Tückische Dynamik bei Pankreaskarzinom

15. November 2016, 14:13
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Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine schwierige Diagnose – bei den meisten Patienten wird die Erkrankung erst entdeckt, wenn sie bereits fortgeschritten ist

In Österreich erkranken pro Jahr 1.600 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Pankreaskarzinom macht zwar nur vier Prozent der Krebsfälle aus, ist aber eine der tückischsten Krankheiten: Mangels eindeutiger Frühsymptome wird es häufig sehr spät diagnostiziert, die Rate der Patienten, die mehr als fünf Jahre überleben, beträgt nach Angaben von Experten lediglich zehn bis 25 Prozent.

"Wenn ein halbes Jahr lang Rückenschmerzen auftreten, Blähungen oder Gewichtsverlust auftreten, dann müssen alle Alarmglocken läuten. Leider tun sie das nicht – auch nicht bei vielen Allgemeinmedizinern", sagte Martin Schindl, Leiter der Pancreatic Cancer Unit (PCU) im Rahmen des CCC (Comprehensive Cancer Center) an der MedUni bzw. am AKH in Wien, am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Selbsthilfegruppe für Pankreaskarzinom-Patienten.

Ursachen für schlechte Prognosen

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse so lange im Verborgenen wächst und dann den Therapien ein Schnippchen schlägt: Das Organ liegt sehr zentral im Körper und ist von einem Flechtwerk an Blutgefäßen sowie Nerven umgeben, der Verlauf unterscheidet sich von dem anderer Krebsarten, die Tumorzellen sind in faserreiches Gewebe eingelagert, durch das Medikamente sich erst ihren Weg bahnen müssen, wie Gabriela Kornek, Onkologin, ärztliche Direktorin des AKH und Schirmherrin der Selbsthilfegruppe erläuterte.

Die ersten Symptome sind unspezifisch: Schmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, Veränderungen in der Verdauung wie Blähungen oder Fettstuhl und ein zunächst unerklärlicher Gewichtsverlust. Wenn auch ein Diabetes und eine schmerzlose Gelbsucht auftreten, ist der Tumor häufig lokal schon fortgeschritten oder hat Metastasen gebildet.

Die einzige Chance auf dauerhafte Heilung stellt eine Operation dar, die bei 80 Prozent der Patienten nicht mehr möglich ist. In diesen Fällen wird eine Chemotherapie eingesetzt, in jüngster Zeit auch eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie, um den Tumor so weit zurückzudrängen, dass eine Operation möglich wird. Das ist bei 30 Prozent der Patienten der Fall, die mit einer solchen neoadjuvanten Therapie behandelt werden.

Operation als Hoffnung

Fortschritte gibt es bei der Identifizierung der Tumore durch Computer- und Magnetresonanztomografie sowie Positronen-Emissions-Tomografie. "Damit ist es möglich, eine genaue Diagnose zu stellen und das Tumorstadium einzugrenzen", sagte Schindl. Nach seinen Worten werden vom Tumorboard am CCC jährlich bis zu 450 Patienten behandelt, bis zu 70 Patienten werden operiert.

International laufen intensive Bemühungen, dem Pankreaskarzinom Herr zu werden. "Der Weg wird Richtung Immuntherapie gehen", sagte Kornek. Außerdem sind die Forscher auf der Suche nach Biomarkern zur Früherkennung von Tumoren in der Bauchspeicheldrüse. Eine Hoffnung liegt auch in der zielgerichteten Therapie.

Dazu müssen allerdings noch weitere Ziele definiert und Methoden entwickelt werden, die durch Medikamente angreifbar sind. Derzeit schaut es so aus, dass Pankreastumor-Patientinnen mit dem Brustkrebsgen, einer BRCA-Mutation, von der Behandlung mit dem sogenannten PARB-Inhibitor profitieren.

Michaela Hartenstein, Gründerin der Selbsthilfegruppe Pankreaskarzinom, will durch ihre Initiative einerseits zur Aufklärung über Früherkennung beitragen, andererseits auch Betroffenen und deren Angehörigen Unterstützung bieten. (APA, 15.11.2016)

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