Trump und Putin haben guten Draht zueinander

15. November 2016, 16:34
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Kremlsprecher: Gespräch "sehr konstruktiv" – Hoffen auf "pragmatische Kooperation für beiderseitigen Nutzen"

Moskau – Das erste Telefonat zwischen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und seinem künftigen US-Amtskollegen Donald Trump ist offenbar in einer guten Atmosphäre verlaufen. Nach Angaben von Kremlsprecher Dmitri Peskow sei das Gespräch "sehr konstruktiv" gewesen. "Im Großen und Ganzen entsprach der Ton vielfach dem Ton der Erklärungen, die während der Wahlkampagne zu den russisch-amerikanischen Beziehungen gemacht wurden", sagte er. Beide Politiker seien sich einig gewesen, dass das Verhältnis dringend verbessert werden müsse.

Russland und die USA müssten zu einer "pragmatischen Kooperation zu beiderseitigem Nutzen zurückkehren", hieß es aus dem Kreml weiter. Voraussetzung sei gegenseitiger Respekt und die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten. Peskow dementierte allerdings, dass Trump und Putin während des Telefonats die Anerkennung der Krim als russisches Gebiet oder die Lösung des Konflikts im ostukrainischen Donbass erörtert hätten. Aktuelle politische Fragen bespreche Putin mit dem amtierenden Präsidenten, und das sei bis zum 20. Jänner Barack Obama, betonte Peskow. Auch ein persönliches Treffen vor Trumps Inauguration schloss er aus.

Chancen "ziemlich negativ"

Obwohl der Kreml während des US-Wahlkampfs stets betont hatte, sich nicht in die Abstimmung einzumischen, war die Sympathie der – vielfach staatlichen – russischen Medien eindeutig auf Trumps Seite. Inzwischen ist aber teilweise Ernüchterung in der Moskauer Presse eingekehrt. Vermehrt wird auf die Unberechenbarkeit Trumps hingewiesen und darauf, dass er viele seiner Wahlversprechen nicht durchsetzen können wird.

So schätzt Moskaus Außenministerium die Chancen einer Kooperation laut einem hochrangigen Diplomaten als "ziemlich negativ" ein. Trump sei an die Vorgaben des US-Establishments in der Frage gebunden. Moskau dürfte in dem Zusammenhang die Äußerung von Trumps Verteidigungsminister in spe Michael Flynn genau registriert haben, der sagte, die USA hätten schon 2013 in Syrien einmarschieren sollen. Russland, das gerade selbst wieder eine massive Offensive – unterstützt vom Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" – gegen die Rebellen in Aleppo gestartet hat, reagiert auf solche Gedankenspiele in Washington allergisch. Auch die Aussage eines weiteren Trump-Beraters Rudy Giuliani, Putin habe Obama nicht ernst genommen, weil dieser nicht mal mit Waffen drohen wollte, dürfte in Moskau schlecht ankommen.

"Ich glaube nicht, dass sich die Russen sich über Trumps Sieg freuen, denn sie mögen keine Unberechenbarkeit", meint schließlich Samuel Charap vom International Institute for Strategic Studies. Die Chancen auf eine umfassende Einigung zwischen Putin und Trump schätzt er auf weniger als 50 Prozent ein. (André Ballin, 15.11.2016)

  • Wladimir Putin und Donald Trump auf einem Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

    Wladimir Putin und Donald Trump auf einem Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

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