Thiem bezwingt Monfils bei ATP-Finals

15. November 2016, 16:59
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Der Niederösterreicher setzt sich gegen den Franzosen nach eineinhalb Stunden in drei Sätzen durch, wahrt die Chance auf das Halbfinale und überholt Nadal in der Weltrangliste

London – Manchmal ist es schade, dass Tennisspiele aus mehr als nur einem Satz bestehen. Das dürften sich viele in Österreichs Tennishallen denken, das dürfte sich auch Dominic Thiem denken. Österreichs Nummer eins ist sonst nicht für seine Startqualitäten bekannt, er braucht oft lang, um in ein Spiel zu finden.

Bei den ATP Finals in London ist das nicht so. Wie schon im ersten Spiel gegen den Favoriten Novak Djokovic startete Thiem auch gegen seinen zweiten Gegner, den Franzosen Gael Monfils, konzentriert. Monfils, Nummer sechs der Weltrangliste, machte es dem Österreicher aber nur bedingt schwer, vergaß seinen ersten Aufschlag im Hotel. Das logische Break nutzte der 23-jährige Niederösterreicher zum 6:3-Satzgewinn.

Da Tennisspiele aber nicht aus nur einem Satz bestehen, musste Thiem weiterspielen. Monfils durfte. Auch der zweite Satz erinnerte an das Spiel am Sonntag gegen Djokovic. Thiem übte sich in Selbstaufgabe. Gegner Monfils hatte mehr Probleme mit seinen Schuhbändern als mit seinem Gegenüber. Trotz kurzen Aufbäumens bei Thiem holte sich der Franzose den zweiten Abschnitt locker mit 6:1.

Premierensieg bei den ATP-Finals

Wenn im Tennis nach zwei Sätzen Gleichstand herrscht, muss ein Entscheidungssatz her. Im dritten Abschnitt rappelte sich die Nummer neun der Welt auf, begegnete dem Franzosen wieder auf Augenhöhe – bei 1,93 Meter Körpergröße eine ziemliche Aufgabe. Der zweite Satz war vergessen, beide lieferten sich ein gutes Match. Im Gleichschritt ging es Richtung Tie-Break, als sich plötzlich eine Möglichkeit, eine Möglichkeit für Thiem auftat, nutzte er sie und verwandelte den ersten Matchball zum 6:4. Thiem feiert nach einer Stunde und 29 Minuten seinen Premierensieg bei den ATP-Finals und überholte damit den Spanier Rafael Nadal in der Rangliste. Er ist die Nummer acht. Das Publikum honorierte dies, die Arena war früh gut gefüllt.

Thiem zeigte sich nach dem Match zufrieden. Eh klar: "Ich habe versucht die Fehler aus dem ersten Spiel heute zu vermeiden. Ich bin sehr glücklich." Der Leistungsabfall im zweiten Satz blieb auch Coach Günter Bresnik ein Rätsel: "Es war nicht so schlecht wie gegen Djokovic, aber Dominic weiß selbst nicht wie das passieren konnte. Absichtlich macht er das nicht." Die lange, intensive Saison sei dabei keine Ausrede: "Es ist nicht so wie im Fußball, ein richtiges Saisonende gibt es bei uns nicht. Man muss sich darauf einstellen. Hätte ich weniger gespielt, wäre ich sicher nicht hier", sagte Thiem.

Auch Bresnik lässt das nicht gelten, Tennis besteht "eben nicht nur aus den Grand Slams und Indian Wells und Paris. Die kleinen Turniere werden zu Unrecht verkannt." In London geht es für Thiem am Donnerstag mit dem "Endspiel" um Platz zwei gegen den Kanadier Raonic weiter. Die Aufschlagkanone unterlag am späten Dienstagabend Djokovic 6:7, 6:7.

Wie stehen die Chancen? "Schlecht," sagt Bresnik. Raonic ließ Monfils in seiner ersten Partie nur wenig Chance, er befindet sich in Topform. Thiem weiß das: "Er gehört zu den besten drei Aufschlägern auf der Tour. Es wird sehr schwierig."

Cilic in Badeshorts

Am Vorabend war es in der Halle lauter, der Auftritt des Schotten Andy Murray, sprich "Ändi", sorgte für einen ordentlichen Wirbel. Murray, bekannt als ein ziemlicher Grantler, dürfte zurzeit eigentlich ganz glücklich sein. Der Schotte dominiert seit Wochen das Tennisgeschehen und ging in London als Weltranglisten-Erster an den Start. Für den 29-Jährigen und England zählt nur der Turniersieg, komme, wer wolle. Gekommen ist im ersten Match der Kroate Marin Cilic.

Vielleicht war es die Erwartungshaltung, vielleicht der Druck, aber das Spektakulärste im ersten Satz waren die Badeshorts von Cilic. Beide zeigten sich fehlerhaft, Murrays Motor stotterte. Der Schotte schimpfte, das Publikum wusste zu verzeihen. "Das Spiel und der Belag sind langsam, die Umstellung fällt nicht leicht", sagte Murray später. Der Rückhalt der Fans "hilft aber natürlich".

Murray wurschtelte sich im ersten Satz zum Erfolg, im zweiten Durchgang lief es besser. Zwar zeigte auch Cilic, dass er nicht umsonst seinen Startplatz in London hat, Murray wusste aber auf fast alles eine Antwort. Am Ende setzte er sich mit 6:3, 6:2 durch und feierte einen gelungenen Einstand im Turnier. Grantig war da niemand mehr. (Andreas Hagenauer aus London, 15.11.2016)

  • Einen Sieg beim ATP-Saisonfinale hat Dominic Thiem bereits in der Tasche, was nun folgt, ist Zugabe.
    foto: reuters / stefan wermuth livepic

    Einen Sieg beim ATP-Saisonfinale hat Dominic Thiem bereits in der Tasche, was nun folgt, ist Zugabe.

  • Eine freundschaftliche Verabschiedung.
    foto: reuters/o'brien

    Eine freundschaftliche Verabschiedung.

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