Kakadus verwenden verschiedene Materialien zum Werkzeugbau

Video18. November 2016, 17:02
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Wiener Verthaltensforscher unterzogen ihre gefiederten Schützlinge wieder einmal einem Intelligenztest

Wien – Egal ob aus Karton, einem belaubten Ästchen oder Holzbrett – um an eine köstliche Cashewnuss heranzukommen, stellen Kakadus flugs aus unterschiedlichen Materialien auf unterschiedliche Arten brauchbare Hilfsmittel her, fanden Wiener Verhaltensforscher heraus. Diese Vögel zeigen in Versuchen also flexiblen und spontanen Werkzeuggebrauch, erklären die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters".

In der Natur benutzen Goffinkakadus (Cacatua goffiniana) gar keine Werkzeuge, sagt Studienleiterin Alice Auersperg vom Messerli-Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Das macht diese indonesische Papageienart zu idealen Studienobjekten, denn der Griff zu einem Werkzeug ist somit sicher kein angeborenes Verhalten, sondern eindeutig eine individuelle Erfindung des jeweiligen Vogels.

Figaro & Co

Auersperg und ihre Kollegen haben schon zuvor beobachtet, wie einer ihrer Kakadus namens Figaro spontan aus einem Lärchenholzbrettchen einen Splitter herausgebrochen hat, um Futter, das außerhalb des Käfigs ausgestreut war, in seine Reichweite zu schieben. Nun testeten sie die handwerklichen und intellektuellen Fähigkeiten von Figaro und drei anderen Kakadus bezüglich Werkzeugen etwas genauer.

Sie legten Cashew-Stückchen auf einen Sockel in einer transparenten Box. Diese Box hatte ein Loch mit knapp eineinhalb Zentimetern Durchmesser, durch das die Vögel die Nuss etwa mit einem Stäbchen von dem Sockel herunterstoßen konnten, woraufhin der Leckerbissen aus diesem Apparat und vor ihre Schnäbel kullerte. Die Forscher machten es den Kakadus aber nicht so einfach, dass sie ihnen fertiges Werkzeug zur Verfügung stellten, sondern bloß Rohmaterialien: Entweder ein Holzbrett, ein Buchenästchen noch mit Blättern dran, ein Stück Karton oder einen Block aus Bienenwachs.

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Alle vier Vögel erkannten recht schnell, dass mit dem Wachs nicht viel anzufangen war, sondern es bloß lästig an ihren Schnäbeln klebte, und ließen davon ab. Aus den Buchenzweigen konnten aber alle vier brauchbare Hilfsmittel herstellen und an die Nuss gelangen. Jene, die gleich alle Blätter abknipsten, waren dabei schneller, als die faulen, die es zuerst mit halb-belaubten Ästchen probierten und dann nachbessern mussten, damit ihre Stäbchen bis zur Nuss durch das Loch passten.

Nebst Figaro brachen sich auch zwei andere der Kakadus Späne aus dem Lärchenbrett und holten sich damit die Belohnung aus der Box, berichten die Forscher. Sogar aus dem Blatt Karton konnten die Kakadus Doolittle und Figaro auf ganz gewitzte Art ein brauchbares Hilfsmittel herstellen. Sie perforierten ihn mit der Schnabelspitze derart, dass sie ein dünnes Streifchen abreißen und für ihr Anliegen – an die Nuss zu kommen – nutzen konnten. Die beiden schätzten dabei sehr gut ab, wie lange und wie dick der Kartonstreifen sein musste.

"Ihr Erfolg bestätigt, dass Goffinkakadus Werkzeuge für bestimmte Anwendungen aus unterschiedlichen Materialien herstellen können, die sehr schwierige Manipulations-Muster voraussetzen", bilanzieren die Verhaltensforscher in dem Fachartikel. (APA, red, 18. 11. 2016)

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