Fadesse statt Versöhnung: ÖFB-Team 0:0 gegen Slowakei

15. November 2016, 22:52
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Österreich und die Slowakei trennten sich nach einem sehr belanglosen Fußballspiel torlos

Wien – Stell dir vor, es ist Versöhnung, und keiner geht hin. Freundschaftliche Fußballländerspiele haben immer den Hauch der Sinnlosigkeit (speziell im November), jenem Beisammensein am Dienstagabend zwischen Österreich und der Slowakei fehlte sogar der Hauch. Die Gäste hatten die halbe Einsergarnitur überhaupt daheim gelassen, Marek Hamsik, Martin Skrtel und Kollegen hatten ihren Teamchef Jan Kozak darum gebeten, der 62-Jährige erfüllte den Wunsch. "Sie hatte eine hohe Belastung, und es gibt Druck von den Vereinen. Es ist wichtig, dass sie keine Verletzung riskieren."

Immerhin sind die Slowaken vor ein paar Tagen in der WM-Quali brav gewesen, sie haben Litauen 4:0 geschlagen. Kozak wechselte das Personal an neun Positionen aus. Die Österreicher hingegen waren beim 0:1 gegen Irland eher von der Rolle. Teamchef Marcel Koller hat zwar keinen heimgeschickt, aber doch durchgemischt. Acht Neue im Vergleich zum Samstag, nur Aleksandar Dragovic, Marko Arnautovic und Kapitän Julian Baumgartlinger sind übrig geblieben. Es gab auch Fußballhistorisches, erstmals wirkte ein Spieler von Altach mit, Andreas Lukse debütierte im Tor.

Abschied ohne Gala

In der Leere des Happel-Stadions (14.200 Zuschauer, eine Karte kostete fünf Euro) wurde vor Anpfiff Ex-Kapitän Christian Fuchs verabschiedet. Verbandspräsident Leo Windtner hatte sich entschuldigt, Fuchs ist in keine Depression gefallen. Er stellte sich den Medien, sagte, er bereue seinen Rücktritt nach der EM nicht. Die aktuelle Situation wollte er nicht überdramatisieren. "Es war klar, dass Rückschläge kommen. Aber die Mannschaft hat Qualität und Ehrgeiz, ich weiß es, ich war Teil davon." Dass noch kein adäquater linker Außenverteidiger gefunden wurde "freut mich nicht. Man wird das lösen." Fuchs wurde von Sportdirektor Willi Ruttensteiner ein Leiberl überreicht, da kam Freude auf.

Chancenarmut

Das Spiel konnte alle Befürchtungen erfüllen. Koller hatte es als Verpflichtung angesehen, zu gewinnen, die Fans zu versöhnen. Er wollte zwar nicht alles "auf den Kopf stellen", hat aber dann doch experimentiert. Das System ist freilich gleich geblieben. Valentino Lazaro wurde als rechter Außenverteidiger probiert. Es passierte wenig bis nichts, immerhin zeigte Lukse bei einem Schuss von Michael Duris einen großartigen Reflex (18.). Die Österreicher hatten mehr Ballbesitz, gefährlich wurden sie freilich erst knapp vor Pausenpfiff. Martin Harnik, Lukas Hinterseer und Arnautovic vergaben gute Chancen, Jan Novota, im normalen Leben bei Rapid engagiert, parierte. Und Jakub Holubek rettete auf der Linie.

Zur zweiten Halbzeit erschienen David Alaba, Martin Hinteregger und Florian Klein, Harnik, Stefan Ilsanker und Baumgartlinger wichen. Alaba durfte Kapitän sein. Der Unterhaltungswert blieb gering, Langeweile pur, ab der 69. Minute debütierte Stefan Stangl. Der Abpfiff von Schiedsrichter Kevin Blom war eine Befreiung, ein Gnadenakt.

Das Jahr 2016 ist überstanden, die Bilanz war bescheiden: sechs Niederlagen (Türkei, Niederlande, Ungarn, Island, Serbien, Irland), drei Remis (Portugal, Wales, Slowakei) und nur drei Siege (Albanien, Malta, Georgien). Am 24. März 2017 wird der Betrieb wieder aufgenommen, Moldaus Mannschaft gastiert anlässlich der WM-Qualifikation in Wien. (Christian Hackl, 15.11.2016)

Freundschaftliches Länderspiel, Dienstag

Österreich – Slowakei 0:0
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 14.200 Zuschauer, SR Kevin Blom (NED)

Österreich: Lukse – Lazaro, Dragovic, Madl, Suttner (69. Stangl) – Baumgartlinger (46. Hinteregger), Ilsanker (46. Alaba) – Onisiwo (84. Wimmer), Hinterseer (69. Janko), Arnautovic – Harnik (46. Klein)

Slowakei: Novota (46. Dubravka) – Sabo, Salata (46. Skriniar), Hubocan, Holubek (46. Rusnak) – Gregus (46. Kiss), Hrosovsky (46. Lobotka) – Bero, Weiss (85. Nemec), Svento – Duris

Gelbe Karten: keine

Stimmen

Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Natürlich hätten wir gerne gewonnen, das wäre wichtig gewesen. Man muss viel dafür tun. Ich habe vor dem Spiel gesagt, jeder muss drauflegen, um einen Sieg zu erreichen, das war heute nicht so da. Vom Spielerischen her hatten wir in der ersten Hälfte zwei Möglichkeiten, da wollte der Ball nicht rein. In der zweiten Halbzeit haben sie defensiv etwas kompakter gespielt, da haben wir zu wenig Druck entwickelt. Ich wollte auch einmal andere Spieler sehen, und nicht nur eine Viertelstunde lang. Madl hat hinten sehr gut gespielt, und Lukse hat zweimal hervorragend gehalten. Das sind Alternativen zu denen, die heute nicht dabei waren oder verletzt sind. In so einem Spiel kann man das mal ausprobieren. Nach dem letzten Spiel müssen wir uns das eine oder andere anschauen. Wenn man die WM-Qualifikation anschaut, sieht man, dass wir nicht schlechter waren als die anderen. Wir haben aber Tore bekommen und zu wenige erzielt."

Jan Kozak (Slowakei-Teamchef): "Es war offensichtlich, dass es ein Freundschaftsspiel war. Wir hatten die erste Chance im Spiel, aber gegen Ende der ersten Hälfte war Österreich besser. In der zweiten Hälfte hat sich alles zumeist im Mittelfeld abgespielt. Das 0:0 ist ein gutes Ergebnis für uns."

Michael Madl (Abwehr, Teamdebütant): "Meine Leistung war ganz in Ordnung, leider konnten wir das Spiel nicht mit einem Sieg abschließen. Es war eine relativ zusammengewürfelte Mannschaft, aber in der ersten Hälfte hat das ganz gut funktioniert. Der Platz war schwer zu bespielen."

Andreas Lukse (Keeper, Teamdebütant): "Wenn man zu null spielt, kann man zufrieden sein. Zwei wichtige Bälle waren zu halten, da war ich da."

Marko Arnautovic: "Ich bin stolz auf die Jungs, die ihr Debüt gemacht haben, und hoffe, dass sie weiter hart arbeiten. Es ist nicht leicht, in so einer Situation reinzukommen und das Spiel aufzureißen."

  • Österreichs Nationalteam um Kapitän Julian Baumgartlinger gebricht es auch zum Abschluss des Jahres gegen die Slowakei am Durchblick.
    foto: apa/georg hochmuth

    Österreichs Nationalteam um Kapitän Julian Baumgartlinger gebricht es auch zum Abschluss des Jahres gegen die Slowakei am Durchblick.

  • Marko Arnautovic (Mitte) war zum wiederholten Mal einer der besseren ÖFB-Akteure, an diesem verregneten Dienstag im Prater konnte aber auch er nichts Entscheidendes ausrichten.
    foto: apa/georg hochmuth

    Marko Arnautovic (Mitte) war zum wiederholten Mal einer der besseren ÖFB-Akteure, an diesem verregneten Dienstag im Prater konnte aber auch er nichts Entscheidendes ausrichten.

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