Wie Österreich trinkt, kifft, schluckt, schnupft

Infografik18. November 2016, 13:24
841 Postings

Die Auswertung einer weltweiten Umfrage gibt Einblick in das heimische Drogennutzungsverhalten

Welche legalen und illegalen Drogen trinken, schnupfen, schlucken oder rauchen Konsumenten weltweit? Dieser Frage sind britische Forscher nachgegangen und haben Antworten von etwa 100.000 Personen erhalten – davon 2.055 aus Österreich. Die nicht für die Gesamtbevölkerung repräsentative Umfrage haben die Wissenschafter exklusiv für den STANDARD ausgewertet. Das Ergebnis: Viele Studienteilnehmer sind ganz schön drauf.

Drei von vier der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten illegale Drogen konsumiert – neun von zehn zumindest einmal in ihrem Leben. Am detailliertesten haben sie über ihre Erfahrungen mit Alkohol, Cannabis, MDMA und Kokain berichtet. Die Ergebnisse sind in vier Teilen kurz zusammengefasst. Wollen Sie an der Neuauflage der Studie teilnehmen? Hier kommen Sie zur anonymen Umfrage.

Alkohol

foto: dapd / sebastian widmann
Bier macht viele müde und entspannt.

Nicht alle alkoholischen Getränke schlagen gleich an. Bei Hochprozentigem fühlen sich viele zunächst energiegeladener und selbstbewusster als bei Bier und Wein. Als "unruhig" und "macht aggressiv" beschreiben zahlreiche Personen ihren Rausch mit Schnaps, Whisky, Wodka und Co. Die schlimmsten Kopfschmerzen am nächsten Tag bringen sie auch. So haben die Befragten aus Österreich ihre Gefühlslage beim Trinken im Vergleich zu den internationalen Teilnehmern eingeschätzt:

Markant ist, dass Bier die Teilnehmer aus Österreich müder macht als Biertrinker aus anderen Ländern. Außerdem fühlen sich die Befragten aus Österreich mit Weißwein energiegeladener als der globale Durchschnitt.

Der Inhaltsstoff, der zum Rausch führt, ist immer Weingeist. Die beschriebenen Emotionen lassen sich nur durch Nebenstoffe des jeweiligen Getränks erklären, schreibt Suchtforscher Adam Winstock in der Studie. Als Beispiel nennt der Leiter der Forschungsarbeit Acetaldehyde. Viele Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Kater am nächsten Tag umso schlimmer ist, je dunkler das Getränk ist. Zudem könnten jene Getränke, die mit Hochprozentigem gemischt werden, dazu führen, dass sich Konsumenten "energiegeladen" fühlen, etwa bei Cola oder Energydrinks. Deshalb rät Suchtforscher Winstock dazu, auf Wodka, Whisky und Gin generell zu verzichten. Man erwische auch schnell zu viel davon.

Alkohol genießt einen besseren Ruf als er verdient. Der britische Forscher David Nutt hat eine Einstufung von Rauschmitteln erstellt, die das Potenzial persönlicher und gesellschaftlicher Schädlichkeiten berücksichtigt. Alkohol steht da noch vor Heroin und Crack an der Spitze.

Cannabis

foto: reuters / kooren

Als Joint mit Tabak, zur Erholung, kaum Probleme beim Kauf: So haben die Befragten aus Österreich ihre Erfahrungen mit Cannabis beschrieben. 77 Prozent der Teilnehmer rauchen ihre Joints ausschließlich zur Erholung und zum Vergnügen. Für 20 Prozent spielen auch medizinische Gründe eine Rolle. Drei Prozent konsumieren ihren Angaben zufolge nur oder überwiegend zu medizinischen Zwecken.

Kauf weitgehend ohne Übergriffe möglich

95 Prozent der Befragten, die im vergangenen Jahr Cannabis gekauft haben, hatten beim Kauf keine Auseinandersetzungen mit den Dealern. Bei drei Prozent der Fälle kam es einmal zu gewalttätigen Übergriffen, bei zwei Prozent mehrmals. Der Drogenkonsum selbst hat einen von hundert Cannabiskonsumenten ins Krankenhaus gebracht. Sie haben medizinische Hilfe aufgesucht, weil sie unter Angstzuständen, Paranoia oder Atemnot litten. Synthetische Cannabinoide, wie die Modedroge Spice, hingegen zählen zu den gefährlichsten Drogen mit dem höchsten Suchtpotenzial und den meisten medizinischen Notfällen – mehr dazu hier.

Kosten pro Gramm in Österreich unterdurchschnittlich

Die Kosten pro Gramm Cannabis mit hohem THC-Gehalt liegen in Österreich gemäß der Studie bei 9,27 Euro. Das ist um mehr als drei Euro günstiger als der globale Durchschnitt. Am teuersten ist die abgefragte Sorte – "Skunk", eine Kreuzung aus Cannabis sativa und Cannabis indica – in Norwegen.

In Österreich hat etwa jeder vierte zumindest ein Mal im Leben Cannabis konsumiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine ältere Erhebung des Bundesministeriums für Gesundheit aus dem Jahr 2014.

Etwa jeder dritte Konsument hat in der internationalen Studie (Global Drug Survey) angegeben, dass er gern weniger Marihuana rauchen würde. Wie das geschehen kann und wie gefährlich der Marihuana-Konsum ist, haben die Forscher in dieser Anwendung aufbereitet.

Kokain

foto: apa

Zum vierten Mal in Folge geht Kokain aus dem Vergleich aller Drogenarten als die teuerste Substanz mit dem am schlechtesten bewerteten Rauscherlebnis hervor. An einem Abend schnupfen jene, die in der Umfrage ihren Kokain-Konsum geschildert haben, durchschnittlich ein halbes Gramm. Das entspricht fünf bis sieben Lines. Es ist eine Droge, die eher nicht im Alltag der Nutzer verankert ist. Global gesehen schnupfen vier von fünf der Befragten weniger als zehn Mal pro Jahr Kokain. Wer mehr als eine Line pro Woche zieht, zählt zum süchtigsten Zehntel aller Nutzer.

Kokain: Droge für alle, die Geld haben

Teuer ist die Abhängigkeit auch: 80 Euro kostet "normales" Kokain pro Gramm im globalen Durchschnitt, "Luxus"-Kokain mit höherem Reinheitsgrad kommt auf etwa 100 Euro. In diesem Bereich liegt auch der Preis pro Gramm, den die Befragten für Österreich genannt haben. Hierzulande muss man deutlich seltener mit gewalttätigen Übergriffen beim Kokainkauf rechnen als anderorts, etwa in Brasilien.

Neben dem hohen Preis und schlechter Qualität birgt Kokain auch drastische gesundheitliche Gefahren. Wer es als Crack raucht oder gar spritzt, zerstört Nervenzellen im Gehirn, riskiert Organschäden und nimmt hohes Suchtpotenzial in Kauf. Eine Analyse des Suchtforschers David Nutt ordnet Crack sogar als "die Droge mit dem größten Schaden für Einzelpersonen" ein – in Bezug auf Sterblichkeit, Krankheiten, Suchtgefahr, mentale Instabilität und Auswirkungen auf Freundschaften und Beziehungen.

Kokain über die Nase zu ziehen macht es nicht besser. Rat für sicheren Konsum haben die Suchtforscher um Adam Winstock nicht, außer es nicht auch noch mit anderen Drogen zu mischen. Besser wäre, gleich die Finger davon zu lassen.

MDMA & Ecstasy

foto: apa

Ecstasy, Molly, Mandy, E – seit einem Jahrzehnt befragt das Team des Global Drug Survey zu persönlichen Erlebnissen mit Methamphetaminen. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist die Droge im Nachtleben verankert. Wie viele Gramm pro Rausch geschnupft beziehungsweise Pillen geschluckt werden, unterscheidet sich bei den Befragten der Studie von Nation zu Nation, wie auch der Preis:

Neu ist, dass Methamphetamine mit anderen Drogen gemischt werden. Das führt einerseits dazu, dass die eigentliche, gewünschte Wirkung der Droge verwischt wird. Andererseits können auch weitere Nebenwirkungen auftreten, etwa Überhitzung. Erst am Donnerstag hat Check it, eine Wiener Informations- und Beratungsstelle für Drogen, eine Warnung für hochdosierte Ecstasy-Pillen ausgegeben, die in Wien im Umlauf sind. "Zu viel zu nehmen war noch nie so einfach", folgert Winstock auch aus den Ergebnissen der weltweiten Drogenstudie. Wer sichergehen möchte, könnte seine Pillen im Labor der Einrichtung kostenlos prüfen lassen.

Nehmen Sie Drogen? Wenn ja, welche?

Um einen aufgeklärten Umgang mit Drogen zu fördern, sind die Wissenschafter des Global Drug Survey auf Umfrageteilnehmer angewiesen. So können mehr Eindrücke über das Konsumverhalten gewonnen werden und Schlüsse abgeleitet werden. Die anonyme Umfrage hilft dabei zu beurteilen, wie sich der Markt verändert – und dabei, beim nächsten Mal auf Gefahren hinzuweisen. Hier könnten Sie daran teilnehmen. (gart, 18.11.2016)

Über den Global Drug Survey
Die Wissenschafter erfragen seit 2012 die Gewohnheiten von Drogenkonsumenten weltweit. 2012 hat das unabhängige Institut 15.500 Personen befragt, 2016 haben 100.000 Menschen aus 50 Ländern den Fragebogen ausgefüllt. Ziel des Instituts ist, Risiken und Nebenwirkungen des Drogenkonsums zu minimieren, indem Daten gesammelt werden, auf welche Art und Weise Drogen konsumiert werden.

Über die Methodik der Befragung
Die Befragten werden nicht zufällig ausgewählt, sondern füllen freiwillig einen Onlinefragebogen über ihr Drogenkonsumverhalten aus. Die Umfrage ist anonym und nicht repräsentativ für die jeweilige Bevölkerung des Landes. Die Aussagen lassen sich nicht verallgemeinern. Sie bieten dennoch einen Einblick, wie Drogen konsumiert werden.

Über die Datenbasis für Österreich
Zwei Drittel der Antworten kamen von Männern, jeder Zweite war jünger als 24 Jahre. Die meisten Antworten kamen von Personen aus städtischem oder urbanem Gebiet. 59 Prozent der Antworten haben erwerbstätige Personen abgegeben, der Rest entfällt auf arbeitslose Menschen. Der Anteil der Studenten im Sample ist hoch: 60 Prozent haben angegeben, dass sie entweder Voll- oder Teilzeit studieren. Im Vergleich zu den anderen Teilnehmern der Studie gehen die Befragten aus Österreich öfter in Nachtclubs. 77 Prozent haben angegeben, dass sie mindestens einmal in den vergangenen drei Monaten ausgegangen sind. Global liegt der Wert bei 62 Prozent.

Warum ist die Befragung online und anonym?
Das hat den Vorteil, dass die präsentierten Daten aktueller sind und Antworten wegen sozialer Erwünschtheit ausgeschlossen werden. Die Umfrage erreicht online mehr Menschen, als mit herkömmlichen Haushaltsbefragungen finanzierbar wäre.

Welche Nachteile hat eine anonyme Befragung?
Personen, die keinen Zugang zum Internet haben, können nicht teilnehmen. Möglich ist auch, dass Teilnehmer Antworten abgeben, von denen sie glauben, dass der Studienleiter sie gern lesen würde. Erinnerungslücken ob des Drogenrausches können die Studienergebnisse verzerren. Das Ausfüllen nimmt viel Zeit in Anspruch, weshalb davon auszugehen ist, dass vor allem Menschen teilnehmen, die sich stark mit ihrem Drogenkonsum auseinandersetzen.

Wie viele Personen nehmen pro Land teil?
Die Anzahl der Antworten pro Land variiert stark. So sind etwa für Deutschland 30.000 Fragebögen ausgefüllt worden, für die USA aber nur etwa 5.000. Der Befragungszeitraum betrug sechs Wochen.

Share if you care.