Wurschtigkeit trifft Eleganz: Das Comeback der Baskenmütze

Kolumne17. November 2016, 11:00
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Stefanie Sargnagel ist ab jetzt nicht mehr allein: Die Baskenmütze ist die Kopfbedeckung dieses Herbstes

Es ist davon auszugehen, dass Stefanie Sargnagel ziemlich genau wusste, was sie tat, als sie sich zum ersten Mal ihre rote Baskenmütze aufsetzte. Seither sitzt das rote Käppchen so fest auf ihrem Haupt, als wäre es nie anders gewesen. Sogar den Grünen Hügel von Bayreuth hat die Wienerin mit der roten Mütze bereits bestiegen. Das Schöne ist: Sargnagel hat in den letzten Jahren aufgezeigt, welch unendliche Styling-Möglichkeiten mit der wollenen Mütze mit dem kleinen Zipfel verbunden sind. Sie trägt die Mütze nämlich überall und selbst im Sommer.

Statt das Klischee der ketterauchenden Baskenmützen-Französin zu bedienen, steckt bei Sargnagel unter der roten Kappe zwar auch ein ketterauchender, dafür aber ganz eigener Kopf. Sie setzt sich die Mütze nicht in koketter Schräglage auf, sondern so, wie sie getragen gehört – mit einer gewissen Wurschtigkeit und Nonchalance.

foto: apa/ gert eggenberger
Unter dieser Mütze steckt immer ... Stefanie Sargnagel.

Überhaupt hat diese Kopfbedeckung etwas, was der Baseballkappe und dem Beanie abgeht: Während der deutschen Besetzung Elsaß-Lothringens galt das Tragen der "Franzosenmütze" als Zeichen des Widerstands. Brigitte Bardot (die damals eigentlich kein wirklich fortschrittliches Frauenbild verkörperte) kombinierte die Baskenmütze Ende der Sechziger mit halterlosen Strumpfen und einer Schusswaffe im Anschlag – im Musikvideo gab sie gemeinsam mit Serge Gainsbourg das Gangsterpärchen Bonnie und Clyde.

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Brigitte Bardot mit schwarzer Mütze.

Der Gucci-Designer Alessandro Michele scheint sich des Schicks und der vagen Unberechenbarkeit der Baskenmütze erinnert zu haben. In den letzten Saisonen schickte er ständig weibliche Bücherwürmer mit runden Mützen über die Laufstege. Mittlerweile verkauft selbst Topshop die tellergroßen Mützen.

foto: ap/ richard drew
Baskenmützen bei Gucci ...

Diese Entwicklung dürfte die französischen Béret-Produzenten freuen. In den letzten Jahren gingen die meisten Produzenten von Baskenmützen (die nicht im Baskenland, sondern in der südfranzösischen Provinz Béarn gefertigt wurden) ein – schuld war die billigere Konkurrenz aus China. Es sei den Sargnagel-Fans und Bücherwürmern ans Herz gelegt, ihre Baskenmützen in Frankreich zu ordern. (Anne Feldkamp, 17.11.2016)

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