Trumps Kabinett: Familienbande, Interessenkonflikte und Jobgerüchte

15. November 2016, 17:54
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Trump lässt Pläne dementieren, er wolle Freigabe von Staatsgeheimnissen für Kinder und Schwiegersohn

Washington – Als ob der designierte US-Präsident nicht ohnehin schon genug mit dem Vorwurf zu tun hätte, dass er zu wenig tue, um Interessenkonflikte zwischen seinem künftigen Amt und seinem Wirtschaftsimperium zu vermeiden: Donald Trump strebt nun angeblich an, für seine Kinder Donald Jr., Eric und Ivanka Trump sowie für seinen Schwiegersohn Jared Kushner eine Freigabe für den Zugang zu hochgeheimen Regierungsdokumenten zu erlangen.

Das berichteten die US-Sender CBS und CNN am Dienstag unter Berufung auf eine Quelle im sogenannten Übergangsteam, das Trumps Präsidentschaft ab dem 20. Jänner 2017 vorbereiten soll.

Ein Sprecher Trumps dementierte nach gehörigem medialen Aufruhr freilich sofort: Weder strebe der designierte Präsident so etwas an, noch hätten die fraglichen Personen bisher eine solche Freigabe beantragt.

Massive Vorwürfe in Bezug auf mögliche Interessenskonflikte gab es auch, weil Trumps erwachsene Nachkommen in den nächsten Jahren Trumps Wirtschaftsimperium managen sollen.

Poker um Topjobs

Unterdessen drehte sich das Personalkarussell weiter: Nachdem New Yorks Exbürgermeister Rudy Giuliani am Montagabend offiziell erklärt hatte, nicht Justizminister werden zu wollen, galt er am Dienstag plötzlich als chancenreich für den Außenminister – ein Job, der unter einem Präsidenten Donald Trump besonders turbulent zu werden verspricht.

Doch auch als Minister für Heimatschutz (Homeland Security) blieb Giuliani vorerst im Gespräch – ebenso wie der Senator von Alabama, Jeff Sessions. Laut New York Times streben aber beide diesen Posten nicht an. Sessions, der als Hardlinier in Sachen Einwanderungspolitik gilt, ist laut Insider-Magazin Politico Trumps erste Wahl für den Verteidigungsminister, obwohl er in diesem Bereich bisher keinerlei Expertise vorweisen kann.

Um den Job des Außenministers bemüht sich dem Vernehmen nach auch John Bolton, wollen das Politmagazin Slate und die New York Times übereinstimmend in Erfahrung gebracht haben. Der Diplomat, der unter George W. Bush (2000–2008) amerikanischer Uno-Botschafter war, gilt als Falke und vehementer Gegner des internationalen Atomdeals mit dem Iran. Zu diesem Vertrag hatten sich am Montag die EU-Außenminister nochmals bekannt. Sie alle teilen die Sorge, dass ihr neuer US-Amtskollege, egal wie er heißen wird, das mühsam ein Jahrzehnt lang verhandelte Abkommen torpedieren wird.

"Bisher unbefriedigend"

Mit Bolton würde sich Präsident Trump allerdings jemanden ins Kabinett holen, mit dem er in Sachen Russland wohl schnell auf Konfrontationskurs käme. Der Hardliner sprach sich etwa erst kürzlich für eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine aus. Eine solche Regierungslinie wäre eine gefährliche Provokation an die Adresse Moskaus. Dort hatte man sich erst Montagabend nach einem ersten direkten Telefonat Trumps mit Präsident Wladimir Putin zuversichtlich gezeigt, die "bisher absolut unbefriedigenden Beziehungen", so der Kreml, nun verbessern zu können.

Nichts aus einem Topjob im Weißen Haus dürfte es für Trumps erfolgreiche Wahlkampagnenmanagerin Kellyanne Conway werden. Sie ziehe es vor, ihre vier Kinder großzuziehen und sich weiter ihrer Firma, einem Umfrageinstitut, zu widmen, hieß es. (red, 15.11.2016)

  • Möglich für Jeff Sessions: Verteidigung oder Heimatschutz.
    foto: reuters / carlo allegri

    Möglich für Jeff Sessions: Verteidigung oder Heimatschutz.

  • Würde als Außenminister für Unruhe sorgen: John Bolton.
    foto: apa / afp / saul loeb

    Würde als Außenminister für Unruhe sorgen: John Bolton.

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