Thermomix: Hype um Küchenroboter lässt Verkäufe explodieren

16. November 2016, 14:00
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Das Luxusküchengerät Thermomix ist in Österreich ein Renner. Den Hype erklärt sich der Hersteller durch das steigende Ernährungsbewusstsein

Wien – Kochen boomt seit geraumer Zeit, und Hersteller von Küchengeräten schwimmen auf der Welle mit. Davon kann auch Vorwerk ein Lied singen. Thermomix ist der Verkaufsschlager des deutschen Unternehmens – ein Allzweck-Kochgerät, das Hobby- wie auch Haubenköchen die Arbeit erleichtern soll. Die Thermomix-Verkaufserlöse haben sich in Österreich von 2014 auf 2015 auf elf Millionen Euro verdoppelt.

In Österreich war Vorwerk mit einer Vertriebsniederlassung in Vorarlberg vor allem durch ihre Kobold-Staubsauger bekannt. Auf sie entfallen noch immer 70 Prozent des Gesamtumsatzes. "In ein oder zwei Jahren wird Thermomix aber wahrscheinlich die Hälfte des Umsatzes ausmachen", sagt Armin Schwerdtner, Geschäftsführer von Thermomix Österreich. Besonders in Vorstadtgebieten und am Land werde das Küchengerät oft gekauft.

Junges Publikum anlocken

Wieso das Gerät gerade jetzt so boomt? Immer mehr Menschen wollten wieder selbst kochen, sagt Schwerdtner. Gerade die jüngere Generation würde sich von Fastfood und Fertigpizza verabschieden. Durch Kooperationen mit Food-Blogs und einer ausgeklügelten Social-Media-Strategie wolle man junges Publikum anlocken. "Wir möchten durch digitale Möglichkeiten Schritt für Schritt mehr Kundenpotenzial ausschöpfen", sagt Schwerdtner.

Das Haushaltpotenzial in Österreich sei mit den bisher verkauften rund 65.000 Geräten "gerade erst angekratzt". Heuer rechnet Vorwerk mit einem Umsatzplus von 60 Prozent. Dabei spielt der Vorweihnachtsverkauf eine wichtige Rolle, er ist für 55 Prozent des Gesamtjahresumsatzes verantwortlich. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht: Thermomix teilt sich den Markt mit Kenwood, KitchenAid sowie Küchengeräten aus Diskontmärkten.

Direktverkauf zentral

Mittlerweile gibt es zwar drei Vorwerk-Verkaufsstellen in Österreich, dennoch ist der Direktverkauf für neunzig Prozent des Umsatzes verantwortlich. Sechs Thermomix-Geräte muss einer der rund 800 Repräsentanten der Firma Vorwerk verkaufen, um sich ein eigenes Gerät zu verdienen. Die Repräsentanten veranstalten landesweit "Erlebniskochen" – private Kochveranstaltungen, die an Tupperware-Partys erinnern.

Rund 15.000 solcher Partys finden in Österreich pro Jahr statt. Unternehmensangaben zufolge wird pro Veranstaltung im Schnitt ein Gerät verkauft – um satte 1.200 Euro. Schwerdtner argumentiert, dass die Qualität der in Frankreich und Deutschland produzierten Teile und der Kundenservice den Preis rechtfertigten.

Die Repräsentanten sind alle selbstständig, sie erhalten 140 Euro Provision pro verkauftes Gerät. Sie sind auch für die Kundenakquise verantwortlich, Verkaufsgarantie gibt es keine, aber auch keine Verkaufsverpflichtung vonseiten des Unternehmens.

Provision

Für den Verkauf der ersten sechs Geräte erhalten die Vorführer eine abgespeckte Provision. Diese diene hauptsächlich dazu, den eigenen Thermomix abzubezahlen. Sollte einem Verkäufer innerhalb der ersten hundert Tage nicht gelingen, sechs Geräte zu verkaufen, muss er dem Unternehmen die Differenz rückerstatten. Personen, die bereits einen Thermomix besitzen, können an dem Hundert-Tage-Programm nicht teilnehmen.

"Unsere Repräsentanten bekommen keinen Druck von uns. Viele machen den Job nebenbei, weil er ihnen Spaß macht", sagt Schwerdtner. Durchforstet man das Internet nach den Vertretern, landet man hauptsächlich auf Webseiten von Frauen: Neun von zehn Vertretern sind weiblich.

Nur wenige Frauen scheinen hauptberuflich für Thermomix tätig zu sein, viele arbeiten in einem Büro, als Köchin oder Lebensberaterin. Zahlreiche Verkäuferinnen vertreiben auch noch Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika. (Nora Laufer, 16.11.2016)

  • Das Multi-Kochgerät Thermomix ist der Verkaufsschlager des deutschen Unternehmens Vorwerk. Neunzig Prozent der Geräte werden mittels Kochveranstaltungen bei Kunden zu Hause verkauft.
    foto: apa / tobias schwarz

    Das Multi-Kochgerät Thermomix ist der Verkaufsschlager des deutschen Unternehmens Vorwerk. Neunzig Prozent der Geräte werden mittels Kochveranstaltungen bei Kunden zu Hause verkauft.

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