Drei Neffen missbraucht: Zwölf Jahre Haft für Pensionisten

15. November 2016, 16:36
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Teilgeständnis nach Pause – Richterspruch nicht rechtskräftig

Wien – Ein Pensionist ist am Dienstagnachmittag von einem Wiener Schöffengericht wegen des hundertfachen Missbrauchs seiner minderjährigen Neffen – nicht rechtskräftig – zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Die Übergriffe auf die Opfer, die mittlerweile erwachsen sind, sollen in den 1980er- und 1990er-Jahren bei Übernachtungen im Haus des Onkels bzw. im Zuge von Urlauben geschehen sein.

Der Mann hatte sich zu Prozessbeginn nicht schuldig bekannt, aber nach der Mittagspause ein Teilgeständnis abgelegt und zugegeben, bei allen drei Buben Hand- und Oralverkehr durchgeführt zu haben. Aufgrund dessen hat der 75-Jährige die von Opferanwältin Barbara Steiner geforderten Privatbeteiligtenansprüche von insgesamt 214.000 Euro anerkannt. Der Schuldspruch erfolgte im Sinne der Anklage wegen versuchter Vergewaltigung, Unzucht mit Unmündigen, schweren sexuellen Missbrauch von Unmündigen sowie die Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses.

"Warum sollte er lügen?"

Dem Wiener wurde von Staatsanwältin Gabriele Müller-Dachler vorgeworfen, seinen Neffen und zwei seiner Großneffen über längere Zeiträume missbraucht zu haben. Aufgeflogen war die Causa, als der älteste Neffe 2003 Anzeige gegen seinen Onkel einbrachte. "Ja, aber davor wollte er noch 50.000 bis 70.000 Euro dafür haben, dass er mich nicht anzeigt", sagte der Beschuldigte zu Schöffensenatsvorsitzenden Nina Steindl. "Warum sollte er die Geschichte erfinden", fragte die Richterin. "Wegen dem Geld und wegen seiner Mutter, die ist leider bösartig." Mit seiner Schwester sei er seit über 30 Jahren übers Kreuz.

Die Opfer erzählten, von dem wohlhabenden Pensionisten Geld für sexuelle Handlungen bekommen zu haben. Der 75-Jährige wiederum gab an, dass er seit Jahren die Familie finanziell unterstütze. So habe er der Schwester Geld gezahlt, damit sie die Pflege der Mutter übernehme. Die Mutter des Großneffen habe er aus einem Obdachlosenheim geholt, wo die Frau mit ihren drei Kindern lebte, und ihr eine Wohnung eingerichtet.

Immer wieder hätten seine Verwandten um Geld gebeten, er habe die verlangten Summen den Kindern mitgegeben. Die Gutachten von Gerichtspsychiater Karl Dantendorfer sowie der Psychologin Tanja Guserl bescheinigten den Opfern jedoch schwere Folgen durch den Missbrauch des Onkels. (APA, 15.11.2016)

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