste Niederlage in meinen fünf Jahren als US-Coach"

San Jose – Nach dem historischen Debakel suchte Jürgen Klinsmann gar nicht erst nach Ausreden. "Die schlimmste Niederlage in meinen fünf Jahren als US-Coach", gestand der stark in die Kritik geratene US-Teamchef nach der 0:4 (0:1)-Pleite am Dienstag in der WM-Qualifikation in Costa Rica. Auf die Schmach von San Jose könnte das Aus für den 52-Jährigen folgen.

Noch am Freitag nach dem 1:2 gegen Mexiko hatte US-Verbandspräsident Sunil Gulati dem früheren DFB-Teamchef, der von Andreas Herzog als Co-Trainer unterstützt wird, den Rücken gestärkt. Nach der höchsten Niederlage in einem WM-Qualifikationsspiel seit 1957 (0:6 in Mexiko) klang Gulati jedoch deutlich anders. "Wir treffen keine Entscheidungen direkt nach einem Spiel. Wir werden darüber nachdenken, was heute passiert ist und werden mit Jürgen über die Situation sprechen", kündigte der 57-Jährige an.

Am Ende

Der Druck auf Klinsmann wird immer größer. Mit null Punkten und einem Torverhältnis von 1:6 stehen die USA auf dem letzten Tabellenplatz der entscheidenden Quali-Phase, die Teilnahme an der WM 2018 in Russland ist stark gefährdet. Nur die ersten drei qualifizieren sich direkt für die Weltmeisterschaft, der Vierte hat noch die Chance über die Playoffs gegen einen asiatischen Vertreter. Derzeit haben Costa Rica (6 Punkte), Mexiko (4) und Panama (4/alle noch ungeschlagen) die besten Chancen, Honduras (3) liegt auf dem vierten Platz.

Für die US-Medien gibt es bis zum nächsten Qualifikationsspiel im März 2017 gegen Honduras nur eine Lösung: die Entlassung Klinsmanns. "Wenn Klinsmann der falsche Mann ist, und der Beweis dafür ist überwältigend, kann die Tatsache, dass er einen Vertrag bis 2018 besitzt, ihn nicht retten. Wenn Gulati ihn fünf Jahre nach seiner Einstellung entlassen will, dann ist die Zeit jetzt gekommen", urteilte der TV-Sender ESPN.

Dabei hatte Klinsmann nach seinem taktischen Fauxpas gegen Mexiko, als er im ungewohnten 3-5-2-System begann und nach einer halben Stunde alles über den Haufen warf, wieder auf ein 4-4-2 umgestellt. Spätestens nach dem Führungstreffer von Johan Venegas eine Minute vor der Pause nahm das Drama von San Jose aber seinen Lauf.

Nach dem Seitenwechsel wurde die US-Mannschaft um den überforderten Hertha-Abwehrspieler John Brooks vorgeführt. Christian Bolanos (68.) und der eingewechselte Joel Campbell (74., 78.) stellten den auch in dieser Höhe verdienten Sieg sicher.

"Ein sehr bitterer Moment", bekannte Klinsmann. "Jetzt ist der Augenblick gekommen, in dem wir überlegen müssen, was in den letzten zehn Tagen passiert ist. Es wird eine offene Diskussion mit den Spielern geben." (APA, dpa, 16.11.2016)

WM-Qualifikation Nord- und Mittelamerika und Karibik (Concacaf)
(5. und letzte Quali-Phase, 2. Runde)

Honduras – Trinidad und Tobago 3:1 (2:0)
Costa Rica – USA 4:0 (1:0)
Panama – Mexiko 0:0

Tabelle:
1. Costa Rica 6 Punkte (6:0 Tore)
2. Mexiko 4 (2:1)
3. Panama 4 (1:0)
4. Honduras 3 (3:2)
5. Trinidad und Tobago 0 (1:5)
6. USA 0 (1:6)

Modus: Die ersten drei sind fix bei der WM 2018 in Russland, der Vierte spielt im Interkontinental-Playoff gegen einen Asien-Vertreter.

  • Schwierige Zeiten für Andreas Herzog (li) und Jürgen Klinsmann (2.v.li) als US-Trainergespann.
    foto: apa/afp/ezequiel becerra

    Schwierige Zeiten für Andreas Herzog (li) und Jürgen Klinsmann (2.v.li) als US-Trainergespann.

  • Für die Ticos läuft hingegen alles nach Plan.
    foto: ap/moises castillo

    Für die Ticos läuft hingegen alles nach Plan.

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