Studie: Öxit würde Wirtschaft enorm schaden

15. November 2016, 14:44
567 Postings

Die Studie sieht eine nachhaltige Belastung. Laut Wirtschaftskammerchef Leitl sind bis zu 150.000 Jobs in Gefahr

Wien – Die Wirtschaftskammer Österreich hat am Dienstag eine Studie über die möglichen Folgen eines Austritts Österreichs aus der EU vorgestellt. Da sich alle Regierungsparteien gegen einen Öxit ausgesprochen hätten, sei die Veröffentlichung keine Wahlempfehlung – sehr wohl stehe das Veröffentlichungsdatum aber im Zusammenhang mit der am Dienstag erneut startenden Anti-Öxit-Kampagne des Unternehmers Hans Peter Haselsteiner.

"Die Renditen der EU-Mitgliedschaft sind für Österreich phänomenal", lautet die Conclusio der Studie des ehemaligen IHS-Chefs Christian Keuschnigg im Auftrag der WKO. Eine Sora-Umfrage gab der Wirtschaftskammer Anlass zu einem Gedankenexperiment: Demnach befürwortet jeder vierte Österreicher einen EU-Austritt. Mit der Studie wolle man "klar nachprüfbare Fakten auf den Tisch legen, statt mit Emotionen zu spielen", sagt WKO-Präsident Christoph Leitl. Jene, die einen Öxit befürworten, sollen durch die Ergebnisse "zum Nachdenken angeregt werden".

EU-Binnenhandel treibt Innovation an

Laut der Studie würde der EU-Austritt die österreichische Wirtschaft erheblich schwächen. Allen voran profitiere Österreich vom Abbau der Handelsbarrieren innerhalb der EU. Vor allem Klein- und Mittelunternehmen würden erneute Zölle und Steuern teuer kommen, da die Fixkosten beim Marktzutritt für einzelne Länder hoch sind. Seit dem EU-Beitritt Österreichs habe die Gesamtexportrate real um rund 154 Prozent zugenommen, jene innerhalb der EU um 224 Prozent.

Der beiderseitige Marktzugang fördere den Wettbewerb und treibe Innovation voran. Die daraus folgende Spezialisierung mache Österreich konkurrenzfähiger, so Keuschnigg. Außerdem führen die Einsparungen bei den Importen zu einer Preissenkung, was wiederum die Reallöhne wie auch die Nachfrage stärkt. Keuschnigg veranschlagt für diese Einkommensgewinne rund zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Auch ausländische Firmen würden in Österreich nach einem Öxit weniger investieren. Die EU-Mitgliedschaft ist laut der Studie ausschlaggebend für rund 28 Prozent der Investitionen. Ausländische Tochterfirmen machen in Österreich zwar nur 3,2 Prozent aller Unternehmen aus, stellen jedoch ein Fünftel der Beschäftigten und erwirtschaften rund ein Drittel der Umsatzerlöse. Außerdem sind ausländische Betriebe für die Hälfte der industriellen Forschung und Entwicklung verantwortlich.

Freier Personenverkehr gefährdet

Der Wirtschaftsprofessor argumentiert, dass vor allem der freie Personenverkehr ein wichtiger Pfeiler der EU sei. Nicht nur die Reisetätigkeit von Privatpersonen sei uneingeschränkt möglich, auch durch Studienaustauschprogramme werde Innovation angetrieben. Außerdem seien Zuwanderer aus dem EU-Raum durchschnittlich höher qualifiziert als Österreicher.

Österreich steuerte 2014 brutto rund 2,9 Milliarden Euro zum EU-Haushalt bei. Dieser Betrag wird in der Studie mit den Zahlungen der Union gegengerechnet: Werden Einnahmen durch Programme zur Förderung der Landwirtschaft sowie Ausgaben für Strukturpolitik und Verwaltung abgezogen, bleibt ein Nettobetrag von 1,24 Milliarden Euro, was in etwa 0,4 Prozent des BIPs entspricht. Keuschnigg betont, dass der Einkommensgewinn durch die EU-Mitgliedschaft vor allem durch Direktinvestitionen und Innovation angetrieben wird und für 7,2 Prozent des österreichischen BIPs verantwortlich ist. Das entspricht dem 19-Fachen der Nettobeitragszahlungen.

Zurück zum Schilling

Durch den EU-Austritt würde Österreich auf den Status eines Drittlands zurückfallen, was zu Einkommensverlusten von mehr als sieben Prozent des BIPs führen würde. Durch einen erneuten Beitritt zu Efta (Europäische Freihandelsassoziation) oder EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) könnte der Effekt jedoch um ein bis zwei Prozent abgefedert werden. Außerdem bedeute ein Öxit einen zwingenden Austritt aus der Währungsunion. Die Studie geht davon aus, dass Österreich den Schilling wieder an die Leitwährung seines Haupthandelspartners Deutschland binden würden – und damit an den Euro. Das würde nicht zu Autonomiegewinn führen.

Leitl betont, dass 100.000 bis 150.000 Arbeitsplätze in Österreich durch einen Öxit gefährdet wären. Großbritannien habe unverantwortlich gehandelt und erlebe durch die Abwertung des Pfund schon jetzt die Konsequenzen des EU-Austritts. "Es darf kein Trittbrettfahrerverhalten geben und keine Anreize, die Union zu verlassen", so der WKO-Präsident. Die EU-Staaten müssten daher exklusive Rechte genießen, die ausgetretenen Ländern vorenthalten bleiben. (Nora Laufer, 15.11.2016)

  • Das Veröffentlichungsdatum der Öxit-Studie steht im Zusammenhang mit der heute wieder anlaufenden Anti-Öxit-Kampagne von Hans Peter Haselsteiner.
    foto: apa/hans klaus techt

    Das Veröffentlichungsdatum der Öxit-Studie steht im Zusammenhang mit der heute wieder anlaufenden Anti-Öxit-Kampagne von Hans Peter Haselsteiner.

Share if you care.