Andrej Polukord und Margit Busch erhalten Preis der Kunsthalle Wien

15. November 2016, 14:10
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Ausstellung am Karlsplatz zu den Gewinnern des Preises der Kunsthalle – Margit Busch erforscht eine Transwissenschaft, Andrej Polukord gibt sich als Bastler und Sammler

Wien – In der Kunsthalle Wien am Karlsplatz begegnet man aktuell zwei höchst unterschiedlichen Positionen. Während der gebürtige Litauer Andrej Polukord gerne im Wald unterwegs ist und das auch dokumentiert, widmet sich Margit Busch einer Transwissenschaft. Beide sind Empfänger des diesjährigen Preises der Kunsthalle.

Busch stellt quasi den heutigen Blick auf Künftiges in den Mittelpunkt, wobei das durchaus den Charakter von Vergangenem hat: Was kompliziert klingt, ist letztlich die Beschäftigung mit der Forscherin Else Sibil Somone, die Busch "entdeckt" hat. Anhand der in der Zukunft lebende Wissenschafterin erhält der Besucher Einblick in die "Transciency", bei der das Jetzt wie ein Tropfen nur einen Augenblick dauert oder die "Transmap" eine höchst eigenwillige Landschaft vor Augen führt – inklusive des "Swamp of Misunderstanding" oder einer "Tavern of Bliss".

foto: stephan wyckoff
Margit Busch, "IF–THEN–ELSE. Welcome to Transciency", 2016

Die deutsche Künstlerin, Absolventin der Universität für angewandte Kunst, hat auch den Schreibtisch von Somone für ihre Schau "If-Then-Else. Welcome to Transciency" quasi rekonstruiert, wobei der dort zu sehende Stowasser oder andere Utensilien weniger an die Zukunft, denn die Vergangenheit denken lassen. Darauf fressen sich auch Mehlwürmer durch Styropor, laut Kurator Lucas Gehrmann nicht zuletzt ein Kommentar zu nur allzu heutigen Fragen der Ernährung und des Recyclings, wie er bei einer Pressekonferenz am Dienstag betonte. Bei Busch sei aber auch "das Nicht-Berechenbare" ein zentrales Element.

Kartonpilze und Sarkophag

Dieses verbindet sie mit Polukord: Sein "Sarcophagus" umfasst Video, Installation, Malerei und eine Performance, die für die Ausstellungseröffnung am Abend angekündigt wurde. Diese wird wohl stattfinden zwischen den von der Decke baumelnden Kartonpilzen und einem aus Ziegelsteinen geformten Sarkophag, im Zentrum seiner Raumhälfte angesiedelt. Daneben hat Polukord 60 künstliche Pilze auf einem Regal versammelt, allesamt "gefunden", wie es in der Beschreibung heißt. Hier trifft man auf den "Wiener-Aktionismus-Pilz" ebenso wie auf einen "echten Gasherdteil-Pilz". Und die Bezeichnungen sind durchaus bildlich zu verstehen.

foto: stephan wyckoff
Andrej Polukord, "The Sarcophagus", 2016

Dass er dafür bereit ist, tief zu graben, untermauert ein achtminütiges Video, das ihn in seiner litauischen Heimat bei der Pilzsuche im Wald zeigt. Seine Bereitschaft, Erdlöcher mit einem beherzten Griff zu untersuchen, bringt aber nicht nur Steinpilze, sondern auch Ziegelsteine zum Vorschein. Ergänzt wird seine Präsentation von einer Wandtapete, die eine Intervention (wiederum im Wald) vor Augen führt. "Ihm geht es um die Verbindung von Mensch und Natur, aber auch um öffentliche Räume", so Gehrmann.

Entree in die Sichtbarkeit

"Wir sind auch dafür zuständig, Künstlern ein Entree in die Sichtbarkeit zu bereiten", stellte Kunsthallen-Direktor Nicolaus Schafhausen hinsichtlich der jeweils mit 3.000 Euro dotierten Auszeichnung klar. Verliehen wird diese seit 2002 in Kooperation mit der Angewandten, im Vorjahr kam die Akademie für bildende Künste hinzu, deren Absolvent Polukord ist.

Gerade in Zeiten schwindender Finanzmittel sei ein solcher Preis relevant, betonte Akademie-Rektorin Eva Blimlinger. So könne man Absolventen "im Transformationsprozess ihrer Karriere, wie immer sie diese dann auch gestalten wollen", unterstützen. Sie regte zudem eine Zusammenarbeit mit Bundesländer-Institutionen wie dem Kunsthaus Bregenz an, um die Präsenz noch zu erhöhen. (APA, 15.11.2016)

  • Die deutsche Künstlerin Margit Busch.
    foto: foto: stephan wyckoff, kunsthalle wien 2016

    Die deutsche Künstlerin Margit Busch.

  • Der litauische Künstler Andrej Polukurd.
    foto: stephan wyckoff, kunsthalle wien 2016

    Der litauische Künstler Andrej Polukurd.

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