Prügelvideo: Law and Order, aber richtig

Kommentar15. November 2016, 17:14
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In der Jugendarbeit darf der Staat niemals aufgeben

Ein Mädchen wird von mehreren Jugendlichen brutal zusammengeschlagen, bedroht, aufgefordert, so "Blut zu spucken", dass man es auch gut sehen kann – auf dem Handyvideo, das bis Redaktionsschluss 4,5 Millionen Mal angeklickt und 40.000 Mal geteilt wurde. Schnell, praktisch, auf Facebook. Die ultimative Bestrafungsaktion für eine Halbwüchsige, ausgeheckt und ausgeführt von anderen Halbwüchsigen. Der Bundeskanzler hat dies zu Recht als Verrohung der Gesellschaft angeprangert. Er sollte allerdings einen großen Schritt weiter gehen. Unser aller liebstes soziales Medium trägt ganz unsozial zu dieser Verrohung bei.

Die Strafverfolgungsbehörden haben gehandelt: Die beteiligten Personen sind ausgeforscht, die Haupttäterin wird zur Verantwortung gezogen, in weiteren Verdachtsfällen wird ermittelt. Nur Facebook entkommt der Löschungsaufforderung mit dem fadenscheinigen Argument, dieses verstörende Video sei in verurteilender Absicht geteilt worden. Das kann Aufwiegler, Verhetzer und verirrte Jugendliche, die ihren geringen Selbstwert durch öffentlichkeitswirksame Gewalttaten aufmöbeln müssen, nur inspirieren. Dagegen braucht es Law and Order, da ist die Politik gefragt.

Bei den Jugendlichen selbst diese Keule zu schwingen wird nicht ausreichen. In der Jugendarbeit darf der Staat, dürfen alle damit betrauten Einrichtungen niemals aufgeben. Das ist mühsam, das kostet Geld. Aber es ist die einzige Chance für die Zukunft. (Petra Stuiber, 15.11.2016)

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